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Paartherapie / Eheberatung

Wenn Paare in einer Krise stecken, kostet es die Beteiligten meist einige Überwindung, eine Paartherapie bzw. Eheberatung in Anspruch zu nehmen. Vor allem für Männer kommt es in vielen Fällen dem Eingeständnis einer Niederlage gleich, wenn die Partner es nicht ohne Hilfe schaffen, Streitigkeiten und Konflikte zu überwinden. Dabei ist es kein Zeichen von Schwäche, wenn man als Paar in einer Sackgasse steckt und sich dabei helfen lässt, einen Weg hinaus zu finden. Doch die Entscheidung für eine Paartherapie / Eheberatung fällt in der Regel erst dann, wenn einer der Partner das Gefühl hat, vor einem Scherbenhaufen zu stehen.

Das Wichtigste für Sie:

  • Eine Paartherapie / Eheberatung kann hilfreich dabei sein, die Ursachen von Eheproblemen aufzudecken und Lösungen zu finden.
  • Bei jedem zweiten Paar bessert sich die Beziehung nach einer Paartherapie / Eheberatung dauerhaft. Nicht immer kann eine Trennung vermieden werden, doch verläuft sie nach einer Therapie friedlicher.
  • In der Paartherapie / Eheberatung praktizieren die Partner konstruktive Kommunikation, um sich gegenseitig besser zu verstehen. Die Beteiligten lernen zudem, Verantwortung für ihren jeweiligen Anteil an der Krise zu übernehmen.
  • Ein Eheberater ergreift keine Partei für einen der Partner, er agiert vielmehr als Moderator und Dolmetscher.
  • Es kann durchaus sinnvoll sein, eine Beratung alleine in Anspruch zu nehmen, wenn der Partner sich gegen die Teilnahme wehrt.
  • Durch die Teilnahme an Kommunikations-Seminaren für Paare muss es nicht erst soweit kommen, dass eine Paartherapie / Eheberatung erforderlich wird.

Veränderte Erwartungen an den Partner

In den meisten Beziehungen und Ehen kommt es irgendwann zu Problemen und Konflikten. Im Vergleich zu früheren Generationen enden Streitigkeiten zwischen Ehepartnern heutzutage jedoch weitaus häufiger vor dem Scheidungsrichter. Während die Eheschließeng früher vor allem der Familiengründung und Existenzsicherung diente, haben sich die Erwartungen an die Ehe im Lauf der Zeit grundlegend geändert. Eine Partnerschaft soll unser Bedürfnis nach Liebe stillen, sie soll das Leben bereichern und aufregender machen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die an den (Ehe-) Partner gestellt werden. Doch ist es in einer Zeit, die von einem rasanten Tempo gekennzeichnet ist und in der wir Tag für Tag mit einer Fülle von Informationen und Reizen überschüttet werden, nicht verwunderlich, wenn die Liebe häufig auf der Strecke bleibt. Während es für Paare früher beinahe selbstverständlich war, auch schwierige Phasen miteinander durchzustehen, stellen sich heute schneller Unzufriedenheit und Trennungsgedanken ein.

Wenn man feststellt, dass die eigenen Bedürfnisse in einer Ehe nicht (mehr) in dem Maße erfüllt werden, wie man es sich erhofft, ist es leichter, die Schuld beim anderen zu suchen als bei sich selbst. Daraus entwickeln sich Vorwürfe, die wiederum zu Gegen-Vorwürfen führen. Jeder glaubt, der andere müsse sich ändern, damit die Beziehung besser wird. Ständige Streitereien schaffen ein zermürbendes Miteinander, das den Umgang miteinander erschwert und unter dem die Lebensqualität leidet. Eine Paartherapie / Eheberatung kann den Partnern dabei helfen, den Ursachen für auftretende Probleme auf den Grund zu gehen und Lösungsmöglichkeiten zu finden, die beiden Partnern gerecht werden.

Wie funktioniert eine Paartherapie / Eheberatung?

Bei einer Paartherapie / Eheberatung unterscheidet man drei verschiedene Ansätze, deren Wirkung vergleichbar ist.

  • Bei der Verhaltenstherapie wird versucht, ungünstige Handlungsmuster in der Beziehung zu identifizieren und alternative Handlungsweisen zu erarbeiten.
  • Bei der systemischen Therapie geht es darum, das festgefahrene Beziehungsgefüge aufzurütteln und verschüttete Stärken sollen wiederbelebt werden.
  • Der tiefenpsychologische Ansatz zielt darauf ab, unbewusste und in der Kindheit erlernte Gefühlsmuster aufzudecken und hierdurch die Verstrickung der Partner zu lösen.

Welcher Ansatz sich für ein Paar am besten eignet, hängt vom Einzelfall ab, die meisten Paartherapeuten arbeiten methodenübergreifend. Ein Paartherapeut fungiert gewissermaßen als Moderator oder Dolmetscher, der den Partnern Wege zum gegenseitigen Verständnis aufzeigt. Zu Beginn einer Therapie, die im Normalfall zwischen zehn und 15 Sitzungen umfasst, wird geklärt, was sich jeder Einzelne von der Paartherapie / Eheberatung erhofft. Möchten beide die Ehe fortsetzen? Haben beide Partner das Ziel, wieder zueinander zu finden oder denkt einer bereits an Trennung? Manchmal soll eine Paartherapie / Eheberatung auch ermöglichen, dass man sich so friedlich wie möglich trennt. Wenn beide Beteiligten am Ende verstehen, was sie zu der Beziehungskrise beigetragen haben und wie sie es schaffen, eingefahrene Handlungsmuster zu durchbrechen, kann eine solche Therapie ebenfalls als erfolgreich angesehen werden. Statistiken belegen, dass sich bei jedem zweiten Paar die Beziehung nach 15 Sitzungen gebessert hat und es beiden Partnern über einen Zeitraum von zwei Jahren besser geht. 15 Prozent der Paare, die eine Eheberatung in Anspruch genommen haben, trennen sich trotz Therapie, geben jedoch mehrheitlich an, dass die Trennung durch deren Auswirkungen friedlicher verlaufen ist.

Expertentipp:

Eine Paartherapie / Eheberatung hat auch Auswirkungen auf den Gesundheitszustand: In einer Umfrage gaben 80 Prozent der Befragten an, vor der Eheberatung unter körperlichen Beschwerden gelitten zu haben. Nach der Therapie waren es nur noch etwa 20 Prozent. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder auch Suchtkrankheiten wird die Genesung durch die Therapie unterstützt. In diesen Fällen wird ein Teil der Kosten sogar von den Krankenkassen übernommen. Neben der Paartherapie / Eheberatung bei einem Therapeuten oder Coach werden Paarberatungen auch von kirchlichen und staatlichen Beratungsstellen angeboten.

Jeder Streit eskaliert

Unzufriedenheit in der Ehe entsteht in der Regel nicht aus dem Grund, dass man sich für den falschen Partner entschieden hat. Häufig sind es unrealistische Erwartungen, die man an den Ehepartner stellt: Man erhofft insgeheim, dass der andere all die Defizite ausgleicht, unter denen man (vielleicht auch unbewusst) leidet. Wer mit sich selbst unzufrieden ist, möchte Selbstbestätigung aus der Partnerschaft schöpfen – damit ist die Beziehung jedoch auf Dauer überfordert. Vor allem, wenn die Partner nicht gelernt haben, konstruktiv miteinander zu kommunizieren. Wenn Paare sich streiten, kommen meist unsachliche Argumente auf den Tisch. Anstatt sich mitzuteilen und über die eigenen Bedürfnisse zu sprechen, überhäuft man den Partner mit Vorwürfen. Wo ständig kritisiert wird, ohne dass auch einmal Worte des Lobes oder des Dankes fallen, entsteht allmählich eine vergiftete Atmosphäre. Bei Paaren, die sich an eine Eheberatungsstelle oder einen Coach wenden, ist ein ruhiges und sachliches Gespräch häufig gar nicht mehr möglich.

Ob Ehepaare Hilfe in Anspruch nehmen sollten, lässt sich nicht daran messen, wie häufig oder über welche Themen sie sich streiten. Wenn jedoch bei jedem Streitgespräch grundsätzlich die Fetzen fliegen und Beschimpfungen und Beleidigungen an der Tagesordnung sind, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft und therapeutische Begleitung angebracht wäre. In der Paartherapie / Eheberatung lernen die Partner, ihre unterschiedlichen Sichtweisen darzulegen, ohne den anderen zu verletzen. Typisch für verletzende Äußerungen, die dazu geeignet sind, den anderen sofort zu einem Gegenschlag zu veranlassen oder aber dazu, sich zurückzuziehen, sind so genannte Du-Botschaften. Der Therapeut oder Coach leitet die Beteiligten an, ihre Standpunkte als Ich-Botschaften zu formulieren. Der Satz: „Ich fühle mich einsam und vernachlässigt, wenn wir so wenig Zeit gemeinsam verbringen“ klingt ganz anders, als wenn man dem anderen entgegen schmettert: „Du interessierst dich doch mehr für Deine Hobbies als für mich“. Als neutrale Instanz achtet der Berater zudem darauf, dass der jeweils Sprechende vom anderen nicht unterbrochen wird und dass die Redezeit für jeden der beiden Partner gleich lang ausfällt. Dadurch, dass die Ehepartner im Laufe einer solchen Therapie die Innenwelt des Anderen intensiver kennenlernen, können sie lernen, wieder aufeinander zuzugehen und die Fähigkeit erwerben, Verantwortung für den Anteil zu übernehmen, den sie selbst jeweils an der Ehekrise haben.

Gründe für eine Paartherapie/Eheberatung

Wenn Paare sich zu einer Paartherapie / Eheberatung entschließen, haben sie normalerweise für sich erkannt, dass sie sich zwar noch lieben, aber nicht wie bisher weiterleben wollen. Die Gründe hierfür müssen nicht unbedingt in sich wiederholenden Streitigkeiten liegen; in einigen Fällen ist es auch so, dass man sich anscheinend nichts mehr zu sagen hat, dass jeder Tag dem anderen gleicht und die einzige Gemeinsamkeit in allabendlichem Schweigen vor dem Fernseher besteht. Auch kann ein unbefriedigendes Sexleben für die Ehepartner der Grund dafür sein, sich Rat zu holen, ebenso wie eine mögliche Belastung der Beziehung durch Sucht oder Krankheit. Oftmals ist es nur einer der Partner, der fachkundige Beratung als notwendig ansieht. Wenn die andere Person diese Einschätzung nicht teilt, kann es durchaus auch Sinn machen, alleine an einer Therapie oder einem Coaching teilzunehmen. Mit Hilfe der Paartherapie / Eheberatung gelangt man in jedem Fall zu neuen Erkenntnissen, die zu Ergebnissen und somit zu Veränderungen in der Beziehung oder Ehe führen werden.

In einigen Fällen versucht einer der Ehepartner den anderen zu einer Paartherapie zu überreden in der Hoffnung, er könne seinen Partner mit Hilfe des Beraters ändern oder ihn davon überzeugen, dass er alleine für die Ehekrise verantwortlich sei. Dies wird jedoch in aller Regel nicht funktionieren. Ein guter Eheberater oder Therapeut übernimmt in keinem Fall Partei für einen der Beteiligten. Als Zuhörer und Aufklärer ist er vielmehr darum bemüht, beide Sichtweisen nachzuvollziehen und dem jeweils anderen verständlich zu machen.

Die Dynamik der Beziehung verstehen

Konflikte in der Ehe werden – unter anderem – häufig durch Eifersucht entfacht und genährt. Unabhängig davon, ob diese begründet oder unbegründet ist, wird es Unmut hervorrufen, wenn jemand seinem eifersüchtigen Partner zuliebe auf eine Verabredung mit Freunden bzw. Freundinnen, auf einen Kegelabend oder einen Konzertbesuch verzichtet. Wenn der eifersüchtige Partner die andere Person gehen lässt, muss er seine Eifersucht aushalten, was ebenfalls unangenehm ist. Der Eheberater wird in einem solchen Fall erläutern, dass es ein positiver Lernprozess ist, dieses schmerzliche Gefühl auszuhalten und dass der andere ebenfalls einen positiven Beitrag leisten kann, indem er zur ausgemachten Uhrzeit oder sogar früher wieder nach Hause kommt. Umgekehrt kann die eifersüchtige Person auch selbst etwas unternehmen, anstatt zu Hause darauf zu warten, dass der Partner nach Hause kommt und ihm anschließend Vorwürfe zu machen. In der Paartherapie / Eheberatung hilft der Therapeut dabei, zu erkennen, dass man in diesem Fall mit Vorhaltungen eher dazu beiträgt, dass der Partner noch später nach Hause kommt und dass es produktiver ist, etwas am eigenen Verhalten zu verändern anstatt die Verantwortung nur dem anderen zuschieben zu wollen. Ebenso kommt man nicht umhin zu akzeptieren, dass man mit Druck eher das Gegenteil von dem erreicht, was man zu bewirken hofft.

Es liegt nicht in der Macht der Paartherapie / Eheberatung, Liebe herzustellen oder wieder zu beleben, wo keine Gefühle mehr vorhanden sind. Die Aufgabe liegt vielmehr darin dabei behilflich zu sein, diejenigen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die liebevolle Gefühle und Verständnis zwischen den Partnern verhindern. Der Paartherapeut zeigt Paaren in der Krise die unbewussten Mechanismen auf, die zu sich wiederholenden Eskalationen führen und versucht, eine positive Kettenreaktion auszulösen: Wenn einer der Partner es schafft, seine Gefühle auszudrücken, ohne dass die andere Person sich angegriffen fühlt, wird diese nicht gleich auf Abwehr schalten oder zum Gegenangriff ausholen. Sie kann vielmehr beginnen, zu verstehen und angemessen darauf reagieren. Wenn das einige Male bei alltäglichen Konflikten gelungen ist, wird das Paar im Idealfall den Mut finden, sich auch über grundsätzliche Beziehungsthemen in dieser Weise auseinander zu setzen. Auf diesem Weg können Ehepaare wieder zueinander finden und lernen, Konflikte besser zu lösen.

Expertentipp:

Eine Garantie dafür, dass eine Paartherapie / Eheberatung auf jeden Fall zu einem Happy-End führt, gibt es jedoch nicht. Wenn die Partner eine letztendlich beschlossene Trennung auf halbwegs friedliche Weise vollziehen können, ist das jedoch auch als Therapie-Erfolg zu bewerten. In diesem Fall können die Partner von den gewonnenen Erkenntnissen zwar nicht mehr in der gegenwärtigen, dafür aber in der nächsten Beziehung profitieren.

Kommunikation rechtzeitig lernen

Konstruktive Kommunikation ist etwas, was viele Menschen unabhängig von ihrem Alter nicht gelernt habe. Liebesbeziehungen sind in vielen Aspekten, und das gilt auch für die Art und Weise, wie die Partner untereinander agieren, von dem geprägt, was die Beteiligten in der frühen Kindheit erfahren haben. Paare müssen jedoch nicht so lange warten, bis eine Paartherapie / Eheberatung erforderlich wird, um ihre kommunikativen Fähigkeiten zu verbessern: Im Internet findet man Angebote für verschiedene partnerschaftliche Lernprogramme für Paare in mehrjähriger Beziehung, die online gebucht werden können. Daneben gibt es auch Paartherapien, die ausschließlich über das Internet stattfinden und solche, bei denen die Beratung ausnahmslos über Telefongespräche erfolgt.

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