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© 2006 Dr. Doris Wolf, Mannheim „Ich liebe dich nicht mehr, ich möchte die Trennung“, oder noch schlimmer „Ichliebe eine andere/einen anderen“ , dies ist für die meisten von uns ein Frontalangriff auf unser Selbstwertgefühl.
Plötzlich hören wir innerlich ganz viele unserer Selbstwert zerstörenden Stimmen: „Wenn unser Partner uns nicht mehr liebt, dann sind wir nicht liebenswert.“ „Wenn er uns verlässt, dann deshalb, weil wir unattraktiv, etc. sind.“ „Wenn er uns nicht liebt, dann wird uns auch kein anderer lieben. Wir werden immer alleine bleiben.“ „ Wenn unser Partner geht, dann müssen wir alles falsch gemacht haben. Wir hätten ihn häufiger verführen sollen, weniger an ihm nörgeln sollen, mehr auf seine Wünsche eingehen sollen...“ Hat er sich wegen eines neuen Partners getrennt, malen wir uns aus, wie toll der neue Partner im Gegensatz zu uns aussieht, wie großartig es mit ihm im Bett klappt, wie glücklich unser Expartner mit ihm ist, ...... Diese Bilder genügen, um unsere Selbstachtung weiter zu reduzieren. Vielleicht fragen Sie sich, ob diese Gedanken und Phantasien nicht ganz normal seien, denn schließlich ist es eine Tatsache, dass Sie von Ihrem Partner verlassen wurden. Ich möchte Ihnen Folgendes antworten: In der ersten Zeit ist es ganz normal, dass Sie nach den Ursachen für die Trennung suchen. Ihr Partner hat Sie verlassen und da ist es zunächst naheliegend, zu folgern, dass Sie die Ursache seien. Es gibt in unserer romantischen Sicht nun mal die Vorstellung, dass Liebesgefühle vom Partner erzeugt werden. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir auch die Ursache sind, wenn die Liebe zerbricht. Schauen wir es uns genauer an, dann gehören zur Entstehung von Liebe und zum Zerbrechen der Liebe immer beide Partner: - Wir können einen Partner nur erobern, wenn er es zulässt und sich offen macht für uns.
- Wir verlieben uns nur in den Partner, der unseren Erwartungen und Wünschen entspricht.
- Wir können eine Partnerschaft nur erhalten bzw. erfolgreich führen, wenn unser Partner sie auch positiv erlebt.
Verändert unser Partner seine Bedürfnisse und Lebensziele und wir machen diese Entwicklung nicht in gleichen Schritten mit, dann erlischt seine Liebe. Die Partnerschaft ist dann geprägt von Wut und Vorwürfen oder Enttäuschung und Resignation. Für unser Selbstwertgefühl sind diese Zusammenhänge enorm wichtig. Sie bedeuten konkret: - Wenn unser Partner geht, dann hat dies nichts damit zu tun, dass wir nicht liebenswert sind. Wir sind lediglich für ihn nicht mehr liebenswert. Er hat seine Bedürfnisse und Vorstellungen verändert.
- Wenn unser Partner geht, dann sind wir weiterhin attraktiv - nur nicht mehr für ihn.
- Wenn unser Partner uns verlässt, dann kann es viele andere Menschen geben, mit denen wir neue Liebesgefühle erleben können.
- Wenn eine Partnerschaft zerbricht, sind immer beide beteiligt.
- Wenn unser Partner einen neuen Partner gefunden hat, dann können wir nicht sagen, dass dieser toller, besser, attraktiver, interessanter, usw. ist. Wir können lediglich sagen, dass er unserem Partner mehr von dem zu bieten hat, was dieser jetzt sucht.
Wir tun also gut daran, unsere Gedanken, die unser Selbstwertgefühl schmäler, genauer unter die Lupe zu nehmen, um Übertreibungen und fehlerhafte Schlussfolgerungen zu korrigieren. Ratgeber zur Bewältigung einer Trennung oder Scheidung Ratgeber zur Stärkung des Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens |