Reh-Romantik an schwülen Tagen

 
 

Hohe Luftfeuchtigkeit ist für menschliche Pärchen alles andere als romantisch. An eng umschlungenes Kuscheln oder heißen Sex ist selbst für viele Verliebte bei schwülem Wetter nicht zu denken. Statt Bauchkribbeln und Leidenschaft regen sich dann nämlich meist eher die Schweißdrüsen.

Ganz anders sieht das bei Rehen aus, in denen sich zarte Gefühle regen.  „Verliebte Rehe[…] kommen an schwülen Tagen erst so richtig in  Fahrt“, sagt Dr. Andreas Kinser, Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. Doch auch, wenn so manch verliebter Homo sapiens die Wildtiere um ihren ungestörten Liebestrieb beneiden mag, so hat das schwüle Liebesfieber doch auch seine Schattenseiten. „Blind vor Liebe riskieren Bock und Ricke dann oft ihr Leben, wenn sie im Verkehr die Straßen kreuzen.“

In so einem Fall kann die Liebe dann sogar tödlich sein. „Keine andere Schalenwildart ist häufiger in Wildunfälle verwickelt“, erklärt Dr. Kinser. Bundesweit sterben jährlich mehr als  200.000 Rehe im Straßenverkehr. Zudem ist die Dunkelziffer hoch.

Schuld an dieser Gefühlsaufwallung sind laut Dr. Kinser vor allem die Hormone. Ende Juli steuert nämlich die Rehbrunft auf ihren Höhepunkt zu. Die Ricke lockt den Bock dann mit ihren Fiep-Lauten, während der Bock die Dame seiner Wahl vor sich hertreibt.

Zusätzlich motiviert werden die „Reh-Casanovas“ durch bestimmte Sexuallockstoffe (Pheromone) – eine Art „Reh-Parfüm“, dass das Reh-Weibchen durch seine Duftdrüsen absondert, und dass die Ricke für die Männerwelt unwiderstehlich macht und Paarungsbereitschaft signalisiert.

Damit den verliebten Rehen ein trauriges Ende und den Autofahrern ein Unfall erspart bleibt, empfiehlt der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung, vor allem zur Brunftzeit besonders aufmerksam und bremsbereit zu sein.

Ein Ratschlag, den sicher nicht nur Liebende gut nachvollziehen können. Auch an schwülen Tagen.

Dieser Artikel entstand mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Wildtier Stiftung.

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