7 Mythen & Märchen über die Scheidung

 
 

An eine Trennung oder sogar Scheidung denkt niemand, wenn der Bund der Ehe eingegangen wird. Er soll ja ewig halten. Wird nach durchschnittlich 14,7 Jahren Ehezeit dann tatsächlich die Scheidung eingereicht, dann weiß man gar nicht, was auf einen zukommen kann.

Es gibt viele Unwahrheiten über das Thema Scheidung. Die 7 häufigsten Mythen und Märchen über die Scheidung finden Sie hier.

FOLGE 5:  Montag 05. Oktober -  Sonntag 11. Oktober 2015

1. Montag: „Eine Scheidung ist in Deutschland auch ohne Anwalt möglich.“

Sie benötigen für Ihre Scheidung einen Rechtsanwalt!  Eine Scheidung ganz ohne Anwalt ist in Deutschland nicht möglich. Bei einer einvernehmlichen Scheidung reicht aber ein einziger Anwalt aus. Der andere Ehegatte benötigt nur dann einen eigenen Rechtsanwalt, wenn er selbst im Scheidungsverfahren einen Antrag stellen will, beispielsweise hinsichtlich Unterhalts-, Sorgerechts- und Umgangsangelegenheiten. 

 

2. Dienstag: „Eine Ehe darf immer geschieden werden.“

Wenn ein außergewöhnlicher Grund vorliegt, dann wird die Ehe nicht geschieden! Ein außergewöhnlicher Grund ist dann gegeben, wenn die Aufrechterhaltung der Ehe für die gemeinsamen minderjährigen Kinder ausnahmsweise notwendig ist. Wann ist das der Fall?

  • Akute Selbstmordgefahr des Kindes
  • Erhebliche psychische Störung des Kindes

Bei der sogenannten Kinderschutzklausel kann das Gericht von sich aus ermitteln, ob die Ehe zum Wohl des Kindes nicht geschieden werden darf.

 

3. Mittwoch: „Wir können ganz frei den Trennungszeitraum bestimmen.“

Jein, es kommt darauf an! Sie müssen ein Jahr von „Bett und Tisch“ getrennt sein, um die Scheidung durch einen Rechtsanwalt einreichen zu können. Bei einer einvernehmlichen Scheidung kommt es hin und wieder vor, dass sich beide auf ein gemeinsames Trennungsdatum einigen. Bleibt die Scheidung einvernehmlich, wird kein Richter nachfragen. Wenn bewiesen werden muss, wann genau die Trennung begonnen hat, kann man das beispielsweise durch Zeugen tun. Am einfachsten ist es, dass Sie das Trennungsdatum schriftlich fixieren und beide unterschreiben.

 

4. Donnerstag: „Wenn einer von uns die Scheidung nicht will, dann kann ich mich nicht scheiden lassen.“

Keiner wird sein ganzes Leben in der Ehe bleiben müssen! Falls Sie die Scheidung wollen, Ihr Ehepartner aber der Scheidung nicht zustimmen will, müssen Sie sich nur an die Spielregeln halten: Die Ehe kann immer nach 3 Jahren Trennungszeit geschieden werden, egal ob der andere Partner die Scheidung nicht möchte. Eine Trennungszeit von einem Jahr kann aber auch schon ausreichend sein, wenn Sie beweisen, dass die Ehe „zerrüttet“ ist; das geht am besten, wenn Sie sich wieder in einer festen neuen Beziehung befinden.

 

5. Freitag: „Wir können den Trennungsunterhalt vertraglich ausschließen.“

Der Trennungsunterhalt kann nicht vertraglich ausgeschlossen werden! Ein Unterhaltsanspruch entsteht dann, wenn der Unterhaltspflichtige von Ihnen dazu aufgefordert worden ist, Auskunft über sein Einkommen zu geben und Unterhalt zu zahlen. Das muss schriftlich geschehen.

Da es grundsätzlich keinen Trennungsunterhalt für die Vergangenheit gibt, sollten Sie immer in Erwägung ziehen, Trennungsunterhalt unverzüglich nach der Trennung zu verlangen.

Mehr zum Trennungsunterhalt finden Sie unter:

www.scheidung.de/trennungsunterhalt.html

 


6. Samstag: „Die Steuerklasse kann ich wechseln, wann ich will.“

Das kann gefährlich werden! Grundsätzlich ist im Trennungsjahr noch eine gemeinsame Veranlagung der Einkommenssteuer vorgesehen. Denn das Trennungsjahr dient dem Zweck, der Ehe noch eine letzte Chance zu geben. Erst im folgenden Jahr nach der Trennung müssen die Steuerklassen gewechselt werden. Wenn Sie sich am 1. Dezember 2014 getrennt haben, dann müssen Sie bereits ab dem 1. Januar 2015 die Steuerklassen wechseln. Wenn Sie sich ab dem 1.1.2015 getrennt haben, dann müssen Sie ab dem 1.1.2016 die Steuerklassen wechseln. 

 

7. Sonntag:  „Ich kann nichts tun, wenn der andere Ehepartner die gemeinsamen Konten leerräumt.“

Doch, Sie können eine ganze Menge tun! Wenn Ihr Ex-Partner zu viel Geld abgehoben hat, dann können Sie diesen Betrag zurückfordern. Am sinnvollsten ist es, bereits während der Trennungszeit die gemeinsamen Konten und, sofern vorhanden, Wertpapierdepots aufzulösen. 

Wenn Sie meinen, dass Ihr Ex-Partner Vermögen bei Seite schafft, dann können Sie verlangen, dass er seine Vermögensverhältnisse offenlegt. Falls das Vermögen bei der Scheidung geringer ist, muss Ihr Ex-Partner erklären, was mit dem „fehlenden“ Vermögen geschehen ist.

 

Viele gute Tipps gibt’s in den Top 30-Tipps zum Thema Trennung und Scheidung: www.scheidung.de/30-tipps-fragen-und-antworten.html

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