Der Pinocchio-Effekt

 
 

Übrigens: Durch die stärkere Durchblutung fängt die Nase plötzlich an zu jucken, weshalb sich Menschen, die gerade lügen, an die Nase greifen.

Was im Rückkehrschluss nicht heißen muss, dass jeder, der sich an der Nase kratzt, ein notorischer Lügner ist. Es könnte auch ein simpler Schnupfen die Ursache für jene verdächtige Geste sein.

Blöd wird es nur, wenn es sich um einen Seitensprung oder eine Beziehungslüge handelt.

Lügen als Schutzmechanismus

Manchmal schützt uns die Fähigkeit zu lügen vor allzu unangenehmen Situationen. Soziologen und Psychologen sind sich darüber einig: Lügen ist eine soziale Kompetenz, ohne die unser Zusammenleben nur schwer möglich wäre.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen abends nach einem Seitensprung ins eheliche Schlafzimmer und begrüßen Ihre Ehefrau mit ehrlichen Worten. Ihre Frau reagiert mit Scheidung? Pech für Sie!

Daher wird gelogen, was das Zeug hält. Und die Nase? Die wird heiß.

Warm, wärmer, Lüge

Die Forscher entdeckten, dass die Temperatur an der Nasenspitze zunimmt, sobald der Mensch eine emotionale Anstrengung erlebt. Wie zum Beispiel beim Lügen. Dabei wird die Region und das Gewebe um die Nase herum kälter.
Zeuge: Eine Wärmebildkamera. Sie beweist: Wenn wir über unsere Gefühle lügen, aktiviert sich ein Bereich in unserem Hirn, der direkt mit der Regulierung der Körpertemperatur verbunden ist.
Je größer die emotionale Anstrengung, desto höher ist die Aktivität im Hirnbereich, wodurch mehr Wärme erzeugt wird.

Einen Unterschied bei den Geschlechtern gibt es aber nicht. Wer also Lügnern auf die Schliche kommen will, braucht nur auf die Nase zu fassen. Oder sich scheiden zu lassen, denn lügen, betrügen, fremdgehen und „auf der Nase rumtanzen“, das geht für die meisten gar nicht.

Die Lehre vom Lügen

Warum lügen wir eigentlich? 41% der Menschen sagen die Unwahrheit, weil sie sich Ärger ersparen wollen und keine Verantwortung für die eigenen Handlungen bzw. Unterlassungen übernehmen wollen.
14% lügen, um sich das Leben zu erleichtern, um beliebt zu sein (8%) oder schlicht aus Faulheit (6%). Am Telefon wird viel öfter gelogen als in E-Mails oder im direkten Gespräch. Am häufigsten gelogen wird angeblich im Bett.

Peter Stiegnitz ist Begründer der Mentiologie, der Lehre vom Lügen. Er hat männliche und weibliche Lügen genau untersucht:

Demnach lügen Männer am liebsten, wenn es um ihr Auto oder um den Job geht. Frauen schummeln beim Gewicht und beim Alter.
Interessant sind die Motive: Männer lügen, um selber besser dazustehen, Frauen dagegen, damit andere sich wohlfühlen. Sie lügen zwar weniger als Männer, dafür aber geschickter.

Fazit: So ganz erfunden ist die Geschichte mit Pinocchio nicht. Auch wenn die Länge der Nase nicht wirklich eine Rolle spielt.

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