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Trennungsbewältigung - Interview mit Frau Dr.Wolf

Erleben Männer und Frauen eine Trennungskrise unterschiedlich?
Während der Trennungskrise kommen mehr Frauen als Männer in die Psychotherapie , wenngleich die Anzahl männlicher Betroffener in den letzten Jahren gestiegen ist. Dennoch leiden nach meiner Erfahrung Männer stärker als Frauen.

Dies ist damit zu erklären, dass Männer

  • eher gewohnt sind, Kontrolle über Situationen zu haben, und deshalb durch das Verlassenwerden das Selbstwertgefühl bedrohter ist
  • weniger gewohnt sind, über ihre Gefühle zu sprechen bzw. mit ihren Gefühlen umzugehen - dass Männer meist keinen Freundeskreis haben, der sie unterstützt,
  • wenig Problemlösestrategien erlernt haben
  • in ihrem Leben eher in Sieger-Verlierer-Kategorien denken und sich nicht gerne als Verlierer sehen.

Männer stürzen sich nach einer Trennung häufig in Arbeit, in den Alkohol, wilden Aktionismus und suchen schneller wieder nach einer neuen Partnerin. Hilfreich wirkt es sich in der Trennungskrise aus, dass Männer meist einen Arbeitsplatz haben und finanziell abgesicherter sind, dass sie eine durch den Job vorgegebene Tagesstruktur haben, dass sich in ihrem Leben nicht so viel ändert wie bei den Frauen, die sich erst einen Job suchen müssen oder gar eine Ausbildung beginnen müssen, die die Kinderbetreuung alleine übernehmen müssen ...

Wie lange dauert es, bis wir wieder im seelischen Gleichgewicht sind?
Es ist immer schwierig, hier Zahlen zu nennen, denn jeder Betroffene benötigt seine individuelle Zeit, die abhängig ist von vielen unterschiedlichen Faktoren. Bis es zu einem neuen Gleichgewicht kommt, dauert es im Schnitt zwischen zwei und vier Jahren. Es gibt Betroffene, die niemals in Phase 4 ankommen, sondern in einer der vorherigen Phasen steckenbleiben.

Was sollten wir nach einer Trennung auf gar keinen Fall tun?
Wir werden nicht immer - auch wenn wir es vom Kopf her wissen - genau das tun, was uns gut tut. Wir sind Menschen, denken irrational und lassen uns manchmal nur von unseren Gefühlen leiten. In einem Satz gesagt: Es wäre gut, möglichst zu vermeiden, was uns langfristig körperlich und seelisch schadet und uns in Konflikte mit anderen bringt, beispielsweise

  • alles zu verdrängen und so zu tun, als ob nichts wäre
  • uns das Leben zu nehmen
  • uns in eine Sucht zu stürzen (Alkohol, Beruhigungsmittel, Fressen)
  • überstürzte Entscheidungen zu treffen wie etwa das Haus zu verkaufen, zu kündigen ...
  • uns ständig in Hassgedanken zu ergehen
  • Telefonterror beim Partner auszuüben
  • uns zu rächen und den Expartner beim Chef oder Finanzamt anzuschwärzen
  • uns ins Bett zurückzuziehen und den Alltag vollkommen brachliegen zu lassen
  • uns klein zu machen und immer wieder um einen Neunanfang beim Partner zu betteln
  • uns mit Schuldgefühlen zu zerfleischen
  • den Expartner bei Freunden schlecht zu machen
  • unsere Ernährung und den Körper zu vernachlässigen.

Wie können wir uns bei der Trennungsbewältigung helfen?
Da gibt es sehr viele Möglichkeiten; jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Hilfreich ist es z.B., wenn wir

  • unsere Gefühle ausdrücken
  • unsere Erwartungen an uns reduzieren
  • auf unsere Ernährung achten
  • auf ausreichend Schlaf achten
  • mit Freunden sprechen oder ein Tagebuch führen
  • unsere Wut in Bewegung ausdrücken
  • uns in Erinnerung rufen, welche Erfolge wir bisher im Leben hatten.

Können wir Liebe in Freundschaft wandeln?
Ja, das ist jedoch abhängig von der Persönlichkeit und den Bewältigungsstrategien der beiden Partner. Meiner Erfahrung nach kann die Freundschaft sich aber meist erst nach einer Zeit der Loslösung und Distanz  entwickeln. Nur äußerst selten kann man direkt von Liebe auf Freundschaft umschalten. Zumindest bei einem Partner wird dann meist wieder Hoffnung geweckt oder die Hoffnung bleibt bestehen. Freundschaft kann sich entwickeln, wenn beide Partner mit der Trennung einverstanden sind und sich ein neues Leben nach ihren Vorstellungen aufbauen können.

Gibt es auch etwas Positives bei einer Trennung?
Auf jeden Fall, doch das können wir erst nach der Krise erkennen und spüren:

  • Wir erleben tiefe Gefühle. Die Gefühle der Trauer, Wut und des Schmerzes können dazu führen, dass man sie künstlerisch ausdrückt (Musik, Gedichte, Bilder ...).
  • Wir ziehen Bilanz, erkennen besser, was uns im Leben wichtig ist.
  • Wir bekommen ein neues Selbstbewußtsein, werden unabhängiger von anderen Menschen.
  • Wir gewinnen neue Freunde.
  • Wir entwickeln neue Interessen, die der Partner nicht zuließ oder die man in der Partnerschaft nicht genutzt hat.
  • Wir entdecken uns selbst neu, evtl. auch neue sexuelle Vorlieben.
  • Wir entwickeln neue Lebensziele.
  • Wir lernen, alleine zu leben (werden erwachsen).
  • Wir befreien uns aus einer zum überwiegenden Teil negativen Partnerschaft.
  • Wir lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen.
  • Wir können alte Erfahrungen aus der Kindheit bearbeiten.
  • Wir lernen, auf unsere eigenen Bedürfnisse zu achten.
  • Wir lernen, auf die Bedürfnisse des anderen zu achten.

Ab wann raten Sie, sich therapeutische Unterstützung zu holen?
Letztendlich muss das jeder selbst entscheiden. Alarmsignale sind aber,

  • wenn man Selbstmordgedanken hat und auch genau überlegt, wie man sie umsetzen kann
  • wenn man seinen Alltagspflichten nicht mehr nachkommen kann
  • wenn man sich körperlich vernachlässigt (nicht mehr isst, die Hygiene vernachlässigt)
  • wenn man länger als vier Wochen zu Tabletten greift
  • wenn man täglich zu Alkohol greift
  • wenn man sich von Freunden abschottet.

An wen wende ich mich, wenn ich therapeutische Hilfe brauche?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann sich wenden

  • an eine Ehe- und Familienberatungsstelle
  • an die Pro Familia
  • an einen niedergelassenen psychologischen Psychotherapeuten (Adressen erhält man bei den Krankenkassen oder bei der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten, Riedsaumstr. 4, 67063 Ludwigshafen, Tel. 0621 637015)
  • an eine Trennungsbewältigungsgruppe (Adressen erhält man bei NAKOS, Albrecht-Achilles-Str. 65, 10709 Berlin, Tel. 030 8914019)

Ratgeber zur Bewältigung einer Trennung oder Scheidung

Doris Wolf
Wenn der Partner geht

ISBN 3-923614-74-8
184 Seiten, €12,80

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Kundenmeinungen

Letze KundenmeinungenKundenmeinungen zu Scheidung.de › mehr Kundenmeinungen
Hans Peter J.,

Arnsberg

, 16.05.2012

So unkompliziert hätte ich mir das nicht vorgestellt.
Klaus S.,

Lüdenscheid

, 14.05.2012

Vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Scheidung!
Jens H.,

Herford

, 11.05.2012

Das nenn ich mal schnell! Grüße aus Herford.

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