Häusliche Gewalt

 
 

Laut der britischen Studie „Beware, win or lose“ steigern Niederlagen und Siege im Fußball Aggressionsverhalten.

Forscher von der University of East London verglichen in dieser Studie die Häufigkeit häuslicher Gewalt in England während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 mit denen vom Jahr davor. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Als Deutschland im Achtelfinale mit 4:1 gegen England gewann, stieg die Rate häuslicher Gewalt in England um fast ein Drittel an. Auch als England mit 1:0 gegen Slowenien siegte, verzeichnete die Polizei rund 27% mehr Fälle. Hingegen gab es beim 1:1 gegen die USA knapp zwei Prozent weniger Fälle als im Jahr davor.

Woran liegt das?

Faust statt Kuss

Gewaltausübung kann persönlichkeitsbedingt sein. Es gibt Menschen, die zu Aggressionen neigen und in Konflikten schnell zuschlagen. Oft spielt auch die soziale Herkunft eine Rolle. Wenn nicht gelernt worden ist, Konflikte konstruktiv auszutragen, reagieren diese Menschen mit Gewalt. Das ist besonders in Paarbeziehungen problematisch, weil sich hier einer von beiden gekränkt, zurückgewiesen oder missachtet fühlt. Es entsteht emotionaler Stress, der sich in Gewalt entlädt.

Wenn Männer schlagen

Männer schlagen Frauen öfter als umgekehrt. Wenn sich Frauen nicht wehren, spielen oft Abhängigkeiten eine Rolle, aus denen die verschiedensten Ängste resultieren. So bleiben viele Frauen in ihrer Beziehung, weil sie den Partner lieben. Sie leiden zwar an den psychischen und phyischen Gewaltexzessen ihrer Männer, aber dann zieht es sie nach einiger Zeit doch wieder zu ihm hin.

Dieser emotionaler Konflikt kann nicht einfach durch Beendigung der Beziehung aufgelöst werden. Es gibt auch viele Beziehungen, in denen beide Partner sehr aggressiv miteinander umgehen. Dann provoziert einer so lange, bis der andere „explodiert“. In solchen Partnerschaften verlassen die Frauen ihren Partner auch deshalb nicht, weil sie ahnen, dass sie an dem Problem ursächlich beteiligt waren.

Wenn Frauen schlagen

Wenn Frauen ihre Männer schlagen, dann fühlt sich ER meistens wehrlos und hilflos. Geschlagen zu werden beschädigt immer die eigene Selbstachtung. Viele Männer finden dann auch keine geeigneten Ansprechpartner und passende Unterstützung, um mit ihrer Situation klarzukommen. Das Thema ist weitgehend gesellschaftlich tabuisiert. Männer, die zugeben, geschlagen zu werden, ernten meistens Spott. Viele haben Angst, es werde angenommen, sie hätten die Frau zuerst geschlagen oder provoziert.

Unterschiede im Gewaltverhalten

Frauen neigen eher zu verbaler und emotionaler Gewalt: Sie versuchen, durch spitze Bemerkungen oder verbale Tiefschläge den Partner dort zu treffen, wo es weh tut.
Männer agieren hingegen grobmotorisch. Im verbalen Bereich neigen sie mehr zu Beleidigungen, die mit lauter Stimme geäußert werden. Das sind aber nur Durchschnittswerte. Es gibt auch Frauen, die sich eher männlich verhalten und Männer, die zu einem eher weiblichen „Gewaltstil“ neigen.

Auswirkungen auf Kinder

Kinder leiden sehr unter häuslicher Gewalt. Zum einen werden sie oft mit in die Auseinandersetzungen gezogen und erleben dann selbst Gewalt. Oft versuchen die Partner aber auch, die Kinder auf ihre Seite zu ziehen. Das bringt die Kinder in einen Loyalitätskonflikt – sie sollen sich für einen Elternteil entscheiden, und damit gegen den anderen. Außerdem lernen sie keinen konstruktiven Umgang mit Stress.

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