„Du bist mir zu hässlich“ – Trennungsgrund Aussehen

 
 

Schönheit. Über diesen Begriff kann man gleich bibliothekenweise philosophische Diskussionen führen oder seine Meinung dazu in solch profanen Sätzen wie „Boah, ist die schön!“ zum Ausdruck bringen. Vor allem aber geistert diese Eigenschaft durch fast alle unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und steht in dem Ruf den beruflichen Erfolg, unsere Freundschaften ganz besonders aber die Partnerwahl zu beeinflussen. Und auch wenn niemand gern als oberflächlich gilt – jeder trägt doch sein ganz eigenes Schönheitsideal mit sich herum. Leider kann es vorkommen, dass der Partner diesem Bild irgendwann nicht mehr entspricht. Ein Trennungsgrund? Oder nur ein Grund weniger Hollywoodfilme zu schauen?

Die Sache mit der Schönheit

Selbst wenn wir anfangs unseren Partner durchaus anziehend fanden, so hat Schönheit doch die unangenehme Eigenschaft ein sehr zerbrechliches Gut zu sein. Menschen verändern sich mit den Jahren und nicht jeder altert optisch auf die gleiche Weise. Und auch ein Unfall oder eine Krankheit können einen Menschen zeichnen und ihn weniger vorzeigbar machen. Ein ähnliches Bedrohungspotenzial für unser ästhetisches Empfinden besteht, wenn der Partner plötzlich ungepflegt rumläuft oder einen wirklich grässlichen Kleidungsstil entwickelt. Aber auch das Nachlassen der ersten Verliebtheit, lenkt mitunter das Auge auf so manchen Makel, der vorher nicht weiter aufgefallen ist.

Liebe macht schön

Schönheit ist kein absoluter Wert. Wie schon die viel zitierte Weisheit sagt „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ Was für den einen schön ist, ist für den anderen vielleicht gar nicht sonderlich attraktiv und umgekehrt. Und auch die berühmten inneren Werte haben in einer Partnerschaft einen Prominenten auftritt. Die Fähigkeit zuzuhören, ein gutes Herz, Intelligenz, Sinn für Humor und eine Schulter zum Anlehnen sind die Stars in einer Ehe, ohne die auch das gute Aussehen eine ziemlich blasse Vorstellung geben würde. Aus diesem Grund kommt es durchaus vor, dass unser „Auserwählter“ nicht unbedingt unserem heimlichen Schönheitsideal entspricht. Aber es gab etwas an ihm, was einen einfach gepackt hat. Sonst wäre man nicht mit ihm zusammen oder verheiratet.

Und wen man wirklich aufrichtig liebt, den findet man auch nicht hässlich. Krumme Nase, ausgeprägtes Kinn oder Übergewicht hin oder her. Wer seinen Partner plötzlich als hässlich betrachtet, kann davon ausgehen, dass sich an seinen Gefühlen mindestens so viel verändert hat wie am Aussehen des Anderen. Das Gleiche gilt, wenn man sich dafür schämt, mit ihm gesehen zu werden und sich Gedanken über Lästereien und Gerede von Freunden, Bekannten und Familie macht. Wer so denkt, hat entweder ernste Probleme mit seinem Selbstbewusstsein oder hat bereits damit begonnen, sich emotional von seiner Partnerschaft zu lösen.

Was nun?

Wer erkennt, dass der Partner ihm nicht mehr so gut gefällt, sollte erst mal in sich gehen und sich fragen, woran das liegt. Für die Form seines Gesichtes oder seinen Körperbau kann ein Mensch in der Regel wenig und auch an seinem Alterungsprozess kann er kaum etwas ändern. Gerade der Zeit kann nicht einmal der schönste Mensch entkommen. Viele verlorene Kämpfe in den von Schönheits-OPs gezeichneten Gesichtern Hollywoods beweisen das. Trotzdem kann sicher jeder etwas tun, um für seinen Partner attraktiver zu sein. Aber wo regelmäßige Körperpflege, gekämmte Haare oder ein wenig Sport noch verhandelbar sind, kann niemand eine radikale Hungerkur, Schönheitsoperationen oder auch nur einen völlig neuen Klamottenstil von seinem Partner verlangen. Forderungen gleiten allzu leicht in eine Erpressung ab und sind ganz sicher kein Zeichen für eine intakte Liebe.

Wer ernsthaft auf solche Gedanken kommt, sollte so ehrlich sein sich zu trennen und lieber nach einem Menschen suchen, der die gewünschten Eigenschaften besitzt. Natürlich gibt’s es dann immer noch das Risiko, dass der nächste Partner dafür wieder ganz andere Fehler hat.

Trotzdem gibt es keinen Grund eine Partnerschaft nur deswegen weiterzuführen, um sich selbst zu beweisen, dass man nicht oberflächlich ist. Niemand würde einen Partner wollen, der sich für jede Zärtlichkeit überwinden muss und der, bei jedem Kompliment einen Lachanfall unterdrücken muss. Wenn die Gefühle und die erotische Anziehung – aus welchen Gründen auch immer – fehlen, ist es einfach das Beste einen Schlussstrich zu ziehen, anstatt sich selbst und anderen etwas vorzumachen. Wer den Partner einfach nicht mehr schön finden kann, muss deswegen auch nicht gleich oberflächlich sein. Niemand kann seinen Gefühlen befehlen und oft genug versteckt sich hinter dem Sinneswandel auch ein ganz anderer Faktor, an dem die Beziehung letztlich wirklich gescheitert ist.

Wichtig:

 Wer sich für die Trennung entscheidet, sollte auf keinen Fall erwähnen, dass das Aussehen der Grund ist. Das ist nämlich eine sichere Methode dem Selbstbewusstsein seines zukünftigen Ex-Partners schweren Schaden zuzufügen. Wer es trotzdem tut, bringt gegenüber seinem Partner zumindest eine Sache deutlich zum Ausdruck: Er hat gerade niemand Bedeutenden verloren, ihm ist nur ein unsensibler Klotz vom Bein gefallen.

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