Phase II: Aufbrechende Gefühle
Diese Phase ist die schwierigste im Verlauf unserer Trennungsverarbeitung. Wenn die Trennung uns richtig bewusst wird und wir die Trennung als Wirklichkeit ansehen, dann werden wir von den verschiedensten Gefühlen überwältigt. Die Trennung ist ein massiver Eingriff in unser Leben, vergleichbar einer großen Operation, bei der sich die Wunde nur langsam schließt. Wir können nach einer Operation nicht wählen, keine Wunde und keine Schmerzen zu haben. Wir können die Schmerzen akzeptieren lernen und uns dann auf die langsame Heilung einstellen. Abhängig von unserer Persönlichkeit und unserem Lebenskonzept werden wir die folgenden Gefühlsreaktionen stark oder weniger stark erleben.
Trauer und Verzweiflung
Wann immer wir etwas verlieren, was uns wichtig ist, verspüren wir Trauer. Wenn das Ende der Partnerschaft für uns einen Verlust bedeutet, so ist die Trauer unumgänglich. Bei einer Trennung verlieren wir meist sehr vieles, von dem wir Abschied nehmen müssen: den Partner, die gesellschaftliche Position als Ehefrau/Ehemann, gemeinsame zukünftige Ziele und Pläne, vielleicht das Haus oder die Wohnung, die Kinder, Unterstützung und Zuwendung, aber auch Konfliktpunkte, die im Nachhinein plötzlich nicht mehr so tragisch erscheinen.
Der Eindruck, ohne Kontrolle zu sein und keine Hoffnung zu haben, ist vorherrschend. Wir haben den Eindruck, allem und jedem ausgeliefert zu sein. Unsere Gedanken kreisen darum, was wir nie mehr von unserem Partner an schönen Dingen erhalten können.
Wir suchen nach einer Antwort auf die Frage "Warum nur...?", können jedoch im Augenblick für uns keine Antwort finden, die uns Erklärung genug ist. Hat sich unser Partner wegen einer/s anderen Frau/Mannes von uns getrennt, wählen wir häufig sie/ihn als Grund: "Sie/er hat ihn/sie verführt, sonst wäre er/sie nie gegangen".
An diesem Punkt ist es für uns notwendig, zunächst Trauer, Weinen und Wehklagen zuzulassen und zu akzeptieren. Dann folgt der Weg über kleine Aktivitäten zu der Erkenntnis, dass nicht unser Partner, sondern wir selbst über unsere Gefühle bestimmen können.
Einsamkeit
Wenn wir es gewohnt waren, mit unserem Partner zusammenzuleben, und uns nicht freiwillig entschieden haben, uns zu trennen, fühlen wir uns einsam, wenn der Partner auszieht oder uns nicht mehr zur Verfügung steht. Vielleicht stürzen wir uns deshalb in Geschäftigkeit, treffen nahezu für Tag und Nacht Verabredungen oder ziehen zu einer Freundin oder unseren Eltern, um dieses Gefühl der Einsamkeit nicht spüren zu müssen. Vielleicht ziehen wir uns aber auch in unser Bett zurück, gehen nicht ans Telefon und wollen zu keinem Menschen Kontakt haben.
Vielleicht zeigen wir auch "verrückte" Verhaltensweisen, indem wir mit dem Teddy schlafen gehen, unentwegt das Radio eingeschaltet haben, nachts das Licht brennen lassen. Oder wir laufen nachts ruhelos in der Wohnung umher, legen uns morgens dann erschöpft ins Bett.
Es gibt so viele Gewohnheiten, die wir umstellen müssen: gemeinsames Essen, Einkaufen, gemeinsamer Urlaub, gemeinsames Schlafen während der Nacht. Wir vermissen die Geräusche des anderen, Unordentlichkeiten und Gerüche, Zärtlichkeiten, Komplimente, Erzählungen, was jeder am Tag erlebt hat, gemeinsames Autofahren, Fernsehen, die Unterstützung in handwerklichen Tätigkeiten, finanziellen Angelegenheiten, beim Umgang mit Behörden. Uns umgibt nur Leere. Wir haben keine Energie, uns den Tisch zu decken, etwas zu kochen, die Wohnung gemütlich zu dekorieren, uns hübsch zu machen. Hier können unsere grundsätzlichen Lebenseinstellungen wie "Ich heirate, um nicht allein zu sein". „Ich tue alles dem anderen zuliebe, wegen mir allein lohnt es sich nicht“, uns zusätzlich das Leben schwer machen.
Besonders vor Wochenenden, Feiertagen und dem Urlaub haben wir Angst. Um den Gefühlen der Einsamkeit zu entgehen, stürzen wir uns vielleicht sogar überschnell in eine neue Partnerschaft.
An diesem Punkt ist es für uns wichtig, zu lernen, dass Alleinsein und Einsamkeit zwei unterschiedliche Zustände sind.
Nach einer Zeit der Umstellung auf die neue Situation können wir uns auch wohl fühlen, wenn wir allein sind, vorausgesetzt, wir haben gelernt, mit uns selbst etwas anzufangen.
Selbstvorwürfe, Schuldgefühle und Selbstzweifel
Wir beschäftigen uns nach der Trennung mit Selbstvorwürfen, denken, alles falsch gemacht zu haben. Wir geben uns die alleinige Schuld für das Ende der Partnerschaft. Wir glauben, Kontrolle über Gefühle und Verhalten unseres Partners zu haben und sie nicht genutzt zu haben. Wir werten uns ab, halten uns für unattraktiv, dumm und hässlich, denn sonst hätte unser Partner uns doch nicht verlassen.
Das Ende einer Partnerschaft wird jedoch niemals von nur einer einzigen Person verursacht.
Beide Partner bringen ihre Vorstellungen, Erwartungen und Lebenseinstellungen mit in die Partnerschaft. Nur wenn die Erwartungen in den wichtigsten Punkten übereinstimmen, ist unsere Partnerschaft harmonisch und erfolgreich. Selbst wenn die Partnerschaft am Anfang für beide Partner zufriedenstellend war, kann sich dieser Zustand ändern, dadurch dass sich ein Partner beispielsweise durch einen Arbeitsplatzwechsel, Geburt der Kinder, einen neuen Freundeskreis, das Älterwerden verändert. Unsere Partnerschaft endet nicht wegen eines Partners, sondern weil die Eigenschaften und Erwartungen beider Partner nicht mehr zusammenpassen.
Ziel an diesem Punkt ist es, intellektuell und emotionalzu diesen Einsichten zu gelangen.
Wir sind nicht minderwertig, nur weil unser Partner uns verlassen hat.
Zum Ende unserer Partnerschaft haben sowohl wir als auch unser Partner beigetragen.
Angst
In unserer Partnerschaft haben wir und unsere Partner bestimmte Rollen eingenommen. Vielleicht haben wir unseren Partner bei Tätigkeiten vorgeschickt, die er besser konnte als wir oder vor denen wir sogar Angst hatten. Dadurch haben wir verhindert, diese Tätigkeiten zu lernen oder uns darin zu trainieren. Jetzt, am Ende unserer Partnerschaft werden wir in einer Situation, in der wir uns ohnehin schwach und hilflos fühlen, wieder mit unseren Ängsten konfrontiert. Wir müssen lernen, alleine zu sein, für uns selbst zu sorgen, auf Behörden zu gehen, uns einen Anwalt zu suchen, unser Geld zu verwalten, mit Handwerkern zu verhandeln etc.
Mit Gedanken wie „Das werde ich nicht schaffen“ oder „Das kann ich nicht“ erschweren wir uns diesen Weg.
Wir müssen darüber hinaus vielleicht lernen, alleine aktiv zu werden, ins Kino zu gehen oder in Urlaub zu fahren. Zum einen werden wir dabei behindert durch eigene Gedanken, wie z.B.: "Was denken die anderen über mich? Die werden mir bestimmt ansehen, dass ich geschieden bin. Ich bin unattraktiv und hässlich, habe nichts anzubieten, denn sonst hätte mich mein Partner nicht verlassen". Zum anderen haben es in unserer Gesellschaft insbesondere Frauen immer noch schwer, alleine irgendwohin zu gehen.
An diesem Punkt ist es zunächst wichtig, unsere Ängste zu akzeptieren. Da die Trennung unsere Selbstachtung und das Vertrauen in unsere Fähigkeiten generell infrage stellt, müssen erst einmal Ängste, gleichgültig ob wir früher auch schon eher ängstlich waren oder nicht, auftreten. Dann gilt es zu lernen, unsere Ängste schrittweise zu überwinden.
Wut und Hass
Aus Angst, unseren Partner noch weiter von uns wegzutreiben, drücken wir unsere Wut und den Hass nach der Trennung zunächst meist nicht aus bzw. verspüren ihn nicht einmal. Gegen Ende der zweiten Phase treten dann Gefühle von Wut, Verbitterung und Hass auf. Sie sind ein Zeichen, dass wir langsam Abstand von dem verlorenen Partner gewinnen. Vorwürfe wie "Wie kann er mir das antun. Das ist unfair, nachdem ich so viel für ihn geopfert habe. Dem werde ich es zeigen" bestimmen nun unsere Gedanken.
Wann immer wir etwas verlieren oder weggenommen bekommen, was uns wichtig ist, fühlen wir uns bedroht und alarmiert. In unserem Körper wird Energie frei, uns zu wehren und um das zu kämpfen, was wir nicht mehr bekommen können. Deshalb ist es vollkommen natürlich, dass Wut und Hass nach der Trennung auftauchen. Die Wut ist um so stärker, je mehr wir uns im Nachteil sehen und denken, unseren Expartner zu brauchen.
Die Wut kann so weit gehen, dass wir Phantasien haben, unserem Expartner etwas anzutun. Ja, vielleicht drücken wir unsere Wut sogar direkt aus, indem wir seine Autoreifen zerstechen, die neue Freundin des Expartners verbal angreifen, ihn beim Finanzamt anschwärzen, Telefonterror machen.
Vielleicht drücken wir unseren Hass auch indirekt über die mangelnde finanzielle Unterstützung oder das Verbieten der Besuchszeiten für die Kinder aus. Wenn wir schon immer in unserem Leben Schwierigkeiten mit dem Zulassen und Ausdrücken von Wut hatten, fressen wir den Hass möglicherweise in uns hinein und bekommen psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, Herzstechen, Magenschleimhautentzündung etc. Vielleicht greifen wir auch zu Alkohol und Tabletten, um abschalten zu können.
Die Gefühle von Wut und Hass zu erleben, ist wichtig, denn sie bringen uns aus unserer Hilflosigkeit und Ohnmacht heraus. Die Gefühle sind quasi ein Versuch, uns gegen das Unrecht, das uns angetan wurde, zu wehren.
Es könnte auch sein, dass wir darüber hinaus auch Hass und Wut uns selbst gegenüber empfinden, weil wir uns "haben so ausnützen lassen", oder weil wir nicht "konsequent sind in unserem Verhalten dem Partner gegenüber" oder weil wir uns jetzt "so elend fühlen". Wir quälen uns mit dem Gedanken, wir hätten uns während der Partnerschaft "anders verhalten sollen" und verurteilen uns dafür.
An diesem Punkt ist es notwendig, zunächst einmal unsere Gefühle des Hasses und der Wut zu akzeptieren - sie gehören zum Loslösungsprozess dazu - und sie auf eine für alle ungefährliche Art und Weise auszudrücken.
Kundenmeinungen
Arnsberg
, 16.05.2012So unkompliziert hätte ich mir das nicht vorgestellt.
Lüdenscheid
, 14.05.2012Vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Scheidung!
Herford
, 11.05.2012Das nenn ich mal schnell! Grüße aus Herford.
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