Ewige Liebe – die Alltagssorgen verheirateter Blutsauger

 
 

Heute ist Halloween. Ein Tag der Geister und der Toten. Und auch ein Tag an dem die Grenzen, die  unsere bunte Neonwelt vom Reich des Unheimlichen trennen, dünner zu werden scheinen.  Da es in diesem Blog aber um die Liebe geht, wollen wir uns einer Sagengestalt annehmen, die den Tod und die Liebe perfekt vereint: Dem Vampir.

Was würde es für die Liebe bedeuten ewig und fernab des Lichts zu leben? Erfahren Sie hier die harten Antworten. Wenn Sie damit leben können.

Sie sind so mutig uns zu folgen? Nun gut. Als unsterbliches Wesen der Nacht gäbe es für Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um nicht allein zu sein. Entweder Sie verlieben sich in einen Sterblichen oder Sie schaffen sich mit Ihren mystischen Kräften einen unsterblichen Gefährten. In beiden Fällen werden Sie ein gänzlich anderes Beziehungsleben haben als der Durchschnittsbürger.

Variante 1: Sterblicher Partner

„Bis dass der Tod euch scheidet“. So heißt eines der Versprechen in der Ehe. Aber in Ihrem Fall hätte dieser romantische Satz einen faderen Beigeschmack als eine abgestandene Blutkonserve. Denn auch wenn Sie dem Tod entronnen sind, hat Ihr Partner doch mit allen Sorgen des Alterns zu kämpfen. Nach einigen Jahren, in denen Sie beide jung und vital durch die Nacht schweifen, würde Ihre Braut oder Ihr Bräutigam ziemlich alt neben Ihnen aussehen. Und das ist noch nicht alles. Noch viel schlimmer ist, dass die Liebe Ihres Lebens irgendwann sterben wird und Sie fortan allein umherwandern müssen. Wer sich dann nicht entscheidet ein intensives Sonnenbad zu nehmen und wer noch nicht genug von diesem ewigen Drama hat, dem bleibt nichts anderes übrig als das ganze Spiel noch einmal von neuem zu beginnen. Mit einem weiteren Unlebensabschnittsgefährten.

Doch auch abseits dieser endlosen Schleife aus Liebe und Abschied gibt es eine Menge Probleme. Zunächst einmal könnten Sie sich wahrscheinlich nur dann häufiger sehen, wenn der Tagesablauf Ihres Partners es zulässt. Wenn Sie dem altehrwürdigen Blutadel angehören, kann das Licht Ihrer schlaflosen Tage natürlich mit Ihnen im Schloss wohnen. (Wenn es denn bereit ist, Freunden und Familie für immer Lebewohl zu sagen, heißt das.) Aber wenn Sie nur ein armer Sauger sind, dann wird daraus wohl eher nichts.

Auch Ihre Hochzeit wäre kein Blutzuckerschlecken.  Auf eine kirchliche Hochzeit müssen Sie ohnehin verzichten, erst recht wenn Sie sich vorher noch taufen lassen müssten. Weihwasser gibt hässliche Brandwunden. Bleiben noch ein später Standesamtstermin im Winter oder eine komplett verdunkelte Limousine, die direkt vor die Tür fährt. Sind sie bereits für tot erklärt worden, so dürften sie zudem einige interessante Diskussionen mit dem Standesamt erwarten. Die anschließenden Flitterwochen in der Sonne wären ohnehin eine sehr einseitige Angelegenheit. Wenn dann mal keine Strandnixe oder kein smarter Beach Boy Ihren Partner bezirzt, während Sie im Hotel bleiben, haben Sie wirklich Glück gehabt. Und auch die Hochzeitsfotos würden recht einsam sein, da Vampire sich mancher Legende nach eher selten auf Lichtbildern zeigen.

Variante 2: Unsterblicher Partner

Sie haben sich also dafür entschieden, sich einen Begleiter zu schaffen. Ob das so eine gute Idee war? Natürlich vermeiden Sie damit einige der Probleme, die Ihnen die erste Variante einbringen würde. Aber gleichzeitig würden Sie sich völlig Neue schaffen. Zuallererst müssten Sie täglich Ihre Eifersucht bekämpfen, wenn der Geliebte an fremden Hälsen nuckelt. War das gerade nur ein Leckerbissen oder doch ein leidenschaftlicher Kuss? Wer weiß das schon...

Darüber hinaus sind allein Sie dafür verantwortlich, dass das Herz Ihres Partners nicht mehr schlägt. Wenn er von seinem lichtlosen Dasein gelangweilt oder angewidert ist, sind folglich auch Sie es, der das ausbaden muss. Sätze wie „Du hast mich zur Hölle verdammt!“, sind in Vampirkreisen nicht gerade selten und ein solcher Zorn lässt sich definitiv nicht mit ein paar Blumen von der Tankstelle (oder vom nächsten Friedhof) wieder besänftigen.

Auch die Wohnungsplanung bringt Herausforderungen mit sich. Wer mal eben eine Stunde vor Ladenschluss im Möbelgeschäft um die Ecke einen bequemen Doppelsarg kaufen wollte, weiß, wovon wir reden. Und erst die lieben Kinder. Bekommen könnte man schon mal keine und selbst künstliche Befruchtung käme nicht infrage. Bliebe also nur eine Adoption und wenn Sie ihr Kind nicht irgendwann im Altersheim besuchen wollen, dann müssten Sie es ebenfalls „verwandeln“. Und wir sagen Ihnen von vorneherein: Dann können Sie die gute Kinderstube vergessen.

Und was ist mit Erinnerungsfotos? Das Fotoproblem wäre hier sogar noch gravierender als beim ersten Beispiel. Aus Ihren Pärchenfotos im Grünen können nämlich ganz schnell reine Landschaftsbilder werden. Wenn Sie Ihre Liebe der Nachwelt also auch im Falle des Besuchs eines übereifrigen Vampirjägers erhalten wollen, müssten Sie sich also schon einen Porträtmaler kommen lassen.  Mit Nachtzuschlag versteht sich.

Immerhin zwei Vorteile hätte die Sache aber: Die unangenehme Frage „Schatz, sehe ich alt aus?“ hätte sich erübrigt und niemand könnte im Spiegel nach Falten oder grauen Haaren suchen.

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