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Kinder und Sorgerecht - Trennung mit Kind

Sorgerecht als Druckmittel

Um den anderen Ehegatten zu ärgern, neigen viele Ehegatten aus enttäuschten Emotionen heraus dazu, dem anderen Elternteil den Umgang mit dem Kind zu verweigern. Es kommt immer häufiger vor, dass der betreuende Elternteil bei Gericht eine Gewaltschutzanordnung erwirkt, die es dem ausgezogenen Elternteil verbietet, seine Kinder zu sehen. Die Hintergründe dieser Gewaltschutzanordnung sind oftmals, aber nicht immer, nachvollziehbar.

In extremen Fällen kann auch der nun allein betreuende Elternteil mit der Erziehung der Kinder derart überfordert sein, dass die Kinder nicht mehr ordnungsgemäß versorgt werden.

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Gewaltschutzgesetz ist eine riskante Waffe

Kinder und Sorgerecht

Eine Trennung mit Kind ist immer problematisch. Eigentlich ist dies eine Selbstverständlichkeit, die sich aus der Natur der Sache ergibt. Das mithin dem Kindeswohl dienende Gewaltschutzgesetz wird leider allzu oft als Waffe missbraucht. Um beim Familiengericht eine einstweilige Anordnung durchzusetzen, genügt es zunächst, wenn ein Elternteil behauptet, der andere Elternteil habe dem Kind körperlichen, vielleicht auch sich körperlich auswirkenden seelischen Schaden zugefügt oder dem eigenen Zugriff entzogen. Zwar ist das Gericht verpflichtet, das Jugendamt anzuhören. Scheint aber nach den Behauptungen des antragstellenden Elternteils „Gefahr im Verzug“ zu sein, kann das Gericht die einseitige Anordnung auch ohne Anhörung des Jugendamtes treffen. Auch wenn die einstweilige Anordnung nachträglich wieder aufgehoben werden kann, weil sich die Gegebenheiten anders darstellen, werden allzu oft vollendete Tatsachen geschaffen.

Kinder dürfen nicht Mittel zum Zweck sein, wenn der Zweck darin besteht, einem Elternteil einfach nur weh zu tun. Nicht umsonst stellt das Familienrecht bei einer Trennung mit Kind das Kindeswohl in den Mittelpunkt. Alles, was dem Kindeswohl schadet, darf nicht Gegenstand dessen sein, was Eltern bei einer Trennung mit Kind tun. Kindeswohl ist alles, was das Kind in seiner seelischen und körperlichen Entwicklung positiv beeinflusst. Wenn sich Eltern trennen, leiden die Kinder. Ihre bis dahin vielleicht heile Welt zerbricht. Sie verstehen meist nicht, warum die Eltern sich nicht mehr verstehen und nur noch streiten, ohne dass aus Sicht des Kindes ein vernünftiger Anlass dafür erkennbar ist.

Selbstverständlich bietet das Gewaltschutzgesetz Wege, in schwierigen Situationen sich selbst als Elternteil und das gemeinsame Kind gegenüber körperlichen und die Seele des Kindes verletzten Angriffen des anderen Elternteils zu schützen. Die Situation sollte aber wirklich eine solche sein, die das Gewaltschutzgesetz im Auge hat. Ist dies nicht der Fall, ist eine elterliche Strategie, die sich am Gewaltschutzgesetz ausrichtet, der falsche Weg.

Entscheidet das Familiengericht, dass ein Elternteil die bislang von beiden Eltern gemeinsam genutzte Wohnung nicht mehr betreten, sich dem Kind nicht mehr nähern oder das Kind nicht mehr anrufen oder überhaupt kontaktieren darf, kann dies für das Kind eine enorme Belastung sein, die seine seelische Ausnahmesituation nur noch verschärft. Der Elternteil, gegen den sich eine Maßnahme nach dem Gewaltschutzgesetz richtet, bleibt stets Mutter oder Vater des Kindes. Es gibt nichts, was sich daran ändern könnte. Jeder Elternteil sollte diese biologische Gegebenheit respektieren. Nur dieser Respekt wird dem Kindeswohl gerecht. Wenn schon eine Trennung mit Kind unvermeidbar ist, sollte sie so vollzogen werden, dass wenigstens das Kind nicht unter die Räder kommt.

Dabei gibt es noch einen anderen Aspekt zu berücksichtigen, den viele Elternteile schlicht unterschätzen. In extremen Fällen kann auch der nun allein betreuende Elternteil mit der Erziehung der Kinder derart überfordert sein, dass die Kinder nicht mehr ordnungsgemäß versorgt werden.

Gerade bei einer Trennung mit Kind, ergeben sich Situationen, in denen ein Elternteil alleine Gegebenheiten beurteilen und entscheiden muss, die er vorher gemeinsam getroffen hat. Muss er die Entscheidung auch noch gegen den Willen des Kindes treffen, leidet die eigene Autorität. Es ist eine alte Erfahrung, dass Kinder gerade eine solche Situation ausnutzen und argumentieren, der andere Elternteil hätte so sicherlich nicht entschieden. Wer dies nicht berücksichtigt, befindet sich bereits in einer Verlierersituation, auch er wenn dies zunächst nicht erkennen will. Wer seinen Einfluss auf das Kind behalten möchte, ist gut beraten, den anderen Elternteil möglichst einzubeziehen und vor allem richtungsweisende Entscheidungen gemeinsam zu besprechen und gegenüber dem Kind zu vertreten.

Sicher: Es ist einfach, an dieser Stelle solche hehre Worte zu äußern. Sie ist aber nichts anderes als die Erfahrung von Rechtsanwälten und Richtern, aber auch vieler Eltern , die eine Trennung mit Kind durchlebt haben und aus der objektiven Sicht der Dinge wissen, was Elternteile in ihrem emotionalen Schmerz infolge von Trennung und Scheidung anrichten können. Wie gesagt: Das Kindeswohl sollte Maßstab jeglichen Handels sein.

Die Familie in einer neuen Konstellation

Wenn die geschiedenen Ehegatten neu heiraten, stellt sich die Frage, welchen Namen die Kinder in Zukunft tragen sollen und ob sie adoptiert werden können. Der Familienname schafft über die Jahre eine Identität, auf der auch das Kind seine Persönlichkeit entwickelt. Muss es seinen Familiennamen wechseln, leidet genau diese Persönlichkeit. Oft versteht es nicht, warum es dann vielleicht den Familiennamen des neuen Ehepartners des Elternteils tragen muss und nicht mehr derjenige sein darf, der es einmal war.

Gerade das Thema Adoption enthält – auch im Bezug auf Erwachsene und ausländische Kinder - viele Fragen. Vor allem gibt es immer mehr Patchwork-Familien, in denen sich genau diese Frage vermehrt stellt. Die Adoption ist sicherlich ein guter Weg, auch das Kind in die neue Partnerschaft einzubeziehen, darf aber andererseits nicht als Allheilmittel verstanden werden, um auf künstlichem Wege eine emotionale Beziehung zwischen Kind und neuem Partner zu schaffen.

Nicht der Storch bringt die Kinder

In Zeiten, wo viele Paare kurzfristig neue Bindungen eingehen und diese auch nach kurzer Zeit wieder lösen, kommt es schließlich nicht selten vor, dass die Ehefrau von einem anderen Mann als ihrem Ehemann ein Kind bekommt. Gerade in Zeiten, wo Themen wie Leihmutterschaft, künstliche Befruchtung, Embryonenspende, etc. immer häufiger diskutiert werden, ist nicht immer eindeutig, wer überhaupt als Vater und Mutter anzusehen ist und wie dieses herausgefunden werden kann.

Als das Familienrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches formuliert wurde, waren die Möglichkeiten der heutigen Medizin noch nicht vorstellbar. Wenn man sich die Entwicklung anschaut, wird schnell deutlich, dass es auch für den Gesetzgeber ungemein schwierig ist, angemessene Regelungen zu finden. Zwar ist die Vaterschaft relativ klar geregelt. Vater ist derjenige, der mit der Mutter verheiratet ist oder seine Vaterschaft anerkannt hat und dessen Vaterschaft nicht wirksam angefochten wurde. Problematisch wird es aber bereits bei der heterologen Zeugung, bei der die Frau sich mit dem Samen eines unbekannten Dritten künstlich befruchten lässt. In § 1600 V BGB hat sich der Gesetzgeber dafür entschieden, dass die Vaterschaft weder durch den Mann noch durch die Mutter angefochten werden kann. Die Anfechtungsbefugnis des Kindes aber wird dadurch nicht berührt. Dieser Aspekt trägt dem erfahrungsgemäß oft aufkeimenden, wohl genetisch bedingten Wunsch des Kindes Rechnung, dass es früher oder später wissen möchte, wer denn sein biologischer Vater ist.

Doch wie soll ein Vater bestimmt werden, wenn die Herkunft des Samens bewusst verschleiert wird, weil er aus einer anonymen Samenbank stammt oder ein Samencocktail verwendet wurde. Jedenfalls ist Mutter diejenige Person, die das Kind geboren hat. Auch wenn eine Frau eine fremd befruchtete Eizelle aus, hat die Eispenderin keinerlei Rechtsbeziehung zum Kind. Es erschiene abwegig, die Mutterschaft aufzuspalten. Auch die Ersatzmutter, deren Trägerschaft durch das Adoptionsvermittlungsgesetz verboten ist, ist Mutter.

Alles, was sich mit dem Thema Trennung mit Kind beschäftigt, ist in der Praxis sehr wichtig und beschäftigt die deutschen Gerichte im immer zunehmenden Maße. Angesichts der schnell fortschreitenden medizinischen Entwicklungen hinkt der Gesetzgeber zwangsläufig hinterher und muss oft nach heftiger und kontroverser Diskussion auf ethisch, moralisch, aber auch menschlich und juristisch geprägten Grundlagen ein Gesetz formulieren, das all diese Aspekte irgendwie vereint. Dabei muss er häufig auch den Widerspruch auflösen, der durch den Anspruch auf Selbstverwirklichung potentieller Mütter und Väter mit dem Recht auf ein Kind auf der einen Seite und dem Kindeswohl auf der anderen Seite entsteht. Letztlich gilt auch hier gilt der ewige Grundsatz des Familienrechts: Das Kindeswohl ist der Maßstab aller Dinge.

Um das Thema Kinder und Trennung mit Kind vorab etwas zu gliedern, dürfen wir Sie bitten, hier zunächst auszuwählen:

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