
Bewältigung einer Trennung oder Scheidung
Wenn wir verlassen werden, bleiben wir uns in der Trennungskrise weitgehend selbst überlassen und fühlen uns meist erst einmal völlig überfordert.
Wir müssen uns zum einen mit Gerichten und Ämtern auseinandersetzen, praktische Alltagsprobleme wie Umzug, Betreuung der Kinder, finanzielle Umstrukturierung, Arbeitsplatzsuche, Umschulung lösen, und werden mit Vorurteilen anderer gegenüber Geschiedenen konfrontiert. Zum anderen erleben wir in dieser Zeit nach der Trennung meist sehr starke körperliche und seelische Reaktionen.
Wie heftig unsere Reaktionen ausfallen, hängt vom Ausmaß der tatsächlichen Veränderungen, von denen wir betroffen sind, ab. Hierzu gehören beispielsweise die Veränderung der finanziellen und beruflichen Situation, des Sorgerechts für die Kinder, der Wohnsituation, der Bezeichnung des ehelichen Standes als geschieden, die Aufteilung der Möbel, die Notwendigkeit, zu arbeiten und die Alltagspflichten neu einzuteilen.
Unsere Reaktionen werden aber auch beeinflusst durch unsere Persönlichkeit, durch die Art der Beziehung zu unserem Partner, unser Alter und unsere sozialen Einbindung. Haben wir beispielsweise vor der Trennung nie alleine gelebt, unser ganzes Selbstwertgefühl über den Partner aufgebaut, unser Leben rund um unseren Partner eingerichtet, hat es in unserem Lebenskonzept niemals einen Gedanken an Trennung gegeben, haben wir keinen eigenen Freundeskreis gepflegt, so wird unser Leben sehr stark erschüttert. Wenn wir generell an unserer Fähigkeit, Probleme zu lösen, zweifeln, wirkt dies zusätzlich erschwerend für die Trennungsverarbeitung.
Unabhängig davon, ob wir verheiratet waren und eine Scheidung folgt, oder ob wir ohne Eheschließung in einer Lebensgemeinschaft mit dem Partner zusammenlebten, uns bleiben die psychischen Folgen der Trennung nicht erspart.
"Ich verlasse dich", es gibt wenige Worte, die weniger fassbar sind als diese drei. Wenn sie von unserem Partner geäußert werden, gleichgültig, ob behutsam, aus einer Wut heraus, oder in Form eines Zettels, den er lieblos hinterlassen hat, dann stürzen wir in eine Trennungskrise. Dann beginnt für uns meist ein langer Weg bis zur Bewältigung dieser Krise.
Wir müssen verschiedene Phasen nach dem Trennungsschock durchlaufen. Die Phasen sind vergleichbar mit den Phasen, die wir auch beim Verlust eines Menschen durch Tod erleben. Trennung und Tod sind für die meisten von uns die am stärksten Stress auslösenden Erlebnisse. Es lassen sich 4 Phasen unterscheiden:
Phase I: Nicht-Wahrhaben-Wollen: Schock und Verleugnung
Sie ist gekennzeichnet durch Verleugnung der endgültigen Trennung. Wir glauben, alles sei nur ein böser Traum, aus dem wir nach einiger Zeit nur zu erwachen brauchen, und alles sei wieder in Ordnung.
Phase II: Aufbrechende Gefühle
Sie ist gekennzeichnet durch Gefühle der Verzweiflung, Wut, Angst, Schuld und Selbstzweifel. Daneben treten körperliche Beschwerden auf wie Schlaf-, Merkfähigkeits-, Konzentrations-, Appetitstörungen, innere Unruhe.
Phase III: Neuorientierung
Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass wir unser Leben wieder aktiver in die Hand nehmen und eine Zukunftsperspektive sehen.
Phase IV: Neues Lebenskonzept
Wir empfinden ein neues inneres Gleichgewicht. Wir haben uns ein neues Lebenskonzept und neues Selbstvertrauen erarbeitet.
Die einzelnen Phasen sind nicht immer eindeutig voneinander zu trennen. Sie verlaufen auch nicht immer in dieser Reihenfolge gradlinig. Sie können sich überlappen, zusammenfallen und sich miteinander vermischen. Es gibt immer einmal wieder Rückfälle in eine frühere Phase. Jedoch dauern dann die Symptome nicht so lange an und sind nicht so intensiv.
Die meisten Menschen benötigen für die ersten beiden Phasen ein Jahr, 2-4 Jahre bis zu einem neuen Lebenskonzept und einem neuen innerer Gleichgewicht. Es ist jedoch gefährlich, sich an Zeitangaben zu orientieren.
Jeder Mensch benötigt seine eigene Zeit, um eine Krise zu durchleben.
Persönlichkeit, Alter, Lebenskonzept, das Ausmaß der Veränderungen, die Unterstützung von außen spielen hierbei eine Rolle. Es gibt Menschen, die in der einen oder anderen Phase verharren oder auch vollkommen steckenbleiben. Sie tragen beispielsweise den Ehering weiter am Finger, lassen die Wohnung unverändert, erzählen, dass der Partner vorübergehend im Ausland arbeitet. Sie vergleichen alle neuen Bekannten mit dem Expartner und erzählen ihm. "Mein Partner hätte, würde das... aber anders machen."
Andere Menschen wiederum brechen die Phase der Verarbeitung ab, indem sie sich in eine neue Partnerschaft stürzen, um nicht allein zu sein und den Schmerz ertragen zu müssen. Es gibt auch Menschen, die zu "Frauen- oder Männerhassern" werden, und solche, die sich voller Gram und Selbstmitleid aus dem sozialen Umfeld vollkommen zurückziehen.
Das Zulassen, Erleben, Ausdrücken aller auftretender Gefühle nach einer Trennung und schließlich die Umwandlung in eine neue Lebensperspektive und die Nutzung all dieser Erfahrung für die Zukunft ist der schwierigste, aber gleichzeitig hilfreichste Weg. In vielen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass der Anschluss an eine Gruppe von Menschen in ähnlicher Situation oder eine therapeutische Begleitung eine starke Unterstützung sein kann.
Ratgeber zur Bewältigung einer Trennung oder Scheidung
Doris Wolf Wenn der Partner gehtISBN 3-923614-74-8 |
Kundenmeinungen
Arnsberg
, 16.05.2012So unkompliziert hätte ich mir das nicht vorgestellt.
Lüdenscheid
, 14.05.2012Vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Scheidung!
Herford
, 11.05.2012Das nenn ich mal schnell! Grüße aus Herford.
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