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Von wem kann ich Schadensersatz verlangen, wenn ich die Vaterschaft erfolgreich angefochten habe?

Schadensersatz für Scheinväter

Wenn sich herausstellt, dass derjenige, der bisher als Vater des Kindes galt, nicht der wirkliche Vater ist (Scheinvater), so hat dieser die ganze Zeit Unterhalt gezahlt, ohne dass er dazu verpflichtet gewesen wäre. Es bestehen mehrere Möglichkeiten, gegen wen sich der Scheinvater wenden kann, um den Unterhalt und die sonstigen Kosten, die er im Zusammenhang mit dem Kind aufgewendet hat, erstattet zu bekommen: Der Scheinvater kann sich zum einen direkt an das Kind wenden.

Dieser Anspruch ist in der Praxis jedoch häufig nicht durchsetzbar, da das Kind das Geld in der Regel schon für die Lebenshaltungskosten ausgegeben hat. Wenn das Geld beim Kind nicht mehr vorhanden ist, braucht das Kind dieses Geld auch nicht zurückzugeben. Das Kind brauchte selbst nicht damit zu rechnen, dass ein anderer der Vater ist.

Scheinvater vs. biologischer Vater

Der Scheinvater kann sich auch an den wirklichen biologischen Vater wenden. Nach der Anfechtung, wenn sich herausstellt, dass ein anderer Mann biologischer Vater des Kindes ist, kann der bisher als Vater geltende Mann bei dem biologischen Vater Rückgriff nehmen.

Ein mit der Kindesmutter verheirateter Mann kann auch dann Rückgriff beim biologischen Vater nehmen, wenn er wusste, dass er nicht der Vater ist.

Ist der Scheinvater allerdings nicht mit der Kindesmutter verheiratet, wusste er, dass er nicht der Vater ist, und hat er die Vaterschaft dennoch anerkannt, so kann er beim biologischen Vater nicht mehr Schadensersatz verlangen.

Unterstützung durch das Sozialamt

Der Scheinvater kann sich an das Sozialamt wenden. Wenn das Kind in den ersten Jahren Unterhaltsvorschuss oder Sozialhilfe bekommen hat und der angeblich zur Zahlung des Kindesunterhalts verpflichtete „Vater“ diese Zahlung an das Sozialamt zurückerstattet hat, so kann er sich unter Umständen auch an den Sozialhilfeträger wenden. Dieses hat allerdings nur dann Erfolg, wenn er sich selbst an den biologischen Vater nicht wenden kann, weil dieser untergetaucht ist.

Die Rolle der Kindesmutter

Der Scheinvater kann sich unter Umständen auch an seine geschiedene oder getrennt lebende Ehefrau wenden. Grundsätzlich kann der Scheinvater keinen Schadensersatz von seiner Frau verlangen, die Ehebruch begangen hat und woraus ein Kind entstanden ist.Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn die Ehefrau auf die Frage, ob sie auch mit einem anderen Mann intim verkehrt habe, eine falsche Auskunft gibt und damit den Ehemann bewusst sittenwidrig schädigt.Weiterhin kann der Scheinvater bei der Kindesmutter Auskunft über den Namen des biologischen Vaters verlangen, wenn sie ihrem späteren Ehemann vorgespiegelt hat, dass er der Vater des Kind sei. In diesem Fall kann der Scheinvater Schadensersatz vom leiblichen Vater verlangen.

Expertentipp:

Wenn feststeht, wer der biologische Vater ist, so kann gegen diesen Rückgriff genommen werden. Dabei sollte allerdings auch immer beachtet werden, dass der Schadensersatzanspruch zeitnah mit der Vaterschaftsanfechtung geltend gemacht wird, um keine Verjährung oder Verwirkung der Ansprüche zu riskieren.

Wenn bekannt ist, dass der leibliche Vater derzeit kein Geld hatte, so sollte trotzdem ein Titel gegen diesen wegen der Schadensersatzansprüche erwirkt werden, damit diese Anspruch nicht verjährt. Aus einem Titel können dreißig Jahre vollstreckt werden. Und inwiefern der biologische Vater in einigen Jahren wieder zu Geld kommt, kann man nie vorhersehen.

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