7 Mythen & Märchen über Scheidungskosten

 
 

Eine Scheidung ist meistens eine kostspielige Angelegenheit. Vor allem für denjenigen, der zahlen muss… Es gibt zwar ein Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und auch ein Gerichtskostengesetz. Die Anwälte haben aber genügend -sagen wir mal- „Spielräume“, um die festgeschriebenen Mindestgebühren hochzusetzen. Wie hoch, das liegt teilweise im Ermessen der Anwälte selbst. Unterschiede bei den Anwaltskosten von mehreren 100 Euro bei gleichgelagerten Scheidungsfällen sind keine Seltenheit.

Glauben Sie etwa immer noch, dass jeder Anwalt gleich abrechnet? Die 7 häufigsten Mythen und Märchen über die Kosten bei einer Scheidung finden Sie hier.

FOLGE 7:  Montag 26. Oktober -  Sonntag 31. Oktober 2015

 

1. Montag: „Die Scheidungskosten sind gesetzlich festgelegt. Die sind überall identisch.“

Das glauben Sie doch nicht wirklich, oder? Träumen Sie weiter. Obwohl die Mindestgebühren gesetzlich festgelegt sind, fehlt es häufig bei den Kostennoten der Anwälte an Transparenz. Es gibt genügend Möglichkeiten, andere würden dafür „Tricks und Kniffe“ sagen, die Kosten in die Höhe zu treiben. Einige Kostenpunkte, die auf der Rechnung des Anwalts stehen, liegen ganz und gar im Ermessen des Anwalts selber. Das bedeutet: Wenn Sie beispielsweise beim Anwalt X für Ihre Scheidung 1500 Euro zu zahlen hätten, kann der Anwalt Y Ihnen dafür viel mehr berechnen! Ein Vergleich lohnt sich somit immer. 

 

2. Dienstag: „Egal wer den Scheidungsantrag stellt, die Kosten werden immer geteilt.“

Das stimmt so nicht. Grundsätzlich gilt, dass derjenige, der den Scheidungsantrag stellt, auch seinen Rechtsanwalt bezahlen muss. Bei einer einvernehmlichen Scheidung ist es häufig so, dass die Ehepartner im Vorfeld untereinander ausmachen, die Anwaltskosten zu teilen, in welcher Form auch immer. Die Gerichtskosten werden hälftig geteilt; dazu bedarf es nur eines Antrags.

 

3. Mittwoch: „Wenn ich gut verdiene, bekomme ich sowieso keine Verfahrenskostenhilfe gewährt.“

Jein, es kommt darauf an! Verfahrenskostenhilfe erhält derjenige, der bedürftig ist. Nicht nur bei geringem Einkommen, sondern auch bei hohen Schulden können beide Ehegatten Verfahrenskostenhilfe (auch Prozesskostenhilfe genannt) in Anspruch nehmen. Bedürftigkeit als Voraussetzung für die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe liegt zum Beispiel dann vor, wenn Sie mit der Tilgung der Raten der selbst bewohnten Eigentumswohnung belastet sind, und daneben nicht über ausreichend liquide Mittel verfügen, die Kosten für Ihre Scheidung aufzubringen.

Mehr zur Verfahrenskostenhil

 


4. Donnerstag: „Ich muss den Verfahrenswert bezahlen und das wird teuer.“

Nein, den Verfahrenswert muss keiner bezahlen! Der Verfahrenswert ist nicht gleichzusetzen mit den Scheidungskosten. Der Verfahrenswert (auch „Gegenstandswert“ oder „Streitwert“ genannt) ist lediglich eine Berechnungsgröße, auf deren Grundlage der Betrag der Anwaltskosten und der Gerichtsgebühren in einer offiziellen Tabelle ermittelt wird. Der Verfahrenswert muss also niemals bezahlt werden.

 

5. Freitag: „Ob wir viel streiten oder nicht, spielt bei den Scheidungskosten keine Rolle.“

Komplett falsch. Wer viel streitet, zahlt mehr. Wer wenig oder gar nicht streitet, kann bis zu 60% der Scheidungskosten einsparen.  Wenn Sie ein streitiges Scheidungsverfahren führen (wollen), dann benötigen Sie je einen Rechtsanwalt; und das ist teuer. Gehen erst die Schreiben und Schriftstücke hin und her, verlieren Sie schnell den Überblick und sind Ihren Rechtsbeiständen häufig komplett ausgeliefert. Nicht selten haben deshalb Scheidungsverfahren BEIDE Ehegatten finanziell in den Ruin getrieben. Am besten Sie erzielen so weit wie es geht Einigung über die zu regelnden Punkte. Sie können dafür auch einen Mediator einschalten. 

 

6. Samstag: „Am besten regeln wir alle sogenannten Scheidungssachen in einem Verbund. Das ist preiswerter, als wenn wir zum Beispiel das Sorgerecht in einem weiteren Verfahren extra regeln wollen.“

Ja, das stimmt.  Wenn Sie weitere Angelegenheiten (zum Beispiel Sorgerecht, Unterhalt, Zugewinnausgleich, Hausrat, Besuchsrecht, Ehewohnung), zusätzlich zum eigentlichen Scheidungsverfahren, zu regeln haben, dann wird für jede dieser Angelegenheiten ein eigener Verfahrenswert festgelegt. Das bedeutet weitere Gebühren und Kosten. Es ist wesentlich günstiger, diese Angelegenheiten in einem Verbund zu regeln, als wenn Sie diese nachher getrennt von der Scheidung geltend machen wollen. 

 

7. Sonntag:  „Egal wie es läuft, wir benötigen immer zwei Anwälte für unsere Scheidung.“

Nein, sehr häufig kann ein einziger Anwalt ausreichend sein. Eine Scheidung ganz ohne Anwalt ist in Deutschland nicht möglich. Bei einer einvernehmlichen Scheidung (und auch bei normalen Scheidungsverfahren ohne viel Streit) reicht aber ein einziger Anwalt aus. Der andere Ehegatte benötigt nur dann einen eigenen Rechtsanwalt, wenn er selbst im Scheidungsverfahren einen Antrag stellen will, beispielsweise hinsichtlich Unterhalts-, Sorgerechts- und Umgangsangelegenheiten. 

 

Viele gute Tipps und Praxisbeispiele gibt es im ausführlichen Ratgeber Scheidungskosten

 

 

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