Schweiz: Scheidungskinder für Psychospiele ihrer Eltern entschädigt

 
 

Ein Lausanner Gericht verdonnerte die beiden Elternteile zu Entschädigungszahlen von 9000 Franken (umgerechnet ca. 7400 Euro). Das Urteil stellt in der Schweiz einen Präzedenzfall dar.

Die Geschichte des vorausgegangen Rosenkrieges, welcher der fünfköpfigen Familie schwer zusetzte, ist lang. Angefangen hat sie damit, dass der Vater eine Strafanzeige gegen seine Frau aufgegeben hat. Er warf ihr die Misshandlung einer ihrer drei gemeinsamen Töchter vor. Unter anderem soll sie das Mädchen mit Schlägen und kalten Duschen gequält haben. Zu einer Verurteilung der Frau kam es allerdings nicht.

Drei Kinder als Scheidungswaffe

Nun wurde der Rosenkrieg jenseits des rechtlichen Schlachtfelds weiter ausgefochten: Auf dem Rücken der gemeinsamen Kinder – drei Mädchen im Altern von 11 bis 15 Jahren. Beide Seiten redeten massiv auf ihre Töchter ein und versuchen ihnen weiß zu machen, dass der jeweils andere Elternteil die alleinige Schuld für die Trennung trägt.

Die Kinder wurden als Spielball in endlose Streitigkeiten zwischen den beiden Ex-Partnern verwickelt. Hinzu kam ein verbissener Kampf um das Sorgerecht für die drei Töchter. Dabei plädierte der Vater für das gemeinsame Sorgerecht, was von der Mutter aber abgelehnt wurde.

Um das Wohl der zwischen die Fronten geratenen Kinder zu schützen, griffen die Behörden ein. Der die Lausanner Jugendschaft sorgte dafür, dass die Mädchen bei einer Pflegefamilie unterkamen. Der rechtliche Beistand der drei Kinder warf den Eltern außerdem vor, das Wohl ihrer Töchter aus den Augen verloren zu haben.

Anklage wegen psychischer Misshandlung

Wegen der Verletzung ihrer Fürsorge- und Erziehungspflicht wurden die Eltern in einem Gerichtsverfahren angeklagt. Dort mussten sie sich zwar nicht wegen körperlicher Gewalt, aber wegen psychischer Misshandlung verantworten. Diese hielt der Richter für so schwerwiegend, dass er Geldstrafen für beide Elternteile in Höhe von jeweils 3000 Franken  (ca. 2470 Euro) pro Kind verhängte.

Entsprechend deutlich wurde das Lausanner Polizeigericht auch gegenüber den Angeklagten: „Sie handelten egoistisch und gefährdeten so die geistige Entwicklung ihrer Kinder“. Dabei sind die Eltern noch glimpflich davon gekommen. Theoretisch wäre auch eine 3-jährige Haftstrafe für ihre Vergehen denkbar gewesen.

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