7 Mythen & Märchen über die Trennung vor der Scheidung

 
 

Scheidung macht kein Spaß. Vor der Scheidung kommt obligatorisch die Trennung. Ein Jahr Trennungszeit sagt der Gesetzgeber. Manchmal auch noch länger. Das ist eine lange Zeit, auf die Sie sich vorbereiten sollten.

Es gibt so viele Halbwahrheiten und Unwahrheiten über die Trennung und Trennungszeit. Die 7 häufigsten Mythen und Märchen über die Trennung finden Sie hier.

FOLGE 3:  Montag 21. -  Sonntag 27. September 2015

 1. Montag: „Wir wollen so schnell wie möglich geschieden werden. Ich muss trotzdem ein Jahr warten, bevor ich die Scheidung einreichen darf.“

Falsch: Der Gesetzgeber in Deutschland sieht zwar vor, dass das Ehepaar ein sogenanntes Trennungsjahr einhält, bevor es zur Scheidung kommen kann. Jedoch muss das Trennungsjahr noch nicht abgelaufen sein, wenn der Scheidungsantrag gestellt wird. Das Trennungsjahr muss erst dann beendet sein, wenn Sie im Scheidungstermin bei Gericht vom Scheidungsrichter angehört werden! Bis zum schlussendlichen Scheidungstermin dauert es aber ca. 3 Monate, vor allem wenn der Versorgungsausgleich durchgeführt wird. 

Zudem wissen nur Sie beide, wann Sie sich wirklich getrennt haben. Geben Sie beide übereinstimmend denselben Trennungszeitpunkt an, läuft die Trennung ab diesem Zeitpunkt. Das kann und wird niemand überprüfen.

 

2. Dienstag: „Ich kann mir im Moment keine eigene Wohnung leisten. Somit kann ich mich auch nicht trennen.“

Falsch: Sie können sich auch innerhalb Ihrer Wohnung/Haus trennen und dort getrennt leben. Der Gesetzgeber nennt das „Trennung von Tisch und Bett“. Das bedeutet, dass Sie getrennt wirtschaften müssen und auch keine Dienstleistungen, wie kochen oder Wäsche waschen, für den anderen erbringen dürfen. Zudem dürfen Sie auch keine gemeinsamen Aktivitäten mehr unternehmen. Auch müssen Sie die Finanzen trennen, indem Sie zum Beispiel getrennte Konten haben, auf die Sie jeweils zurückgreifen, um Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie sollten sich somit einfach aus dem Weg gehen.

 

3. Mittwoch: „Ich muss das Trennungsdatum beweisen, damit ich mich später scheiden lassen kann.“

Falsch: Es gibt keine Stelle, wo Sie die Trennung registrieren könnten. Der Nachweis der Trennung bei einer einvernehmlichen Scheidung ist denkbar einfach: Wenn Sie beide übereinstimmend zum Beispiel „Juli 2014“ als Trennungszeitpunkt angeben, dann ist das so. Der Familienrichter wird nicht weiter nachfragen; Sie müssen auch keine weiteren Beweise, wie einen neuen Mietvertrag oder eine Anmeldebestätigung, beibringen. Wenn Sie sich nicht einig sind, dann muss derjenige, der den Scheidungsantrag gestellt hat, auch darlegen können, dass der angegebene Trennungszeitpunkt stimmt. Das gelingt am besten durch einen Wohnungswechsel. Aber auch, wenn Sie innerhalb derselben Immobilie die Trennung vollzogen haben, können Sie durch Zeugen den Nachweis des Trennungszeitpunkts führen.

 

4. Donnerstag: „Wir waren wieder 6 Wochen zusammen und haben einen Versöhnungsversuch unternommen. Jetzt geht die Trennung wieder von vorne los.“

Falsch: Gerade die Trennungszeit soll ja die Gewissheit bringen, dass Sie sich wirklich scheiden lassen wollen. Kommt es während dieser Zeit zu einer oder mehreren Versöhnungsversuchen, die nur einige Wochen andauern, dann unterbrechen diese Wochen der Versöhnung nicht die Trennungszeit. Nur wenn Sie wieder mehr als etwa 3 Monate zusammen sind, beginnt das Trennungsjahr wieder von vorne. Aber auch das muss ja keiner mitbekommen in der Praxis.

 

5. Freitag: „Die Steuerklasse von mir ändert sich mit der Trennung. Eine gemeinsame steuerliche Veranlagung ist nicht mehr möglich.“

Falsch: Sie besitzen Ihre Steuerklasse immer für ein volles Kalenderjahr. Durch die Trennung ändert sich zuerst einmal gar nichts an Ihrer Steuerklasse. Der Wechsel der Steuerklasse muss immer nur zum Beginn des folgenden Kalenderjahres vorgenommen werden. Wenn Sie sich zum Beispiel am 1. Februar 2014 getrennt haben, dann müssen Sie die Steuerklassen zum 1. Januar 2015 ändern. Das gilt auch, wenn Sie sich am 28. Dezember 2014 getrennt hätten. 

Das Finanzamt ändert die Steuerklassen nicht automatisch. Sie müssen dies beim Finanzamt beantragen. Vorsicht: Wenn Sie angeben, Sie hätten sich bereits seit dem 1. Februar 2013 getrennt (statt seit dem 1. Februar 2014), kann das Finanzamt von Ihnen eine Steuererstattung für ein volles Kalenderjahr verlangen.

 

6. Samstag: „Wir sind Deutsche und leben beide im Ausland. Wir müssen das deutsche Trennungsjahr einhalten.“

Falsch: Wenn Sie beide im Ausland Ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben, dann ist das Scheidungsrecht dieses Landes für Sie maßgebend. Wenn Sie zum Beispiel in den Niederlanden leben, dann ist das niederländische Scheidungsrecht für sie anzuwenden, und das sieht kein Trennungsjahr vor.

Sie können sich in Deutschland scheiden lassen (beim Amtsgericht Schöneberg in Berlin), und das Familiengericht wird das niederländische Familienrecht anwenden. 

 

7. Sonntag:  „Trennungsunterhalt steht mir immer zu.“

Falsch: Der Trennungsunterhalt muss geltend gemacht werden. Sie müssen Trennungsunterhalt schriftlich einfordern. Zudem wird Trennungsunterhalt nur im Rahmen der Leistungsfähigkeit geschuldet: Demjenigen, der Trennungsunterhalt zu zahlen hat, muss der sogenannte Selbstbehalt verbleiben.

Sie erhalten also erst dann Trennungsunterhalt, wenn Sie den Unterhaltsbedarf nicht selbst decken können (Bedürftigkeit), den Trennungsunterhalt schriftlich eingefordert  haben, und wenn der Unterhaltsverpflichtete diesen auch bezahlen kann (Selbstbehalt).

 

Wenn Sie länger getrennt leben, ohne geschieden zu sein, hat diese Situation viele Nachteile. Es bringt Ihnen keinerlei steuerliche Vorteile, denn die Steuerklasse müssen Sie bereits im Kalenderjahr nach der Trennung ändern. Zudem hängt die Dauer des nachehelichen Unterhaltsanspruchs auch von der Dauer der Ehe ab; die Trennungszeit zählt zur Ehezeit. Die während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften steigen, so dass der andere Partner immer mehr von Ihren Rentenpunkten erhält. Geerbt wird auch weiterhin grundsätzlich nach den gesetzlichen Vorschriften. Und neu heiraten können Sie natürlich auch nicht.

5.0 von 5 (78)