So fern, so nah! 10 Tipps für eine glückliche Fernbeziehung

 
 

Wenn es Kilometergeld für Gefühle gäbe, wären Sie die reichsten Menschen auf diesem Planeten. Liebende in Fernbeziehungen haben sich entschieden, ihre Emotionen nicht der Vernunft unterzuordnen und zusammen zu sein, auch wenn sie nur selten zusammen sein können. Dabei gibt es viele Möglichkeiten in eine Fernbeziehung zu geraten. Man kann sich über ein Dating-Portal im Netz kennenlernen, im Urlaub zueinanderfinden oder berufsbedingt in völlig verschieden Teile des Landes oder der Welt katapultiert werden. In allen Fällen wartet eine Beziehung, die nach Terminkalender funktioniert und die sehr zerbrechlich ist, die aber auch die Chance bietet, irgendwann eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Wir bieten Ihnen zehn Tipps, mit denen das auch wirklich funktionieren kann.

1. Realismusmodus aktivieren

Bevor man sich mit ganzem Herzen in eine Fernbeziehung stürzt, sollte man trotz aller Verliebtheit mal kurz den Realisten anschalten und sich über die Vor- und Nachteile einer solchen Beziehung klar werden. Vor allem sollte man sich auch fragen, welches Ziel man mit der Beziehung verfolgt: Wäre man wirklich bereit, irgendwann eine vollwertige Beziehung daraus zu machen oder gibt man sich gerade nur einer Stimmung hin? Dazu kommt die Frage – so unromantisch sie ist – kann man es sich leisten? Eine Fernbeziehung ist nämlich teuer. 

Würde man sich dafür zeitlich und notfalls finanziell einschränken wollen? Natürlich gibt es hier auch Möglichkeiten die Kosten für Kommunikation und Reisen niedrig zu halten. Helfen Sie sich am besten gegenseitig dabei und gehen Sie auf die Suche nach günstigen Tarifen. Am wichtigsten ist aber, dass Sie sich fragen, ob Sie überhaupt ein Typ für eine Fernbeziehung sind. Wer zu Eifersucht neigt, lange Reisen hasst, in Beziehungen klammert, selber nicht der Treueste ist oder sich nicht in der Lage sieht sich selbst zu beschäftigen, sollte lieber den Mut haben, die Romanze zu beenden. Ansonsten kann für alle Beteiligten nur ein Desaster daraus werden.

2. Kleine Luftschlösser bauen...

Die Luftlinie ist die kleinste Entfernung zwischen zwei Orten. Deswegen ist es nur vernünftig, wenn es um die gemeinsame Ehe oder Beziehung geht, seinen Kopf regelmäßig in die Wolken zu hängen. Jede Phase des Getrenntseins lässt sich leichter schultern, wenn man sich das Wiedersehen ausmalt und es mit Plänen von gemeinsamen Glücksmomenten füllt. Überlegen Sie, was Sie an Ihren nächsten Glückstagen unternehmen könnten und sorgen Sie dafür, dass diese Tage unvergesslich werden. Egal ob Spaziergänge, Restaurantbesuche, Ausstellungen, Partys – lassen Sie Ihrer Fantasie freien Raum.

 Auch ein gemeinsamer Urlaub ist denkbar. Immerhin hat dann ausnahmsweise keiner von Ihnen beiden einen Heimvorteil. Was Sie auch machen, Sie werden gutes Terminmanagement brauchen, da Sie und Ihr Partner, abgesehen von beruflichen Verpflichtungen auch Freunde, Hobbys und Familie haben. Stopfen Sie Ihre Zeit aber auch nicht mit Action voll und beharren Sie nicht auf Ihren Plänen. Ihre Liebe braucht auch Raum für Entspannung und Spontanität.

3. ...und auch große

Genauso wichtig wie das Vorwärtsträumen von Treffen zu Treffen ist es, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Dann weiß jeder von Ihnen, wofür er kämpft und verliert nicht so schnell den Mut. Brechen Sie aber auf keinen Fall aus Sehnsucht schon nach wenigen Wochen oder Monaten alle Brücken ab und ziehen zu Ihrem Partner und verlangen Sie dasselbe auch nicht von ihm. Wenn die Beziehung scheitert, sitzt dann einer von ihnen in einer fremden Stadt oder einem fremden Land fest und hat vielleicht keine andere Bezugsperson als den EX. Nicht gerade traumhaft. Geben Sie sich lieber etwas Zeit – zwei bis drei Jahre kann eine Fernbeziehung meist ganz gut verkraften – und legen Sie grob einen Zeitpunkt fest an dem Sie ernst machen wollen: 

Vielleicht ein passender Job in der Nähe, eine schöne Wohnung vor Ort oder auch das Ende des Studiums. Wenn ein Partner zum anderen zieht und damit sein gewohntes Umfeld verlässt, sollte er das wirklich freiwillig tun und nicht aus Angst, seinen Schatz zu verlieren. Und er sollte sich darüber klar sein, ob er in der neuen Umgebung glücklich sein kann und ob die Beziehung so viel plötzliche Nähe verkraftet. Wer sich vor der Fernbeziehung bereits kannte hat es hier natürlich leichter.

4. Romantik-Vorteil nutzen

Sie haben normalen „Wald- und Wiesenbeziehungen“ eine Sache voraus: Beste Voraussetzungen für Romantik. Wer wochenlang brennende Sehnsucht fühlt, den anderen nur aus der Ferne anhimmeln und nur in seinen Träumen umarmen kann, der setzt sich am Tag des Wiedersehens sicher nicht nur apathisch vor die Glotze und schaut Fußball oder Serien. Ein Treffen in einer Fernbeziehung ist etwas Einzigartiges und hat gerade durch seine Seltenheit eine besondere Qualität. Auf diese Weise hat der Alltagstrott wenig Nährboden, um Wurzeln zu schlagen. Also machen Sie etwas daraus und nutzen Sie diesen „Ferieneffekt“, der jedes Zusammensein zu einem Kurzurlaub macht. Auch in der Zwischenzeit sind Ihnen nicht die Hände gebunden. Nicht nur SMS, sondern auch Karten oder Briefe – gerade zu besonderen Anlässen, an denen man sich vielleicht nicht sehen kann (Kennenlern-Tag, Hochzeitstag, Geburtstage, etc.) – sind ein guter Romantiktreibstoff. Auch erotische E-Mails, Telefongespräche oder Bilder voneinander können die Vorfreude im wahrsten Sinne des Wortes anheizen.

5. Streitthemen ansprechen

Auch wenn jede geteilte Minute kostbar ist, heißt das nicht, dass um jeden Preis Harmonie herrschen muss. Wenn bei Ihnen etwas im Argen liegt und Sie Ängste, Sorgen oder Bedenken mit sich herumtragen, dann sprechen Sie sie an. Auch auf die Gefahr hin, dass es Ihnen das Wiedersehen versaut. Denn andernfalls kann aus all diesen kleinen Sorgen eine Belastung werden, die groß genug ist, um Ihr gemeinsames Luftschloss zusammenbrechen zu lassen. Deshalb: Streiten Sie! Klären Sie Ihre Probleme von Angesicht zu Angesicht, wenn es geht und wenn es gerade nicht geht, dann greifen Sie zum Telefon. Wenn man darüber geredet hat, kann es nämlich gut sein, dass der Rest des Wiedersehens umso harmonischer verläuft – frei von unausgesprochenen Zweifeln.

6. Alltags- und Sehnsuchtsmanagement

Wer den Großteil seines Alltags an getrennten Orten, mit anderen Menschen und folglich mit völlig anderen Erlebnissen verbringt, hat zwangsläufig auch unterschiedliche Lebenswelten. Das ist spannend und sorgt für Gesprächsstoff, sodass der gefürchtete Moment, in dem man sich nichts mehr zu sagen hat, so schnell nicht kommen dürfte. Auf der anderen Seite kann es aber auch trennend und belastend werden. Man lernt sich im Grunde bei jedem Wiedersehen neu kennen, und wenn man Pech hat, passt man plötzlich nicht mehr zusammen, da man sich in der Zwischenzeit unbemerkt auseinandergelebt hat. Wer das vermeiden will, muss seinen Partner möglichst am eigenen Alltag teilhaben lassen. Dafür stehen einem viele Wege offen. Ob nun SMS, Telefonate, Soziale Netzwerke, Messenger, Webcam-Verabredungen oder auch der klassische Postweg – wichtig ist, dass man oft genug (aber auch nicht zu oft) voneinander hört und einen regelmäßigen Kontakt pflegt. Auch muss man lernen notfalls auch über die Entfernung Trost zu spenden, Konflikte zu lösen und die Sehnsucht lebendig zu halten, ohne dass sie zur Belastung wird.

7. Symbole schaffen

Viele Menschen schaffen ihre Bindung innerhalb einer Beziehung über regelmäßige (körperliche) Nähe. Da einem diese Möglichkeit in einer Fernbeziehung nur eingeschränkt zur Verfügung steht, muss man etwas anderes kreiren, das einen vereint. Was man jetzt braucht, ist ein „Wir-Gefühl“; gemeinsame Rituale, die man pflegt und die die eigene Beziehung zu etwas Besonderem machen. Ganz egal, ob es Spaziergänge an bestimmten Lieblingsorten, Lieder, Düfte oder Gedichte sind – Hauptsache man fühlt sich durch diese Dinge einander näher. Und auch ein Ehering kann ein solches verbindendes Symbol sein. Denn wer verheiratet ist, fühlt sich in seiner Beziehung vielleicht auch etwas sicherer. Immerhin hat er den metallgewordenen Beweis der Liebe und der Ernsthaftigkeit des Anderen stets an der Hand.

8. Die gemeinsame Zeit nutzen

Wenn einem dann aber das Glück vergönnt ist, sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberzusitzen, ist es wichtig, diese Zeit gut zu nutzen. Dabei ist es auf jeden Fall hilfreich, schon vorher alle Formalitäten – vor allem in puncto Rückreise – zu klären, damit die Gedanken daran Ihre gemeinsame Zeit nicht trüben. Ist das geklärt, kann man sich völlig aufs Genießen konzentrieren. Neben schönen Unternehmungen, die man schon Tage oder Wochen im Voraus geplant hat, kommt es jetzt auch darauf an, auf die eigene momentane Stimmung und die des Partners zu achten und notfalls alle Pläne für einen gemütlichen Abend zu Hause oder eine spontane romantische Aktion über den Haufen zu werden.

 Und auch wenn mal bei einem Treffen nichts so läuft, wie man es sich erhofft hat, sollte man seine Zeit nicht mit Bedauern und Ärger verschwenden. Lieber sollte man das Beste daraus machen. Denn auch wenn die Grillparty ins Wasser fällt, die Kinovorstellung ausverkauft ist oder die Bahn zum Vergnügungspark nicht kommt; das Wichtigste hat man auch so schon erreicht: zusammen zu sein.

9. Abschiede verkraften

Eine Fernbeziehung ist im Grunde eine dauernde Folge von Wiedersehensfreude und schmerzhaften Abschieden. Damit sie funktionieren kann, muss man lernen, mit Letzterem fertig zu werden. Denn gerade vor, während und nach der Abreise kommen oft Zweifel an der Beziehung auf, und wenn eine Fernbeziehung noch frisch ist, kommt sie einer andauernden Fahrt auf der Gefühlsachterbahn gleich. Dabei verläuft das Auf und Ab der Emotionen besonders bei Wochenendbeziehungen häufig nach demselben Muster:

  • Zunächst erlebt man ein Freitagsgefühl der Euphorie und hoher Erwartungen (die natürlich entsprechend leicht enttäuscht werden können)
  • Dem folgt ein berauschendes Samstagsgefühl der Harmonie und des gegenseitigen Neuentdeckens
  • Das Sonntagsgefühl wird dann erzeugt vom nahenden Abschied und führt entweder zur Abkapselung oder zum verzweifelten Festhalten am Partner
  • Wieder zu Hause, wartet ein Montagsgefühl der Einsamkeit und des Zweifels

Neben der Vermeidung von allzu hohen Erwartungen kommt es bei einer gelungenen Fernbeziehung also auch darauf an, beim Abschied weder zu abgeklärt, noch zu verzweifelt zu sein. Glücklicherweise schaffen es die meisten Paare, bei längerer Beziehungsdauer diese Extreme in den Griff zu kriegen.

10. Freiheiten genießen

Doch auch das Montagsgefühl will bekämpft werden. Und das schafft man vor allem dadurch, dass man die „einsamen“ Zeiten nicht zum jammervollen Leidensweg zwischen zwei Aufenthalten im Himmel erklärt. Das fällt natürlich erst einmal nicht leicht. Immerhin ist dieses „Single-Leben“ auf Zeit ja nicht freiwillig gewählt und spätestens, wenn zu Hause gerade viele Probleme und Sorgen warten, vermisst man den Halt, den man sonst von einer Nahbeziehung bekommt. 

Aber das Alleinsein hat auch positive Seiten. Sie genießen mehr berufliche und private Freiräume als Menschen in einer „normalen“ Beziehung und können ganz entspannt an Ihren Hobbys, Ihrer Karriere oder der Pflege Ihres Freundeskreises arbeiten. Wo wir gerade bei Freunden sind. Es ist nicht unbedingt ratsam jedes Wochenende nur mit dem Partner zu verbringen. Nehmen Sie sich ruhig die Zeit, um auch mal Solo Spaß zu haben und genießen sie Ihre besondere Freiheit und lassen Sie sich auch aus der Ferne von Ihrem Partner nicht mit ständigen Anrufen kontrollieren und vereinnahmen. So viel Vertrauen muss sein.

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