Scheidung per Videokonferenz

 
 

Ein Ehescheidungstermin vor Gericht kann auch mithilfe einer Videokonferenz rechtlich bindend durchgeführt werden. Diese neue Form der Verfahrensführung widerspricht nicht dem Grundsatz der unmittelbaren Anhörung beider beteiligten Ehegatten.

Was in Erfurt beim Familiengericht deutschlandweite Beachtung fand (http://www.scheidung.de/scheidungsnews/scheidung-per-videokonferenz-eines-ehepaares-aus-leipzig.html), wird schon seit Jahren in ähnlich gelagerten Fällen bei Familiengerichten praktiziert: Die Scheidung per Video-Konferenz. 

Vor dem Amtsgericht in Darmstadt hat eine Ehefrau die Scheidung von Ihrem in Haft befindlichen Ehemann eingereicht. Das Amtsgericht in Darmstadt hat die örtliche Zuständigkeit bejaht. Die polnische Ehefrau und ihre Anwältin waren beim Gericht anwesend. Der Ehemann wurde per Video zugeschaltet. Das Gericht stellte klar, dass der Grundsatz einer persönlichen Anhörung vor Gericht durch die Videokonferenz eingehalten wird. Der Scheidungsrichter konnte die persönlichen Sichtweisen der Ehegatten erfassen, den Scheidungssachverhalt aufklären und es war auch ein unmittelbares Gegenüber  der Ehepartner gewährleistet. Das Familiengericht Darmstadt ging sogar noch weiter: „Eine genauere und umfassendere Sachverhaltsaufklärung sei auch bei einem unmittelbaren Erscheinen des Antragsgegners vor Gericht nicht erreichbar gewesen“. (AG Darmstadt, Beschluss vom 12.8.2014, 50 F 1990/13).

Im Moment sind die Familiengerichte sich (noch) nicht einig, ob Sie eine Video-Scheidung befürworten oder nicht. Das ist bei Neuerungen nichts Ungewöhnliches. Alles Neue macht erst einmal Angst, kommt auf den Prüfstand und kann doch -letztendlich- fast nie aufgehalten werden.

Sollte in Zukunft eine Scheidung per Videokonferenz überall beendet werden können, dann hat Deutschland die reinste Form der Online-Scheidung. Dass sich Anwälte vehement dagegen stemmen, ist evident. Dass viele Verbraucher, also die Scheidungswilligen, eine Videokonferenz eher befürworten würden, ist auch offensichtlich. Wenn Scheidungsfälle sehr kompliziert sind, dann werden auch in Zukunft zwei Anwälte benötigt, und es wird vor Gericht verhandelt werden in physischer Anwesenheit aller Protagonisten. Wenn sich beide Ehegatten aber einig sind, alles geregelt haben, vielleicht sogar eine notariell beurkundete Scheidungsfolgenvereinbarung aufweisen können, dann könnte der Scheidungstermin bei Gericht auch durch eine Video-Scheidung durchgeführt werden. Das wird kommen; einzelne Gerichte trauen sich bereits, diesen Weg zu gehen. Andere werden sich davor nicht ewig verschließen können.

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