Rosenkrieg 2013 – müssen immer die Fetzen fliegen?

 
 

Sie haben keine riesige Eingangshalle mit Kronleuchter, von dem Sie wie Barbara und Oliver Rose in dem Kassenschlager „Der Rosenkrieg“ medienwirksam abstürzen können?

Dann wäre das Ende Ihres Scheidungskrieges vielleicht ihr Hauseingang, in dem Sie verendend noch die ausgestreckte Hand Ihres, nun endlich, Exmannes wegstoßen könnten. Und dann? Ein Tag in den Schlagzeilen und fürs Leben gestrafte Kinder. Oder einfach kurz innehalten?

Scheidung.de: Eine friedliche Scheidung – gibt’s das überhaupt?

RA Lutz Libbertz: Eine friedliche Scheidung gibt es dann, wenn die Partner nicht noch um den letzten Blumentopf streiten, sich gütlich einigen. Das ist das Fundament für einen normalen Umgang miteinander, wichtig gerade dann, wenn Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind. Nicht jeder kann sich bei Gericht auf Nimmerwiedersehen verabschieden.

Scheidung.de: Das klingt wahnsinnig sozial aus dem Munde eines Anwalts. Inwiefern können Sie den Ablauf eines Scheidungsverfahrens bezüglich der zwischenmenschlichen Komponente überhaupt beeinflussen?

RA Lutz Libbertz: Meine Aufgabe als Anwalt ist es lediglich, für meine Mandanten die Scheidung abzuwickeln. Aber als Mensch bleiben mir die Schicksale, die hinter einer Trennung  stehen nicht verborgen. Deshalb empfehle ich Verfahrensbegleitend psychosoziale Unterstützung. 

Scheidung.de: Frau Neumayr, Sie sind Beziehungsexpertin und Paarberaterin – müssten Sie als solche dann nicht das „Ruder noch einmal rumreißen“?

Sandra Neumayr: Ja und nein. Wenn die Herrschaften Herrn Libbertz das Mandat für die Scheidung übertragen haben, dann ist diese Entscheidung gefallen und zu akzeptieren. Als Mediatorin versuche ich dann, für beide Partner einen Weg zu finden mit der Scheidung umzugehen. Bestenfalls schaffen es die Ex- Ehepartner die Scheidung als Abschlusspunkt zu verbuchen, über die Beziehung hinweg zu kommen und diese mit schönen Erinnerungen zu verbinden. Vorwürfe bringen keinen weiter und eine unaufgeräumte Vergangenheit ist Hindernis für einen glücklichen Neustart.

Scheidung.de: Wäre es nicht manchmal besser, einen klaren Schlussstrich zu ziehen, und mit dem anderen maximal schriftlich zu verkehren?

Sandra Neumayr: Sicher ist der Wunsch, so zu verfahren, häufig groß, denn natürlich geht es da um Verletzungen, aber gerade wenn Kinder da sind, muss ein Weg gefunden werden, um auch nach der Trennung als Paar weiter gemeinsam Eltern zu bleiben, denn Kinder brauchen nun mal Mutter und Vater. Und haben auch ein Recht auf beide Elternteile. Der Vater hat andere Funktion als die Mutter und das ist in der Kindererziehung wichtig. Bestenfalls werden aus beiden Ex-Ehepartnern Erziehungspartner die sich gegenseitig respektieren, und aus Liebe zum Kind gemeinsam das Aufwachsen begleiten und erzieherisch an einem Strang ziehen. 

Scheidung.de: Herr Libbertz, gibt es so etwas wie einen Scheidungstrend 2013?

RA Lutz Libbertz: Scheidungen gibt es das ganze Jahr, da kann man nicht unbedingt von Trend sprechen. Die Zahl der Scheidungswilligen steigt jährlich in den Sommermonaten. Das hängt meist damit zusammen, dass sich viele nach einem gemeinsamen Urlaub scheiden lassen.

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