Warum hält man an einer unglücklichen Partnerschaft fest?

 
 

Bei diesem Zitat hat der Philosoph Adorno sicher nicht an zwischenmenschliche Beziehungen gedacht, aber dennoch passt er auf die Situation von Menschen, die in einer unglücklichen Partnerschaft „festhängen“ wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wer in Liebesdingen unglücklich ist, kann meist auch sonst das Leben nicht genießen. Egal ob bei Aktivitäten mit Freunden, beim Lesen, beim Einkaufen, immer bohrt sich der Gedanke an das eigene Unglück in den Kopf und anders als ein einsamer Single kann man sich nicht mal mit der Hoffnung auf den Traumpartner trösten. Denn dieser Weg scheint versperrt. So wie es jetzt ist, muss man es wohl ertragen, bis man stirbt oder bis einen der Partner von selbst erlöst. Aber die Situation ist in Wirklichkeit gar nicht so verfahren, wie es scheinen mag.

Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Theodor W. Adorno)

Bei diesem Zitat hat der Philosoph Adorno sicher nicht an zwischenmenschliche Beziehungen gedacht, aber dennoch passt er auf die Situation von Menschen, die in einer unglücklichen Partnerschaft „festhängen“ wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wer in Liebesdingen unglücklich ist, kann meist auch sonst das Leben nicht genießen. Egal ob bei Aktivitäten mit Freunden, beim Lesen, beim Einkaufen, immer bohrt sich der Gedanke an das eigene Unglück in den Kopf und anders als ein einsamer Single kann man sich nicht mal mit der Hoffnung auf den Traumpartner trösten. 

Denn dieser Weg scheint versperrt. So wie es jetzt ist, muss man es wohl ertragen, bis man stirbt oder bis einen der Partner von selbst erlöst. Aber die Situation ist in Wirklichkeit gar nicht so verfahren, wie es scheinen mag.

In der Falle

Wer in einer Ehe gefangen ist, erlebt die Hölle auf Erden. Seine Sehnsüchte laufen ins Leere, seine Bedürfnisse werden nicht erfüllt, überall wartet nur Ärger und Dunkelheit. Statt Erholung und Halt findet man beim Partner nur noch Verzweiflung und Leere. Manchmal auch streit, doch oft genug hält der Partner einen für glücklich. Und wieso auch nicht? Immer hin sagt man es ihm ja auch ständig, wenn er danach fragt.  Irgendwann spürt man sich dann vor lauter Verleugnung selbst nicht mehr und fühlt sich nicht mehr wirklich lebendig. Oft weiß man dann selbst auch nicht, warum man die Beziehung noch weiter führt.

Wer tapfer ist, ist dumm

Wir alle werden so erzogen, dass wir es für etwas Gutes halten zu kämpfen. Nicht unbedingt im physischen Sinne, aber wer vieles auf sich nimmt und erträgt und lieber die Zähne zusammenbeißt als aufzugeben wird als Held betrachtet. Daran ist grundsätzlich nichts Verkehrtes. Auch in zwischenmenschlichen Beziehungen sind Kämpfer gefragt und bewundernswert. Aber die Frage ist: Wofür wird gekämpft? Gibt es irgendwann einen Sieg? Kann es ihn überhaupt geben? 

Ist man wirklich der Ritter, der auf einer heiligen Mission ist, um seine Liebe zu retten oder ist man nur jemand, der stoisch und tatenlos einen Schlag nach dem anderen erträgt, ohne zu murren? In einer Ehe, in der im Grunde schon alles (vergeblich) versucht wurde, ist wahrscheinlich Letzteres der Fall. Das dauernde Kämpfen und Durchhalten kann zur Falle werden. Irgendwann erlahmen Ihre Kräfte und Sie werden schwer unglücklich oder gar depressiv. 

Menschen sind in Beziehungen leidensfähiger als sie glauben. Wer darauf hofft irgendwann sowieso zu gehen, wenn es sich gar nicht mehr aushalten lässt, hat sich geschnitten: Wer passiv bleibt, kann mitunter bis zum totalen Zusammenbruch warten, bevor seine Ehe in die Brüche geht. Und dann hat er ein unkontrolliertes Ende vor sich. Mit allen Konsequenzen, die das hat.

Um diesen Horror aufrechtzuerhalten, werden die verschiedensten Argumente benutzt. Die meisten davon sind aber völlig haltlos.

Schuldgefühle

Viele fühlen sich bei Trennungsgedanken wie ein Verräter. Immerhin hat ihr Partner doch so viel für sie getan, womöglich einiges aufgegeben, ihnen auf jeden Fall seine Liebe geschenkt und jetzt will man es ihm mit so einem Verrat heimzahlen. Richtig?

Falsch. Denn wer alles getan hat, um seine Partnerschaft zu retten aber trotzdem keinen Erfolg damit hatte, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Spätestens, wenn Sie irgendwann regelrecht zusammenbrechen, würde die Beziehung ohnehin enden. Im Grunde geben Sie auch Ihrem Partner eine neue Chance aufs Glück, wenn Sie ihn freigeben. Außerdem hat er es, wenn er so viel für Sie getan hat, auch verdient, dass Sie ehrlich zu ihm sind. Deswegen sind Sie nicht gleich ein schlechter Mensch. Sie wollen ja nicht, dass Ihr Partner unglücklich wird, sondern nur, dass Sie glücklich werden. Im Grunde ist es so etwas wie Notwehr.

Mitleid

Ein verwandter und ebenfalls oft genannter Grund ist Mitleid. Man weiß, dass der andere leiden wird, und hat Angst, dass er mit diesem Schmerz oder auch mit dem Leben allein nicht klarkommen wird. Besonders dann, wenn sein Freundeskreis vielleicht nicht besonders groß ist. Wäre es nicht grausam ihm so etwas anzutun?

Auch hier muss die Antwort „Nein“ lauten. Ihr Partner ist kein kleines Kind, sondern war auch vor ihrer Ehe ein eigenständiger Mensch. Auch er wird seinen Weg finden und wieder eine neue Liebe haben. Außerdem ist die Alternative zu diesem Schritt ja keine harmonische Beziehung mit Friede, Freude und Eierkuchen, sondern eine Strecke von Lügen, an deren Ende eine nur noch größere Enttäuschung steht. Sie nehmen Ihren Partner im Grunde in Geiselhaft, wenn Sie ihm Gefühle vorspielen, die nicht mehr da sind, da auch er so keine neue Beziehung beginnen kann. Außerdem sollten Sie auch Mitleid mit sich selbst haben. Haben Sie diese Folter verdient?

Kinder

Wer Kinder hat, hat es bei einer Trennung natürlich umso schwerer. Kein liebender Vater und keine liebende Mutter möchte ihren Kindern gerne eine Scheidung zumuten.

Aber manchmal gibt es keine wirkliche Alternative. Kinder können ein Grund mehr sein für seine Liebe zu kämpfen, aber kein Grund um, um den Preis der eigenen seelischen Gesundheit – und letztlich auch der der Kinder – an einer unglücklichen Partnerschaft festzuhalten.

Angst vor Einsamkeit

Doch man hat nicht nur Angst vor den Konsequenzen für andere, sondern auch für einen selbst. Wird man mit der Einsamkeit klarkommen?

Ja, das werden Sie. Auch Sie sind ein wertvoller Mensch, der auch ohne einen Partner lebensfähig ist. Und Einsamkeit bedeutet auch Freiheit: Freuen Sie sich auf das Abenteuer, das vor Ihnen liegt. Wenn Sie wieder frei sind, ist alles möglich. Nicht nur Tränen.

Angst vor finanziellen Folgen

Eine Trennung bedeutet oft auch von Dingen Abschied zu nehmen die man sich zusammen aufgebaut hat und gerade wenn man selbst nicht berufstätig war oder nicht viel verdient, wächst die Angst vor dem sozialen Abstieg im Trennungsfall.

Die Frage ist aber:  Wollen Sie für Ihre Finanzen wirklich Ihr seelisches Wohl aufs Spiel setzen? Außerdem kann man eine Trennung einvernehmlich Regeln, wenn das Verhältnis zum Partner es zulässt- und die Folgen sind gerade bei einem vernünftigen Ehevertrag nicht katastrophal. Auch Ihr Partner hat bestimmt kein Interesse an einem Rosenkrieg, wenn Sie ihm dafür keinen weiteren Anlass geliefert haben.

Angst vor Hass

Nicht ganz unbegründet ist die Angst vor Hass oder gar Rache vonseiten des Ex-Partners.

Aber auch hier muss man Entwarnung geben. In den meisten Fällen ist Ihr Partner vielleicht in der ersten Zeit nicht sonderlich gut auf sie zu sprechen, aber wenn er es wert war, sich in ihn zu verlieben, wird er mit der Zeit lernen damit umzugehen, sobald die heftigsten Enttäuschungsgefühle abgeklungen sind. Sollte er hingegen zu einer weniger vernünftigen Kategorie gehören und zu Gewalt neigen oder sich zum Stalker entwickeln so kann man selbst diese Probleme mit etwas Hilfe in den Griff kriegen.

Also befreien Sie sich, wenn Sie unglücklich sind: Sie haben ein Recht darauf glücklich zu sein!

4.9 von 5 (38)