Sexuelle Unlust als Scheidungsgrund

 
 

Im vorliegenden Fall war die gegenseitige Verantwortung eher einseitig. Die lustlose Ehefrau habe ihren sexuell unzufriedenen Gatten nämlich erklärt, dass sie beim Geschlechtsverkehr nichts empfinde und imstande sei, dabei Zeitung zu lesen. Er möge sich bitte selber befriedigen. Der eheliche Verkehr sei eine „reine Schweinerei“. Sie gebe ihm lieber Geld fürs Bordell. Sie wolle auch nicht mit einem dicken Bauch herumlaufen, denn mit Kindern wüsste sie gar nichts anzufangen.

Fremdgehen als Ausweg

Der Ehemann reagierte. Aus den oben genannten Gründen habe er sich seiner Angestellten „zugewandt". Und zwar, nachdem er mit seiner Frau elf Jahre keinen Geschlechtsverkehr mehr hatte. Die Zerrüttung der Ehe sei damit vor allem seiner Frau zuzuschreiben.

Aussage gegen Aussage. Die Ehefrau stellte sich dagegen auf den Standpunkt, erst das Fremdgehen des Ehemannes habe zur Zerrüttung geführt und bekam zunächst Recht.

Der nicht zum Zuge gekommene Ehemann legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof fand die Schuld ausdrücklich in der Ehefrau. Im Urteil hieß es:

„Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen (...) versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.“

Demnach sollte der Ehegatte in einer normalen Ehe die eigene Befriedigung in der Hingabe und in der Befriedigung des anderen suchen. Wird dies nicht erreicht, so ist das eheliche Verhältnis häufig bereits dadurch schwer gefährdet. Die Einstellung der Ehefrau zur ehelichen Beiwohnung war nach Auffassung der obersten deutschen Zivilrichter daher nicht akzeptabel.

Zur Info:

Das Bürgerliche Gesetzbuch legt in § 1353 BGB fest:

„Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen füreinander Verantwortung. Ein Ehegatte ist nicht verpflichtet, dem Verlangen des anderen Ehegatten nach Herstellung der Gemeinschaft Folge zu leisten, wenn sich das Verlangen als Missbrauch seines Rechts darstellt oder wenn die Ehe gescheitert ist.“

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