Wein zum Weinen

 
 

Sie standen nämlich im Mittelpunkt des Interesses: ältere Jahrgänge an Chateau Pétrus und Chateau Lafleur. Ein Münchner Ehepaar zofft sich jetzt um die edlen Getränke. Während der Ehe hatte nämlich der Mann die Weine im Laufe der Jahre angeschafft und sich um den Bestand gekümmert. Der Hobbyraum wurde so zum Weinkeller und die Weine zur Wertanlage.

Denkste!

Als sich das Ehepaar scheiden ließ, verlangte die Ehefrau die Hälfte des blumigen Wein-Bestandes, hilfsweise einen Schadenersatz in Höhe von satten 250.000 €.

Doch die Reaktion auf ihre Forderung war alles andere als rosig: Der zuständige Familienrichter vom Amtsgericht München wies den Antrag ab.

Grund: Ein Weinvorrat stellt keinen Haushaltsgegenstand dar, wenn er nicht der gemeinsamen Lebensführung dient, sondern dessen Pflege. Haushaltsgegenstände seien demnach alle beweglichen Gegenstände, die nach den Vermögens- und Lebensverhältnissen der Ehegatten für die Wohnung, den Haushalt und das Zusammenleben bestimmt sind.

Im oben genannten Fall stelle die Weinsammlung eine Liebhaberei dar, ähnlich einer Briefmarken- oder Münzsammlung. Da der Weinkeller vom Ehemann bewirtschaftet und gepflegt wurde, handele es sich demnach nicht um einen beweglichen Gegenstand. Er allein habe die Weine ausgewählt und erworben. Auch habe er allein überwacht, zu welchem Zeitpunkt ein Konsum am besten in Frage kam und wählte entsprechende Weine zur Verköstigung aus.

Die Ehefrau habe nur selten davon genippt. Sie habe auch nie selbst Wein erworben und sei auch nicht an der Auswahl der Weine beteiligt gewesen. Ferner habe sie keinen Zugang zum Weinkeller gehabt.

Daher steht fest: Der Weinvorrat unterscheidet sich deutlich von Lebensmittelvorräten, die zum Verzehr bestimmt sind. Er diente nicht der gemeinsamen Lebensführung, sondern ist vielmehr als ein Hobby des Antragstellers einzuordnen.

Der Ehemann war, ist und bleibt somit Alleineigentümer der Weinflaschen. Eine Aufteilung des Hausrats scheitert demnach neben der fehlenden Einordnung als Haushaltsgegenstand, aber auch am fehlenden gemeinschaftlichen Eigentum der Beteiligten an dem Weinvorrat.

Hoffnung

Eine Zuteilung von im Alleineigentum des Ehemannes stehender Haushaltsgegenstände an die Ehefrau sei nicht mehr möglich, da sie einen Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte Eigentümerstellung darstellt.

Ein etwaiger Ausgleich für eine in der Ehe gewonnene Wertsteigerung sei über das Güterrecht, beispielsweise über den Zugewinnausgleich zu schaffen.

Na denn, enchanté madame!

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