Österreich: Einvernehmliche Scheidung nur mit Psychologen

 
 

Grund für die Neuregelung ist das Inkrafttreten des neuen Familienrechtspakets (KindNamRÄG). Bei der Gesetzesänderung wurde besonderes Augenmerk auf die Interessen von minderjährigen Kindern in ihrer Rolle als Scheidungsopfer gelegt. Entsprechend trifft die Beratungspflicht auch nur jene Paare, die neben der Absicht einer einvernehmlichen Scheidung auch minderjährige Kinder haben.

Diese Elternpaare müssen sich von nun an bei einer geeigneten Einrichtung oder einer geeigneten Person über die besonderen Bedürfnisse ihres Kindes im Zusammenhang mit der Scheidung informieren. Eine Bestätigung über die Teilnahme an einer solchen psychologischen Beratung muss dem Gericht vor Abschluss oder Vorlage einer Regelung der Scheidungsfolgen vorgelegt werden. Ohne die Vorlage einer solchen Bestätigung kann sich ein Scheidungsverfahren künftig stark verzögern.

Das österreichische Bundesministerium für Justiz hat eine Liste mit Beratungsterminen und Kosten auf seiner Website veröffentlicht, welche einmal wöchentlich aktualisiert wird. Eine dauerhafte Verfügbarkeit dieser Liste wird aber vom Justizministerium nicht garantiert. Auch sind die aufgelisteten Personen und Organisationen nicht zwingend geeignet. Ihre Eignung muss noch im Einzelfall vom Gericht geprüft werden.

Wer auf eine solche Beratung lieber verzichten möchte, kann sich nun nicht mehr einvernehmlich scheiden lassen. Allerdings müssen die Eltern ihrerseits an keiner psychologischen Einzelberatung teilnehmen, da die neue Regelung nicht direkt auf ihre Lage, sondern auf die ihrer Kinder abzielt. Aus diesem Grund ist es auch möglich, dass mehrere Elternpaare gemeinsam zu einer Beratung gehen.

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