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Scheidung und Trennung wegen Missbrauch und psychischer Gewalt

Häusliche Gewalt in Familien hat verschiedene Gesichter. Sie kann sich in Form von psychischer, sexueller oder körperlicher Gewalt äußern. Alle drei Formen können für die Opfer ein jahrelanges Leiden darstellen. Sie reichen von Drangsalieren und absichtlichen Angriffen auf das Selbstwertgefühl des Partners bis hin zu brutalen Schlägen und Vergewaltigung. Dabei sind die Meldungen über häusliche Gewalt keineswegs rückläufig. Hinter verschlossenen Türen werden immer noch Frauen, Kinder und auch Männer gequält und verletzt. Die Opfer dulden die Schikanen zu Beginn oft, aus Liebe und dem Glauben an Besserung. Je länger die Beziehung dauert, kommen Scham und Angst hinzu. Die Täter spinnen dabei teilweise ein geschicktes Netz aus Lügen und Drohungen, um die Familie am Gehen zu hindern. Viele bleiben beim Partner und leiden ein Leben lang. Vor allem Kinder tragen tiefe Narben davon. Doch das muss nicht sein. Sie haben jederzeit die Möglichkeit, den Absprung zu wagen. Auch wenn Sie Angst vor einem Leben alleine haben: Es gibt unzählige Einrichtungen und Menschen, die Ihnen helfen werden, sich eine neue, bessere Zukunft aufzubauen.

Das Wichtigste über Trennung und Scheidung wegen Missbrauch für Sie:

  • Missbrauch in der Ehe oder Beziehung kann sich unterschiedlich äußern. Wenn Sie Angst vor dem Verhalten Ihres Partners haben, ist es wahrscheinlich an der Zeit für eine Trennung wegen Missbrauch und psychischer Gewalt.
  • Missbrauch in der Familie ist kein Kavaliersdelikt. Er fügt den Betroffenen seelischen und körperlichen Schaden zu, der in manchen Fällen irreparabel ist.
  • Kinder leiden in ganz besonderem Maße an missbräuchlichem Verhalten, da diese dem Schutz der Erwachsenen hilflos ausgeliefert sind.
  • Auch wenn Ihr Partner Ihnen versucht einzureden, dass Sie sein Verhalten provoziert haben - Sie trifft keine Schuld!
  • Es ist durchaus möglich, dass sich das gewalttätige Verhalten des Partners durch eine intensive Therapie ändert. Ständigen Beteuerungen ohne wirkliche Taten sind jedoch auf keinem Fall Glauben zu schenken: Manche Menschen ändern sich nie!
  • Bei kürzeren Beziehungen kann es am einfachsten sein, den Kontakt vollständig abzubrechen. Wenn Sie schon lange Zeit in einer von Missbrauch gezeichneten Familie leben und Sie Angst vor einer Trennung haben, können Sie sich Hilfe und Unterstützung von Außen holen.
  • Wenn Ihr Partner Sie nach einer Trennung nicht in Ruhe lässt oder Sie Angst davor haben, dass dieser Ihnen oder Ihren Kindern auflauert, gibt es die Möglichkeit eine gerichtliche Anordnung über den Partner zu verhängen, der es diesem untersagt, sich Ihnen zu nähern.

Wo fängt körperlicher Missbrauch und psychische Gewalt an?

Missbrauch kann ganz offensichtliche Formen annehmen, wie beispielsweise körperliche Gewalt in Form von Schlägen. Es kann auch sexuelle Übergriffe innerhalb der Partnerschaft geben, die dann beginnen, wenn der Partner wissentlich ein „Nein“ des Partners ignoriert. Aber auch psychische Gewalt hat schreckliche Auswirkungen auf die Psyche eines Menschen. Diese kann durch andauernde kränkende Äußerungen entstehen, die dem Selbstwertgefühl des Partners Schaden zufügen. Zudem kann es vorkommen, dass der Partner isoliert und kontrolliert wird. Oft gehen alle drei Formen des Missbrauchs Hand in Hand. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Sie als Opfer entscheiden, ob es sich um einen Missbrauch handelt. Lassen Sie sich deshalb Ihr Leiden nicht ausreden. Wenn Sie in Ihrer Partnerschaft Schmerzen, egal welcher Art, erdulden und sogar Angst vor Ihrem Partner haben, ist es an der Zeit, etwas zu ändern. Sie können Hilfe suchen oder eine Trennung einleiten. Welchen Weg Sie auch wählen, es ist wichtig, dass Sie handeln. Missbrauch hat gravierende Auswirkungen auf Ihr Leben und das Ihrer Kinder.

Was für Folgen hat körperlicher Missbrauch und psychische Gewalt auf Psyche und Gesundheit?

Missbrauch, egal in welcher Form, kann ganz einschneidende Folgen auf die Psyche der Betroffenen haben. Oft fühlen sich diese hilflos den Gewalttätigkeiten und Launen des Partners ausgesetzt. Sie gehen auf Zehenspitzen durchs Leben und sind in ständiger Alarmbereitschaft. Das verursacht im Körper Stressreaktionen, die auf Dauer schädlich für die Gesundheit sind. Es kann zu ernsthaften Folgeerkrankungen kommen, sowohl psychischer aber auch körperlicher Natur. Zudem ist das soziale Umfeld der Betroffenen meist eingeschränkt, da sie sich entweder selbst vom Umfeld isolieren oder vom Partner abgeschottet werden. Sie schämen sich dafür, dass sie es in einer solchen Beziehung aushalten oder geben sich die Schuld für das Verhalten des Partners. Menschen in schädlichen Beziehungen haben oft ein geringes Selbstwertgefühl, das oft aus Gewalterfahrungen in der Kindheit resultiert. Das kann dazu führen, dass diese lange in einer solchen Beziehung ausharren. Wenn sie es schaffen, sich zu trennen, folgt oft ein langwieriger Heilungsprozess. Neue Beziehungen können dabei zunächst von Misstrauen geprägt und von Anfang an durch den Schatten der Vergangenheit belastet sein. Doch auch, wenn es nicht einfach ist, eine Trennung kann Ihr Leben dramatisch verbessern. Und auch das Ihrer Kinder. Sind diese ebenfalls betroffen, ist es essentiell, dass Sie einen Ausweg aus Ihrer Partnerschaft suchen. Denn Kinder sind in höchstem Maße in einer missbräuchlichen Beziehung gefährdet.

Wie sich Missbrauch auf Kinder auswirkt

Kinder leiden in besonderem Maße unter Missbrauch und psychischer Gewalt innerhalb der Familie.

Kinder leiden in besonderem Maße unter Missbrauch und psychischer Gewalt innerhalb der Familie.

Wenn Kinder in der Familie von Missbrauch betroffen sind, kann das ihr seelisches Gleichgewicht komplett aus der Bahn werfen. Kinder leiden in besonderem Maße unter missbräuchlichen Handlungen innerhalb der Familie, denn Sie sind den Machtverhältnissen schutzlos ausgeliefert. Da Kinder Bezugspersonen brauchen, die sie beschützen und ihnen einen sicheren Raum zur Entwicklung geben, ist es für diese schwer mit dem Widerspruch zu leben, dass die Person, die eigentlich Schutz bieten sollte, ihnen Gewalt zufügt. Zumal es auch immer wieder zu hellen Phasen kommen kann, in denen der gewalttätige Elternteil durchaus zu elterlichen Gefühlen und Verhalten imstande ist. Kinder, die Missbrauch erleben, haben es schwer, Vertrauen zu anderen aufzubauen. Vor allem sexueller Missbrauch kann zu tiefgreifenden psychischen Störungen führen, die das gesamte Leben beeinflussen.

Kinder bauen zu ihrem eigenen Schutz Mechanismen auf, die zum Ziel haben, dass Seelenheil wiederherzustellen. Diese sind meist selbstschädigend und wirken sich im Erwachsenenalter als Depressionen, Essstörungen oder autoaggressives Verhalten aus. Wenn Sie sich in einer Beziehung befinden, in welcher Ihrem Kind Schaden zugefügt wird, müssen Sie reagieren. Wenden Sie sich schnellstmöglich an eine Beratungsstelle! Wenn Sie Angst haben, können Sie um Anonymität bitten. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Kind leidet. Es braucht Ihre Hilfe.

Sie sind nicht Schuld am Verhalten des Partners

Eine der Einschüchterungsmechanismen, die Gewaltverbrecher anwenden, ist es, dem Partner die Schuld in die Schuhe zu schieben. Lassen Sie das auf keinen Fall zu! Ihr Partner ist ganz allein verantwortlich für sein schädigendes Verhalten. Sie haben es verdient, dass man Sie achtet und für Ihre körperliche und seelische Unversehrtheit sorgt. Vielleicht haben Sie in Ihrer Kindheit bereits gelernt, mit Gewalt in der Familie zu leben und hier angefangen, die Schuld in Ihrem eigenen Verhalten zu suchen. Es kann sein, dass Ihnen bereits als Kind suggeriert wurde, dass Sie es verdient haben, geschlagen zu werden. Brechen Sie mit dieser Einstellung. Sie sind wertvoll! Niemand darf Ihnen absichtlich weh tun und Ihnen zusätzlich die Verantwortung für ein solches Verhalten zuschieben. Vielleicht denken Sie jetzt, dass es nicht einfach ist, mit Ihnen zu leben? Vielleicht neigen Sie tatsächlich zu Sticheleien und Provokationen? Das mag sein. Es ist aber keine Rechtfertigung für Gewalt. Streitigkeiten können durch Worte und Gespräche beigelegt werden. Dazu muss niemand Gewalt anwenden. Keine Provokation der Welt rechtfertigt das!

Sind nur Frauen von Missbrauch betroffen?

In den Medien ist zumeist von Frauen als Missbrauchsopfer die Rede. Aufgrund körperlicher Überlegenheit kommt es auch tatsächlich öfter zu Gewalttätigkeiten gegenüber Frauen. Jedoch ist die steigende Anzahl an Gewalt gegenüber Männern nicht zu ignorieren. Auch wenn körperliche Auswirkungen hier nicht ganz so deutlich zutage treten, leiden diese oft am psychischen Missbrauch. Beispielsweise, wenn die Partnerin Drohungen ausspricht oder den Partner erpresst. Es ist nicht genau bekannt, wie hoch die Dunkelziffer betroffener Männer ist. Im Gegensatz zu Frauen brechen diese weniger oft das Schweigen und suchen Hilfe. Dasselbe Phänomen gilt auch für sexuellen Missbrauch, der auf Jungen gerichtet ist. In den letzten Jahren steigt die Anzahl der gemeldeten Fälle, da die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, immer geringer wird.

Die Chance auf Besserung hängt vom Willen des Partners ab

Vielleicht lieben Sie Ihren Partner so sehr, dass Sie der Beziehung eine Chance geben wollen. Vielleicht hat sich das gewalttätige Verhalten erst vor Kurzem eingeschlichen und es besteht Hoffnung, dass Sie durch eine Therapie wieder zusammenwachsen. Vielleicht kommt Ihr Partner durch den Versuch der Trennung zur Vernunft und ist endlich bereit, sich helfen zu lassen. Denn davon hängt der Erfolg einer Therapie oder Hilfsmaßnahme ab - vom Willen des Partners, etwas an dem eigenen Verhalten ändern zu wollen. Wenn sich der Partner weigert, Hilfe anzunehmen oder Ihnen sogar droht, sollten Sie keine weiteren Gedanken an ein Zusammenbleiben verschwenden. Vor allem, wenn gemeinsame Kinder von den Übergriffen bedroht sind. Wenn Ihr Partner nicht imstande ist, Sie und die Kinder respekt- und liebevoll zu behandeln, kann keine Macht der Welt weiterhelfen. Es gibt Menschen, die nicht bereit sind, sich zu ändern. Diese sind selbst oft tief im Innern zerstört, aufgrund eigener Gewalterfahrungen in der Kindheit. Aber gerade, wenn Kinder im Spiel sind und auch Ihrer selbst willen: Durchbrechen Sie diesen Teufelskreis und suchen Sie Schutz. Wenn Ihnen eine Trennung aufgrund der Einschüchterungsversuche des Partners Angst bereitet, können Sie diese auch schrittweise in die Wege leiten.

Mögliche Probleme bei einer Trennung oder Scheidung wegen Missbrauchs

Es kann sein, dass Sie sich nicht trauen, den Partner zu verlassen. Viele Gewalttätige wollen unter keinen Umständen verlassen werden. Deshalb versuchen diese alles in Ihrer Macht stehende, um eine Trennung zu vereiteln. Drohungen, dass den Kindern etwas geschehen wird oder das Außenstehenden Geheimnisse verraten werden, können dazu führen, dass Menschen in solch krankmachenden Beziehungen bleiben. Sorgen darüber, wie sie Ihr Leben allein meistern sollen, können ein weiterer Faktor sein, der eine Trennung unmöglich erscheinen lässt. Vielleicht hat der Partner über Jahre hinweg dafür gesorgt, dass eine tiefe Abhängigkeit entsteht. Oft hat er Kontrolle über gemeinsame Konten, Versicherungen und die gemeinsame Wohnung. Doch lassen Sie sich nicht einschüchtern. Wenn Sie wirklich einen Ausweg suchen, findet sich dieser.

Erste Schritte auf dem Weg zur Trennung und Scheidung wegen Missbrauchs und psychischer Gewalt

Es kommt ganz darauf an, wie lange Sie bereits in der schädlichen Beziehung stecken und wie stark Sie eingeschüchtert sind. Wenn es sich um eine kurze Beziehung handelt, in der es erst zum Ende der Beziehung zu Gewalt kam, können Sie sich wahrscheinlich wesentlich leichter lösen. Die einfachste Möglichkeit ist, zu gehen und den Kontakt komplett abzubrechen. Wenn nötig auch unter Zuhilfenahme von gerichtlichen Anordnungen. Der Weg ist weder kurz noch schmerzlos, aber zumindest erhalten Sie Ihr Leben wieder zurück. Hat der Partner Schlüssel zu Ihrer Wohnung, sollten Sie möglichst rasch die Schlösser austauschen, schon allein deshalb, damit Sie nachts in Ruhe schlafen können.

Sind Sie dagegen schon seit Längerem in einer missbräuchlichen Beziehung, ist es vielleicht notwendig, den Ausstieg schrittweise vorzubereiten.

Zunächst empfiehlt es sich, Kontakt zu einer Anlaufstelle aufzunehmen. Wenn Sie eine Person in Ihrem Umkreis haben, der Sie wirklich vertrauen, können Sie diese um Hilfe bitten. Aber Vorsicht! Manchmal verstehen auch Angehörige den Ernst der Lage nicht und raten Ihnen „wegen der Kinder“ sich nicht zu trennen oder scheiden zu lassen. Suchen Sie sich zusätzlich Hilfe in einem Frauenhaus. Sie sollten dann, kurz vor Ihrer Flucht (und das ist es tatsächlich!) eine Tasche mit Habseligkeiten verstecken. Vielleicht können Sie diese, wenn Sie Angst haben, dass der Partner sie findet, auch bei Freunden abgeben. Sie sollten vor allem Medikamente und Ausweispapiere mitnehmen. Klammern Sie sich besser nicht an sentimentale Erinnerungsstücke. Überlegen Sie sich, was Sie bei einem plötzlichen Brand retten würden. Nur das Nötigste mitnehmen. Alles andere können Sie im Nachgang selber oder auch durch Freunde holen lassen. Auch Notrufnummern und die Nummer eines Anwaltes sollten Sie bei sich tragen, um im Notfall entsprechend reagieren zu können. Überlegen Sie dann ganz genau, wann es für Sie möglich ist zu gehen. Am besten, wenn der Partner nicht zu Hause ist. Das kann während dessen Arbeitszeiten sein oder wenn sich dieser beispielsweise mit Freunden trifft.

Expertentipp:

Sie können sich in Notfällen an die Polizei wenden (110) oder ein extra eingerichtetes, kostenloses Sorgentelefon bei häuslicher Gewalt anrufen (08000 116 016). Hier stehen Ihnen rund um die Uhr geschulte Mitarbeiter mit Rat und Tat zur Seite und können Ihnen in Ihrer schwierigen Zeit als Anlaufstelle dienen.

Die Zeit bis zur räumlichen Trennung überbrücken

Wenn Sie bereits dazu entschlossen sind, die Beziehung hinter sich zu lassen, kann es trotzdem noch einige Tage dauern, bis Sie sich endlich aus dem gemeinsamen Haushalt befreien können. Es ist für Sie sicherlich beruhigend, einen Plan aufzustellen, wie Sie diese Zeit überbrücken können. Wenn Sie Kinder haben, können Sie für diese beispielsweise eine Übernachtungsmöglichkeit für einige Tage organisieren. Im besten Fall so lange, bis Sie den Absprung geschafft haben und einen sicheren Platz für die Familie gefunden haben. Sich selbst können Sie schützen, indem auch Sie versuchen, sich möglichst wenig in gemeinsamen Räumlichkeiten aufzuhalten. Egal, wie Sie das anstellen, versuchen Sie nach Möglichkeit Ihrem Partner auszuweichen. Vielleicht können Sie diesem sagen, dass Sie alle Vorhänge reparieren und deshalb ein paar Tage das Bügelzimmer in Anspruch nehmen wollen. Hauptsache, Sie sind nicht in Sichtweite des Partners und vermeiden dadurch weitere Gewaltausbrüche.

Gerichtliche Schritte bei Missbrauch

Wer in einer missbräuchlichen Beziehung steckt, sollte sich überlegen, auch rechtliche Schritte gegen den Partner einzuleiten. Gewalt ist kein Kavaliersdelikt - es ist ein Verbrechen! Versuchen Sie deshalb möglichst Beweise zu sammeln, die Ihnen bei einer Gerichtsverhandlung helfen können. Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie blaue Flecken und Verletzungen haben und lassen Sie sich wegen sexueller Übergriffe untersuchen. Diese Beweise können sowohl dabei behilflich sein, wenn Sie Ihren Partner polizeilich von Ihrem Aufenthaltsort fernhalten wollen, als auch dabei, wenn Sie um das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder kämpfen.

Eine einstweilige Verfügung ist eine richterliche Anordnung, die es Ihrem Partner verbietet, sich und Ihren Kindern zu nähern. Befolgt er diese Anordnung nicht, kann es zu Geld- und Gefängnisstrafen kommen. Diese Anordnung dient also Ihrem Schutz und dem Ihrer Kinder. Sollten Ihre Kinder in den Kindergarten oder die Schule gehen, sollten Sie diese dringend über die Situation in der Familie informieren! Oft versuchen gewalttätige Familienmitglieder Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule abzuholen und Sie dadurch zum nach Hause kommen zu zwingen. Erzieher und Lehrer haben gewiss Verständnis für Ihre Situation und werden Sie sicherlich nach besten Kräften unterstützen.

Schluss mit Ausreden!

Eine von Missbrauch geprägte Familie ist meist nicht nur durch schlechte Zeiten geprägt. Es kann durchaus immer wieder fröhliche Phasen geben. Das mag in Ihnen eine gewisse Hoffnung wecken, dass sich die Situation bessern wird. Vor allem dann, wenn der Partner nach einem Gewaltausbruch beteuert, dass sich alles ändern wird. Dieses Muster ist ganz typisch für gewalttätige Beziehungen. Die Täter machen sich zunächst Luft und brauchen hinterher selbst Trost für das eigene Verhalten. Ihr Partner wird Sie hinterher um Verzeihung bitten und Ihnen schwören, dass sich ab sofort alles ändern wird. Und das kann auch eine Zeit lang zutreffend sein. Aber die wenigsten Menschen ändern sich aus eigener Kraft. Auch wenn es immer wieder friedvolle Zeiten in Ihrem Leben gibt: Sind diese es wirklich wert, den Schmerz aufzunehmen? Hören Sie auf, den Ausreden Ihres Partners zu lauschen. Dieser wird tausend Gründe für das eigene Verhalten finden, nicht zuletzt solche, die Sie selbst zum Schuldigen machen. Lassen Sie nicht zu, dass ein Mensch Ihr Leben zerstört. Sie müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie gehen. Ihr Partner muss Verantwortung für das eigene Leben übernehmen. Lassen Sie sich nicht durch dessen ständige Beteuerungen einlullen. Er wird sich, solange Sie bei ihm bleiben, nicht ändern.

Körperlicher Missbrauch und psychische Gewalt – die Zeit nach der Trennung

Es ist normal, dass Sie sich nach der Trennung zunächst einmal wie aus einem Alptraum erwacht fühlen. Einerseits froh, dass es endlich vorbei ist, auf der anderen Seite jedoch mit einer tiefen, inneren Leere erfüllt. Es kann sein, dass sich die Leere nach und nach mit den angestauten Gefühlen füllt, die bisher keinen Ausdruck finden konnten, weil es zu schwer gewesen wäre, diesen innerhalb der Partnerschaft in die Augen zu blicken. Das ganze Leid der vergangenen Jahre wird Ihnen bewusst werden und Sie höchstwahrscheinlich in eine Phase der Trauer führen. Trauer um Ihre eigene Lebenszeit und Ihren Schmerz. Diese Phase wird früher oder später auch wieder vorbei gehen und Sie werden wieder frei aufatmen können. Stück für Stück wird Ihnen klar werden, dass Sie Ihre Freiheit wiedergewonnen haben. Keine Kontrolle mehr, keine Angst, keine Sorgen um die Kinder. All das haben Sie hinter sich gelassen und können wieder frohen Mutes in die Zukunft blicken.

Expertentipp:

Zentral ist es, dass Sie sich jetzt Hilfe suchen und diese auch annehmen. Tendenziell geraten Menschen mit Gewalterfahrungen immer wieder in missbräuchliche Beziehungen, da sie es nie gelernt haben, Warnzeichen zu erkennen und rechtzeitig Grenzen zu setzen. Deshalb ist eine Aufarbeitung unter Zuhilfenahme einer Therapie sicherlich ein guter Weg. Hier werden Sie lernen, Ihr Selbstvertrauen wieder aufzubauen, damit Sie in Zukunft einen Partner aussuchen, der Sie als das betrachtet, was Sie sind: Ein einzigartiger und wertvoller Mensch, dem niemand absichtlich Schaden zufügen darf!

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