Schmeckt Aufgewärmtes immer schal? Neuanfang mit dem Ex

 
 

Nach einer Trennung führt der normale Weg über ein Single-Dasein und meist irgendwann wieder in eine neue Beziehung oder eine weitere Ehe. Der Ex-Partner taucht dabei meistens nur noch in unangenehmen Zusammenhängen auf. Nämlich dann, wenn es um Sorgerechtsstreitigkeiten, Geldfragen oder Vorwürfe geht. Doch es gibt auch die Fälle, in denen eine eigentlich beerdigte Liebe plötzlich wieder aufkeimt. Und dann stellt sich die Frage: Ist ein zweiter Anlauf sinnvoll oder einfach nur dumm?

Was spricht für einen Neuanfang?

Die Vorteile der Neuauflage einer Beziehung oder Ehe liegen auf der Hand. Anders als das bei zwei Wildfremden der Fall ist, kennt man sich hier gut und hat zumindest auf gewisse Weise eine gemeinsame Basis (auch wenn die natürlich beim ersten Versuch nicht ausgereicht hatte). Auch hat man schon einmal bewiesen, dass man sich ineinander verlieben kann. Nicht zuletzt hatte man ausreichend Gelegenheit die verschiedenen Probleme und Fallstricke der Beziehung zu erfahren und kann daraus lernen. Nachher ist man eben immer (oder zumindest oft) schlauer. Gute Chancen hat ein gemeinsamer Neuanfang nur, wenn man nicht wegen mangelnder Gefühle auseinandergegangen ist. Vor allem wenn die Trennung aus Vernunftgründen passierte und sich die Umstände geändert haben (Entfernung, Arbeitszeiten, etc.) spricht wenig gegen eine Fortsetzung der Beziehung.

Was spricht dagegen?

Anders ist die Situation natürlich, wenn in der Endphase der ersten Ehe etwas Gravierendes passiert ist. Vor allem eine uneheliche Affäre, ein Gewaltausbruch, Drogenmissbrauch oder ähnliche Umstände machen es naturgemäß sehr schwer, einen zweiten Versuch zu wagen. Doch auch unter günstigen Umständen wird es wohl nicht mehr so sein wie beim ersten Mal. Immerhin sind beide Partner jetzt mit Verletzungen, Schuldgefühlen und (begründeten) Ängsten belastet. Die Unbeschwertheit des ersten Versuchs ist dahin und einem bestenfalls vorsichtigen Optimismus gewichen. Und das mit gutem Grund, denn kein Mensch ändert sich von heute auf Morgen von Grund auf. Und vor allem möchte das nicht jeder. Nicht umsonst sind wir stolz auf unsere Individualität. Wenn grundlegende Charaktereigenschaften nicht zusammenpassen, muss man das akzeptieren.

Auf der anderen Seite können Veränderungen auch gerade das Problem darstellen. Besonders wenn nach der Trennung viel Zeit verstrichen ist, handelt es sich bei Ihnen und Ihrem Ex vielleicht und ganz andere Menschen, bei denen wieder völlig offen ist, wie gut sie zusammenpassen. Das kann eine Chance sein, aber auch ein Hindernis.  Sie sollten sich auch bewusst machen, was sie mit einer Rückkehr zum Ex riskieren. Haben Sie es vielleicht geschafft, nach der Trennung eine Freundschaft aufzubauen? Eine zweite Trennung würde diese wohl kaum überstehen. Außerdem verschwenden sie vielleicht Monate und Jahre ihres Lebens an eine aussichtslose Sache. Eine Zeit in der sie auch nach einem Partner Ausschau halten können, der schon beim ersten Versuch perfekt zu ihnen passt.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sie aus den falschen Gründen zurückkehren. Beim verlassenen Partner besteht vor allem die Gefahr, in Abhängigkeit zu geraten. Beim Verlassenden ist hingegen das Risiko da, aus Mitleid oder wegen eines schlechten Gewissens zurückzukommen. Beides keine gute Idee, denn auch eine wiederaufgenommene Beziehung sollte unter Gleichberechtigten Voraussetzungen stattfinden. Auch Gewohnheit ist in dieser Hinsicht kein guter Ratgeber.

Glück Reloaded – aber wie?

Wenn ein zweiter Anlauf auf das gemeinsame Glück gelingen soll, muss man sich vor allem zwei Aktivitäten zur Gewohnheit machen: Lernen und Verzeihen.

Als Allererstes muss man lernen, was beim letzten Mal falsch gelaufen ist und was man tun kann, um nicht erneut zu scheitern. Auch muss man alles Nötige über sich selbst und den anderen lernen. Was für Menschen sind wir geworden? Wie haben wir uns verändert? Woran können und wollen wir arbeiten? Sind wir uns der Risiken des Neuanfangs bewusst? Geht es bei unserem Neuanfang um Liebe oder Abhängigkeit? Gerade in der Anfangsphase sollte man ein Auge auf diese Fragen haben. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, wieder in den gewohnten Trott abzugleiten. Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang, genügend zeitlichen Abstand zwischen zwei „Anläufe“ zu bringen. Das ist Zeit, in der man in sich gehen und über die Beziehung nachdenken kann. In jedem Fall ist es wichtig, dass jeder an sich arbeitet und gleichzeitig lernt, die Schwächen des Partners zu akzeptieren. Man sollte sich aber für den Partner auch nicht völlig verbiegen.

Genauso wichtig wie die gedankliche Aufarbeitung der letzten gescheiterten Beziehung ist die emotionale. Wer wieder miteinander zusammenleben, sich lieben und den Alltag Seite an Seite meistern will muss erst mal lernen sich alles zu verzeihen, was man sich wohlmöglich in der ersten Beziehung oder Ehe „angetan“ hat. Vor allem sollte es keine Rolle mehr spielen, wer die Beziehung damals beendet hat. Um reinen Tisch zu machen, wird es nötig sein, auch unangenehme Themen zu diskutieren und sie nicht in der Wiedersehensfreude untergehen zu lassen. Man sollte sich auch bewusst sein, dass auch diesmal nicht alles perfekt laufen kann und es wird auch erst einmal viel Zeit nötig sein, um sich wieder aufeinander einzulassen.

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