Statistiken zur Scheidung – Scheidungsstatistiken

Wie ist das Scheidungsverhalten in Deutschland?

Es gab Zeiten, in denen Scheidungen als Verstoß gegen göttliches Recht und als Sakrileg betrachtet wurden. Heute genügt es, wenn Sie die Zerrüttung Ihrer Ehe behaupten und erklären, dass Ihre Ehe gescheitert ist. Die Statistiken zur Scheidung zeigen erstaunliche Entwicklungen, wenn es darum geht, festzustellen, ob Mann oder ob Frau vorrangig die Scheidung beantragen, wie oft geschieden wird und wo besonders häufig geschieden wird. Wenn Sie die Zahlen richtig interpretieren, haben Sie die Möglichkeit, daraus Rückschlüsse auf Ihre eigene Beziehung zu ziehen und im günstigsten Fall die Chance zu nutzen, Ihre vielleicht gerade brüchige Beziehung zu stabilisieren.

Das Wichtigste

  • Das Verhältnis von Ehescheidungen zu Eheschließungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig zu Lasten der Eheschließungen verschoben. Möglicherweise kehrt sich der Trend neuerdings wieder um.
  • Gründe für die Zunahme der Scheidungen sind, dass das ursprünglich maßgebliche Verschuldensprinzip 1976 vom Zerrüttungsprinzip abgelöst wurde und der Wertewandel in der Gesellschaft eine Scheidung nicht mehr als Tabubruch erscheinen lässt.
  • Aus der Scheidungsstatistik ergibt sich, dass die meisten Ehen nach sechs Jahren Ehedauer geschieden wurden und die durchschnittliche Ehedauer bei 15 Jahren liegt.
  • Innerhalb der Bundesländer und einzelner Städte gibt es höchst unterschiedliche Scheidungsquoten, die sich nicht nachvollziehbar begründen lassen.
  • Eheverträge haben unterschiedlichen Einfluss auf die Stabilität einer Ehe. Sie wirken einerseits stabilisierend, können andererseits aber auch die Entschlusskraft, sich scheiden zu lassen, durchaus fördern.

Inwieweit haben Scheidungsstatistiken historische Hintergründe?

Queen Elisabeth II (Alter 92 Jahre) und Prinz Philipp (Alter 97 Jahre) eignen sich wahrlich schlecht für eine Scheidungsstatistik. Sie heirateten am 20.11.1947. Das Paar war in 2017 sage und schreibe 70 Jahre miteinander verheiratet und durfte die „Gnadenhochzeit“ feiern. Im normalsterblichen Volk in Deutschland sind die Verhältnisse weitgehend anders. Im Jahr 2017 betrug die Scheidungsquote in Deutschland mit 153.501 Ehescheidungen fast 38 %. Auf eine Eheschließung kamen rechnerisch ca. 0,4 Ehescheidungen. Während bis zum Ausgang des Mittelalters die Ehe nach dem Verständnis der katholischen Kirche als gottgegeben und damit unauflösbar bewertet wurde, ist die Zahl der Ehescheidungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts infolge der zunehmenden Liberalisierung des Scheidungsrechts erheblich gestiegen. Ihre Zahl erreichte im Jahr 2005 mit fast 214.000 geschiedenen Ehen ihren bisherigen Höchststand in Deutschland.

Welche Auswirkungen hat das Zerrüttungsprinzip auf die Scheidungsquoten?

Wesentlicher Grund für den rapiden Anstieg der Scheidungsquoten dürfte mithin die Abkehr vom sogenannten Verschuldensprinzip sein, das im Jahr 1976 vom Zerrüttungsprinzip abgelöst wurde. Nach dem Zerrüttungsprinzip kommt es anders als früher nicht mehr darauf an, dem Ehepartner eine schuldhafte Eheverfehlung nachzuweisen. Vielmehr genügt es, dass die Ehe zerrüttet und damit gescheitert ist. Allein das Scheitern der Ehe begründet den Rechtsanspruch auf Scheidung. So lagen die Scheidungsquoten im Jahr:

  • 1960 bei 10,66%,
  • stiegen im Jahr 1980 auf 18,4 % und
  • erreichten im Jahr 2005 mit 51,92 ihren absoluten Höhepunkt.
  • Seit 2006 gingen die Scheidungsquoten zurück (Ausnahme in 2011: 49,66 %),
  • fielen in 2013 auf 45,45 %,
  • in 2016 auf 39,56 %
  • scheinen nach einer allgemeinen Einschätzung mit 37,67 % in 2017 eine Quote erreicht zu haben, die ein stabiles Niveau erwarten lässt (Quelle: statista 2019).

Welche Aspekte begründen die hohen Scheidungsquoten?

Die Scheidungsquote unterliegt offensichtlich gesellschaftlichen Entwicklungen. Auch wenn die Ehe nach dem Verständnis des Eherechts auf Lebenszeit geschlossen werden soll, ändert diese traditionelle Vorstellung nichts daran, dass auch eine eheliche Beziehung als Lebensabschnittsbeziehung verstanden und die Scheidung nicht mehr als Tabubruch betrachtet wird. Der Trend zu immer mehr Scheidungen lässt sich mit vielerlei Aspekten begründen:

  • Das Verständnis dessen, was eine Ehe ausmacht, hat sich gewandelt.
  • Frauen sind zunehmend selbst erwerbstätig und sind weniger auf die Versorgung durch den Ehegatten angewiesen.
  • Die Partner haben wachsende Erwartungen an Ihre Beziehung. Aspekte der Kindererziehung und Versorgung sind in den Hintergrund getreten. Ein zunehmender Konsum und ein erhöhtes Freizeitbedürfnis stellen an die Ehe andere Anforderungen als früher.
  • Alternative Lebensformen, wie die faktische Lebensgemeinschaft oder auch die gleichgeschlechtliche Ehe haben zunehmend gesellschaftliche Akzeptanz gefunden und führen dazu, dass sich Ehepartner trennen und Ihre Lebensweise neu definieren.
  • Der Partner oder die Partnerin werden zunehmend als austauschbar betrachtet und neue Partner bevorzugt.
  • Die Midlife-Crisis des Menschen wird zunehmend ausgelebt und nicht mehr als vorübergehende Phase unterdrückt. Wird sie ausgelebt, geht sie oft zulasten des Partners.

Wie ist das Verhältnis von Ehescheidungen zu Eheschließungen?

Wie ist die Entwicklung seit 1951 bis 2017?

Die Statistik zeigt eine klare Entwicklung:

  • In den Jahren 1951- 1960 kamen in Deutschland auf eine Scheidung noch 12,65 Eheschließungen.
  • Das Verhältnis reduzierte sich nachhaltig und erreichte in den Jahren 2001 - 2010 mit 1,94 Eheschließungen auf eine Scheidung einen vorläufigen Tiefpunkt.
  • In dem Zeitraum von 2011 - 2017 ist das Verhältnis zugunsten der Eheschließungen wieder auf 2,32 angestiegen.

Gibt es einen Trend zu mehr Eheschließungen und weniger Ehescheidungen?

Der Anstieg der Eheschließungen scheint einen Trend nach oben erwarten zu lassen. Heiraten scheint wieder in. Hochzeitsmessen boomen, die Nachfrage nach allem, was den Bund der Eheschließung attraktiv macht, steigt. So gab es beispielsweise im saarländischen Homburg mit 196 Trauungen in 2018 23 Trauungen mehr im Vergleich zum Vorjahr. Das Interesse manifestiert sich auch darin, dass viele Trauungen nicht mehr im oft tristen Trauzimmer des Standesamtes geschlossen werden, sondern wie in Homburg beispielsweise im attraktiven Umfeld des „Römermuseum“ oder im „Guts Königsbruch“ (Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 10.1.2019).

Auch wenn der Trend zu mehr Eheschließungen positiv ist, ist einzukalkulieren, dass allein durch die Tatsache zunehmender Eheschließungen zwangsläufig auch eine höhere Anzahl von Scheidungen zu verzeichnen sein wird. Welches Verhältnis sich daraus dann konkret ergibt, bleibt abzuwarten.

Ist das „verflixte siebte Ehejahr“ Wahrheit oder Mythos?

Das „verflixte siebte Ehejahr“ ist ein echter Mythos. Vielmehr liegt die durchschnittliche Ehedauer ausweislich der Statistiken bei 15 Jahren. Vielleicht hängt der Mythos mit der scheinbar magischen Kraft der Zahl „7“ zusammen. So dauert es sieben Jahre, bis ein Kind seine Milchzähne verliert, weitere sieben Jahre, bis die Pubertät endet und mit 21 Jahren mutiert der Jugendliche rechtlich zum Erwachsenen. Außerdem soll der menschliche Organismus im Abstand von etwa sieben Jahren sämtliche Zellen erneuern (Quelle: Focus 2016).

Gut zu wissen:

Wenn Sie der Magie der Zahl „7“ Glauben schenken, sollte es so sein, dass Sie nach sieben Jahren Ehe Ihre Beziehung runderneuert haben und mit neuer Energie in die nächsten sieben Jahre starten können. Insoweit erhält der Mythos des „verflixten siebten Ehejahres“ eine ganz andere, nämlich positive und konstruktive, Bedeutung.

Was sagen die Scheidungsstatistiken?

Die Scheidungsstatistiken des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2017 belegen folgende Daten (Quelle: destatis 2019):

  • Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 153.500 Ehescheidungen.
  • Die Scheidungsquote betrug ca. 37,67 %. Rechnerisch kommen damit auf eine Eheschließung ca. 0,4 Ehescheidungen.
  • Die meisten Ehen wurden mit 7.876 Scheidungen nach 6 Jahren Ehedauer geschieden. In 985 Ehescheidungen lag die Ehedauer unter zwei Jahren.
  • Gegenüber 2016 bedeutet die Scheidungsquote 2017 einen Rückgang um 9000 Scheidungen (5,5 %).
  • 82,6 % der Ehen wurden nach Ablauf des Trennungsjahres geschieden.
  • Die Scheidungsquote war bei Ehen, die im Jahr 2011 geschlossen wurden, mit 8000 Scheidungen am häufigsten (5,1 %).
  • 27.000 Paare waren zum Zeitpunkt der Scheidung bereits mindestens 25 Jahre miteinander verheiratet.
  • Die durchschnittliche Ehedauer lag bei 15 Jahren.
  • Die Hälfte der geschiedenen Ehepartner hatte minderjährige Kinder.
  • Insgesamt waren in 2017 124.000 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.
In 51,5 % der Fälle beantragten die Ehefrauen die Scheidung.

Schaubild:
In 51,5 % der Fälle beantragten die Ehefrauen die Scheidung.

  • 52,5 % der geschiedenen Ehepartner hatten ein Kind, 37,5 % zwei und 9,9 % drei oder mehr Kinder.
  • In 51,5 % der Fälle beantragten die Ehefrauen die Scheidung.
  • Ehefrauen waren durchschnittlich 43 Jahre und acht Monate alt.
  • In 40,9 % der Fälle beantragten die Ehemänner die Scheidung.
  • Ehemänner waren zum Zeitpunkt der Scheidung durchschnittlich 46 Jahre und acht Monate alt und damit durchschnittlich drei Jahre älter als ihre weiblichen Partner.
  • Die höheren Lebensalter der geschiedenen Ehepartner ergeben sich daraus, dass Ehen in den vergangenen Jahrzehnten meist im jüngeren Alter geschlossen wurden. Bis in die Neunzigerjahre lag die durchschnittliche Ehedauer noch bei ca. elf Jahren und das Durchschnittsalter war gut acht Jahre niedriger. So wurden Männer im Schnitt mit ca. 39 Jahren, Frauen mit ca. 36 Jahren geschieden.
  • In 7,6 % der Scheidungen wurden von beiden Ehepartnern beantragt. Inwieweit die Scheidung einvernehmlich oder streitig erfolgte, lässt sich aus der Quote nicht entnehmen.

Gut zu wissen:

Die Scheidungsquoten geben keinen Aufschluss daraus, welches Risiko besteht, dass eine Ehe geschieden wird. Die Quoten beziehen sich auf alle Jahrgänge, die im Jahr 2017 verheiratet waren und die Scheidung beantragt hatten. Wollte man das Risiko eingrenzen, müsste man die Scheidungsquote eines bestimmten Jahrganges heranziehen.

Gibt es bei den Scheidungsraten örtliche Unterschiede in Städten?

Die Scheidungsraten sind in der regionalen Breite nicht gleich. So dürfte es nicht verwundern, dass die meisten Ehen in Städten geschieden werden, während die Menschen in ländlichen Gebieten die Ehe eher als lebenslange Verbindung zu betrachten scheinen.

So liegt die Scheidungsrate in Emden (Niedersachsen) mit 35 Scheidungen/Jahr auf 10.000 Einwohner gerechnet an der Spitze. Ähnlich hoch rangiert Euskirchen mit 28 Scheidungen je 10.000 Einwohnern, während München mit einer Scheidungsrate von 30 je 10.000 Einwohnern im Verhältnis zur Größe der Stadt eine scheinbar eher geringe Scheidungsrate aufweist.

Am niedrigsten soll die Scheidungsrate mit 9 Scheidung je 10.000 Einwohnern in Offenbach am Main sein. Im Kempten/Allgäu steht das Verhältnis bei 8 zu 10.000. Nachvollziehbare Erklärungen gibt es dafür nicht. Seltsamerweise ist die Scheidungsrate in der Großstadt Berlin in 2016 auf den niedrigsten Stand seit 24 Jahren abgesunken. Angesichts der Lebensverhältnisse sollte man dort eher eine hohe Scheidungsrate erwarten.

Haben Eheverträge Einfluss auf die Scheidungsquoten?

Wer einen Ehevertrag abschließt, hegt insgeheim vielleicht auch die Hoffnung, dass sich damit die Ehe stabilisieren lasse. Nach statistischen Erfahrungen scheint aber genau das Gegenteil der Fall zu sein. Eheverträge könnten dazu führen, dass eine Ehe sich weniger stabil erweist. Grund könnte sein, dass ein Ehevertrag gewisse Sicherheiten bietet, wenn beispielsweise klare Regelungen zum Zugewinnausgleich oder über den Ehegattenunterhalt getroffen sind und der scheidungswillige Partner weiß, auf was er/sie sich mit der Scheidung einlässt.

Gibt es keinen Ehevertrag, sehen Ehepartner das Risiko, dass sie infolge einer Scheidung unversorgt sind und die sich ergebenden finanziellen Risiken alleine kaum bewältigen können. Dennoch soll dieser Aspekt kein Grund sein, in einer begründeten Lebenssituation (z.B. Unternehmerehe, Ehepartner mit unterschiedlich hohen Vermögen oder stark abweichendem Lebensalter) in einem Ehevertrag klare Verhältnisse festzuschreiben.

Fazit

Statistiken sind nichts als Zahlen. Dennoch lassen sich daraus Tendenzen erkennen. Gerade Scheidungsstatistiken sind Abbilder der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie geben Auskunft, welchen Stellenwert eine Ehe heute noch hat und wie hoch die Bereitschaft ist, notfalls die Reißleine zu ziehen.

Autor:  Volker Bellaire

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