7 Mythen & Märchen über Sorgerecht, Umgangsrecht und Kinder

 
 

Kinder können nichts für die Trennung und Scheidung der Eltern. Um den anderen Partner zu ärgern und bewusst zu schaden, neigen einige Ehepartner aus enttäuschten Emotionen dazu, dem anderen Elternteil den Umgang mit den Kindern zu verweigern. Das Umgangsrecht und das Sorgerecht haben direkten Einfluss auf das Wohlergehen der Kinder

Es gibt viele Unwahrheiten über das Thema Sorgerecht, Umgangsrecht und Kinder. Die 7 häufigsten Mythen und Märchen über das Umgangsrecht und das Sorgerecht finden Sie hier.

FOLGE 6:  Montag 12. Oktober -  Sonntag 18. Oktober 2015

1. Montag: „Sorgerecht und Umgangsrecht sind dasselbe.“

Nein. Sorgerecht und Umgangsrecht sind nicht dasselbe! Falls das Sorgerecht bei Ihnen von einem Elternteil allein ausgeübt wird, besteht ein Anspruch der Kinder und des nicht sorgeberechtigten Elternteils auf regelmäßigen Kontakt (Umgangsrecht) miteinander. 

Es gibt keine festen Regeln für den Umfang des Umgangsrechts. Für die Ausgestaltung des Umgangsrechts sollten sie die Bedürfnisse der Kinder und des Elternteils, der nicht mit den Kindern lebt, einbeziehen.

Beim Sorgerecht geht es um die Wahrnehmung von Sorgerechtsaufgaben, wie Gesundheitsfürsorge, Entscheidungen über die Ausbildung/Beruf, Vermögenssorge und Aufenthaltsbestimmungsrecht. Grundsätzlich wird das Sorgerecht gemeinsam ausgeübt. Sie können aber auch eine Vollmacht geben, dass ein Elternteil das Sorgerecht allein wahrnehmen soll. Diese Vollmacht kann jederzeit widerrufen werden. 

 

2. Dienstag: „Wenn ich das alleinige Sorgerecht habe, dann bestimme ich auch den Umgang.“

Sorgerecht und Umgangsrecht haben nichts miteinander zu tun! Es kommt ziemlich häufig vor, dass Anträge auf alleiniges Sorgerecht wegen eines Umgangskonflikts gestellt werden. Zum Beispiel, wenn ein Elternteil häufigeren Umgang mit dem Kind wünscht und das vom anderen Elternteil nicht akzeptiert wird; oder wenn wiederholende Unregelmäßigkeiten beim Umgang bis hin zu Umgangsausfällen auftreten.

Jedoch haben Sorgerecht und Umgangsrecht überhaupt nichts miteinander zu tun. Von den Familiengerichten werden Verfahren hinsichtlich des Sorgerechts und Umgangsrechts immer getrennt voneinander behandelt. Aus dem Sorgerecht sind keine Regeln bezüglich des Umgangsrechts ableitbar.

 

3. Mittwoch: „Das Jugendamt kann einen geltenden Gerichtsbeschluss ändern.“

Das ist falsch! Das Jugendamt hat keine Entscheidungsbefugnis. Wenn eine Änderung an einem geltenden Gerichtsbeschluss angestrebt wird, dann ist dies nur durch eine gerichtliche Abänderung zu erreichen. 

Jungendämter sind somit nicht mehr oder weniger handlungsbefugt wie die Elternteile selbst. 

 

4. Donnerstag: „Weil ich das alleinige Sorgerecht habe, kann ich gefährliche Unternehmungen verbieten“

Eine Weisungsbefugnis hinsichtlich der Ausgestaltung des Umfangs mit dem Kind gibt es nicht! Über die Ausgestaltung der Zeit, die ein Elternteil mit seinem Kind verbringt, entscheidet einzig und allein dieser Elternteil. Das Sorgerecht spielt hier überhaupt keine Rolle. Das bedeutet, dass Sie den aus Ihrer Sicht „gefährlichen“ Besuch im Kletterpark oder den Reitsport etc. nicht verhindern können. 

Anders verhält es sich mit Sorgerechtsthemen, wie zum Beispiel einem ärztlichen Eingriff am Kind während der Umgangszeit; sofern kein akuter Notfall besteht, verbleibt die Alleinentscheidung über medizinische Eingriffe bei dem Elternteil, welches das alleinige Sorgerecht hat.

 

5. Freitag: „Wenn ich das Sorgerecht habe, kann ich auch alleine bestimmen, wer das Kind treffen und betreuen darf.“

Das ist ein Irrglaube! Auch hier gilt: Wen das Kind während der Umgangszeiten trifft und mit wem es Zeit verbringt, entscheidet der Umgangsberechtigte alleine, Sorgerecht hin oder her. Das bedeutet, der Kontakt des Kindes zu den Großeltern lässt sich nicht unterbinden und auch nicht der Umgang mit dem neuen Partner des anderen Elternteils. Zudem kann innerhalb der Umgangszeit des Kindes auch auf einen Babysitter zurückgegriffen werden; der allein sorgeberechtigte Elternteil hat keinerlei Mitbestimmungs- oder Vetorecht. 

 

6. Samstag: „Wir sind nicht verheiratet gewesen und haben uns getrennt. Ich habe als Mutter das alleinige Sorgerecht.“

Das kommt darauf an. Seit Juli 2012 können Väter, die Verantwortung für ihr nichteheliches Kind übernehmen wollen, dies tun mittels eines Antrags beim Familiengericht. Wenn der Ausübung der gemeinsamen Sorge keine dem Kindeswohl zuwiderlaufenden Gründe entgegenstehen, räumt das Gericht die gemeinsame Sorge für das Kind ein.  

Wird ein solcher Antrag vom Vater des Kindes nicht gestellt, dann verbleibt die alleinige Sorge bei der Kindesmutter.

 

7. Sonntag:  „Ich kann einer Adoption meines Kindes durch meinen neuen Partner zustimmen, denn ich habe ja das alleinige Sorgerecht.“

Keinesfalls! Eine Adoption eines nicht verwaisten Kindes geht nur mit Zustimmung des anderen Elternteils. Ohne Ausnahme. Selbst wenn ein Elternteil nicht mehr aufzufinden ist und seit Jahren keinen Kontakt mehr zum Kind unterhält, bestehen die Familiengerichte auf die Zustimmung des anderen Elternteils und lehnen eine Adoption rigoros ab.

Auch ein Gerichtsbeschluss kann diese notwendige Zustimmung nicht ersetzen.

 

Mehr zu Kinder, Sorgerecht und Umgangsrecht finden Sie unter: http://www.scheidung.de/kinder-und-sorgerecht.html.

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