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© 2006 Dr. Doris Wolf, Mannheim Wenn wir von unserem Partner verlassen werden, dann fühlen wir uns zunächst meist zutiefst verletzt. Wir fühlen uns machtlos und ohne Kontrolle. Wir geben ihm die Schuld an unserem Elend: "Hätte er uns nicht verlassen, würde es uns weiterhin gut gehen.“ Im Laufe der Zeit, wenn wir uns an den Gedanken gewöhnen, nicht mehr mit ihm zusammen sein zu können, lässt der Schmerz bei den meisten nach. Es gibt jedoch auch Menschen, die ihren Expartner auf "die schwarze Liste setzen“. Sie hadern ihr gesamtes weiteres Leben damit, wie ihr Expartner ihnen das antun konnte. Von nun an sehen sie quasi ihre Aufgabe darin, nicht zu vergessen, was er ihnen angetan hat. Ihr Motor für die immerwährenden Vorwürfe ist, dass sie den Expartner bestrafen und dadurch für sich die Gerechtigkeit wieder herstellen wollen. Sie sehen sich als berechtigt an oder wegen ihres Schicksals sogar gezwungen, ihm nicht zu verzeihen.
Zugegeben, es gibt viele tragische Schicksale, bei denen Menschen durch die Trennung ihre Lebenspläne völlig zunichte gemacht werden. Sie erleiden z.B. einen großen finanziellen Schaden, ihre Kinder sagen sich von ihnen los, der Freundeskreis zerbricht, ihre Gesundheit wird stark in Mitleidenschaft gezogen, kurz gesagt, ihr gesamtes bisheriges Fundament stürzt ein. Und doch verarbeiten Betroffene die Verluste sehr unterschiedlich. Der Expartner hatte zwar die Macht, uns zu verlassen und uns so oder so zu behandeln, er hat aber keine Macht darüber, wie wir damit umgehen. Wir können, auch wenn er uns noch so vieles angetan hat, entscheiden, wie wir darüber denken und damit umgehen. Wenn wir unserem Expartner Vorwürfe machen "Wie kann der nur... Das ist ungerecht... Ich habe so viel für ihn getan... Ich werde ihm zeigen, was er mir angetan hat ... Er soll nie mehr glücklich werden ...“, dann fühlen wir uns weiterhin von ihm bedroht, erzeugen in uns Anspannung, Wut oder sogar Hass. Unsere gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf ihn und nicht darauf, wie wir unsere Lage wieder verbessern können. Wir überlassen ihm quasi weiterhin Einfluss auf unsere Gefühle und unser Leben. Wir machen uns zum Opfer, das sich wehren muss. Weil wir uns mit solch negativen Gefühlen quälen, laufen wir Gefahr, eine psychosomatische Erkrankung oder auch eine Suchtmittelabhängigkeit zu entwickeln. Unser Freundeskreis zieht sich zurück, weil er nichts mehr von der Vergangenheit und unseren Vorwürfen hören will. Entscheiden wir uns hingegen, unserem Expartner zu verzeihen, dann tun wir dies in allererster Hinsicht für uns. Wir sind frei für Neues und können unseren Blick auf die Zukunft richten. Wir spüren wieder Kraft und innere Stärke. Wir sind wieder attraktiv für andere. Verzeihen heißt dabei nicht vergessen, denn vergessen können und sollen wir die negativen Erfahrungen auch nicht. Sie helfen uns dabei, in Zukunft dieselben Fehler zu vermeiden. Ein Gefühl des Verzeihens können wir verspüren, wenn wir unsere Gedanken in folgende Richtung lenken: "Ich bin bereit, zu akzeptieren, was er getan hat. Es hat mir weh getan und mir geschadet. Doch das ist Vergangenheit. Ich werde mich jetzt damit befassen, wie ich meine Bedürfnisse befriedigen kann und welche Wege mir jetzt offen stehen.“ Es kann auch hilfreich sein, sich in die Position des Expartners zu versetzen und die Situation aus seiner Sicht zu sehen. Auch ein kleines Ritual kann uns beim Abschiednehmen helfen. In einem Tagebuch oder Brief können wir uns die Vorwürfe von der Seele schreiben und den Brief dann verbrennen. Wenn wir verzeihen, heißen wir das Verhalten unseres Expartners nicht gut. Wir verzeihen, weil es uns dann besser geht und wir für einen neuen Anfang frei sind. Wenn Sie mehr zum Thema Kränkungen und Verletzungen wissen möchten: |