Selbstfindung und Liebesschnulzen - Frauen und Trennungsschmerz

 
 

Klar, Klischees sind böse und jeder Mensch ist anders. Aber manchmal können extreme Vereinfachungen dabei helfen Dinge klarer zu sehen. Da wir außerdem schon recht gnadenlos mit den Trennungsgebräuchen des „typischen Mannes“ ins Gericht gegangen sind, wollen wir uns heute mal ansehen, wie eine typische Frau eine Trennung wegsteckt. Gleiches Recht für alle! Denn beide Rollenmodelle haben so Ihrer Eigenheiten und in beiden Fällen gibt es viel zu lernen – und zu lachen. Vorhang auf für Frauenpower!

Wo der typische Mann auf dem Gebiet des Herzschmerzes ein Feigling ist, ist die Frau die verzweifelte Superheldin. Der Mann tritt klammheimlich den Rückzug an und trinkt sich lieber mit Kumpels ein Bier, übernachtet auf der Arbeit oder schraubt an seinem Auto rum, anstatt endlich mal sein geschrottetes Herz zu reparieren. Die typische Frau kämpft dagegen todesmutig und mit grimmigem Gesichtsausdruck gegen die Übermacht des Liebeskummers. So weit, so heldenhaft. Dummerweise läuft die Dame im schlimmsten Fall aber auch irgendwann dem Feind hinterher, wenn der sich eigentlich schon längst verziehen möchte, nur um noch ein bisschen weiter kämpfen zu dürfen. Sie kennt keine Gnade mit sich selbst, wenn es darum geht, die letzte Partnerschaft restlos aus ihrem Seelenleben zu tilgen. Deswegen kämpft und leidet sie wie ein Berserker, was wirklich bewundernswert ist, aber bei Beobachtern auch leicht die schüchterne Frage aufwirfst: „Warum eigentlich?“
Leiden für Looser.

Schließlich geht es bei einer Trennung ja nicht immer nur um die große, wahre Liebe, der das böse Schicksal einen Strich durch die rosarote Rechnung gemacht hat. Nein, die Trauer bezieht sich häufig genug auf Leute, die keine noch so mickrige Träne wert sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit vergeudet die typische Frau also Monate ihres Lebens mit der Trauer um irgendeinen Vollidioten, der bei nüchterner Betrachtung eigentlich mit Handkuss zu den Akten gelegt werden sollte. Aber es ist, wie es ist und weil es so ist, braucht Frau natürlich auch deutlich länger um sich wieder auf eine neue Partnerschaft einzulassen. Manchmal dauert das über ein Jahr (also im Schnitt 365 männliche Trauerzyklen). Ein gutes hat dieses selbst auferlegte Beziehungs-Zölibat immerhin: Der Abstand bis zum nächsten potenziellen Vollidioten wächst.

Doch was macht man eigentlich so in dieser Zeit? Nun, Frauen nutzen die Phase ohne Anhang gerne fürs Nachdenken und für die Selbstfindung. Sie versuchen aus Fehlern zu lernen, und das Scheitern der Partnerschaft zu verstehen. Dabei ist es ein beliebter – wenn auch nicht gerade gesunder – Sport, sich selbst die Schuld an der ganzen Misere zu geben. „Habe ich was falsch gemacht?“, „War ich nicht gut genug im Bett?“, „Sehe ich nicht (mehr) gut genug aus?“ So dreht sich das Rad der Selbstkasteiung und irgendwo lacht sich ein unsensibler Grobian ins Fäustchen.

Aber natürlich ist all diese Selbstaufopferung auch nicht ganz freiwillig. Die typische Frau ist eben emotional. Sie umarmt ihre Trauer ganz selbstverständlich. Sie lässt sie zu. Sie führt Tagebücher, schreibt Briefe, die an den Papierkorb adressiert sind und sie weint viel. Taschentücher, Liebesdramen und tieftragische Liebeslieder, aus denen mehr Schmerz tropft, als eine durchschnittliche Küchenrolle aufnehmen kann, sind alles, was sie braucht, wenn sie sich ihrer inneren Qual stellt. Nun, nicht ganz alles. Sie braucht auch Freundinnen.
Die Testosteron-Verschwörung.

Die typische Frau versteckt nämlich ihre Trauer nicht hinter Machogehabe. Sie teilt Ihre Sorgen ganz offen mit und das spürt vor allem ihre beste Freundin nur allzu deutlich. Tag und Nacht wird sie aus dem Bett geklingelt und mit Partnerschafts-Erinnerungen („Es war so schön damals, als wir …“) oder Wut-Tiraden („So ein Arsch!“) gefüllt, bis ihr schier der Kopf platzt. Zum Glück kann sich die beste Freundin diese Arbeit mit anderen (besten) Freundinnen teilen. Sie beruft dann einfach eine große Krisensitzung ein. Bei solchen Runden wird anschließend kollektiv ein düsteres Bild von einer Verschwörung der verkommenen Männerwelt gegen die ehrbaren Frauen gezeichnet, was sogleich für etwas Erleichterung sorgt.

Fiese Zungen behaupten ja sogar, dass die wichtigste Bewältigungsstrategie des weiblichen Geschlechts aus Friseurbesuchen und Shopping besteht und dass eine nachhaltige Gefühlstherapie auch zu einer intensiven Selbstbehandlung mit Schuhen und Süßigkeiten mutieren kann.

Aber wahrscheinlich versteckt sich dahinter nur Neid, denn das Trennungsverhalten der typischen Frau hat gegenüber dem ihres männlichen Kollegen einen entscheidenden Vorteil. Sie ist am Ende ihren Schmerz los und kann ihr Leben weiterleben, während der gute Herr wahrscheinlich gerade von einem fiesen Rückfall eingeholt wird.

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