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Unterhaltsberechnung, wenn sich das Kind regelmäßig gleich bei beiden Elternteilen aufhält

Oft kommt es vor, dass sich das Kind sowohl bei dem einen als auch bei dem anderen Elternteil gleich oft aufhält und auch beide Elternteile annähernd gleich hohe Betreuungsleistungen wie z.B. Nahrung, Kleidung, Schulbedarf etc. erbringen. Nach der Rechtsprechung handelt es sich um das sogenannte Wechselmodell.

Das Wechselmodell

In diesem Fall besteht zunächst die Möglichkeit, dass sich die Eltern gegenseitig von der Zahlung des Kindesunterhaltes freistellen.

Wenn sie das nicht tun, wird der Kindesunterhalt für das minderjährige Kind wie bei einem volljährigen Kind berechnet, das noch bei den Eltern lebt.

Kindesunterhalt auf Grundlage des gesamten elterlichen Einkommens

Der Höhe des Kindesunterhalts wird nach dem zusammengerechneten Einkommen der Eltern berechnet. Danach wird eine anteilige Haftung beider Eltern für den Kindesunterhalt durchgeführt. Zu diesem Zweck wird vom Nettoeinkommen der Elternteile nach Abzug der Verbindlichkeiten bei jedem ein Selbstbehalt in Höhe von 1.300 Euro abgezogen. Der verbleibende Betrag wird nach der jeweiligen Höhe der Einkommen in Relation zueinander gesetzt.

Anrechnung nur bei Einigkeit

Wenn die Eltern vereinbart haben, dass sich das Kind zu 50% bei beiden Eltern aufhält, sollten die Eltern auch vereinbaren, die Kosten anteilig zu 50% zu tragen. In diesem Fall wird nicht jedes Keidungsstück aufgerechnet. Allerdings sind beide Eltern verpflichtet, das Kind einzukleiden, Hobbys und Spielsachen zu kaufen etc.

Praxisbeispiel

Jutta und Harald S. haben sich getrennt. Der gemeinsame 7-jährige Sohn Max wird an 3½ Tagen die Woche von Harald und seiner neuen Lebensgefährtin und an 3½ von Jutta betreut.

Harald S. verdient monatlich 1.800 Euro und Juttas S. 1.200 Euro netto, also zusammen 3.000 Euro netto.

Nach der Düsseldorfer Tabelle wäre bei diesem Betrag ein Kindesunterhalt in Höhe von 437 Euro zu zahlen. Dieser Betrag wird auf Jutta S. und Harald S. wie folgt aufgeteilt:

Bei beiden wird zunöchst ein Selbsterhalt von 1.300 Euro abgezogen.

Jutta S.1.350 Euro - 1.300 Euro= 0 Euro
Harald S.1.800 Euro - 1.300 Euro= 500 Euro

Zusammengerechnet ergibt sich ein Einsatzbetrag von 500 Euro. Die Eltern haften für den Kindesunterhalt in Höhe von 437 Euro im Verhältnis 0 zu 500:

Jutta S.0 Euro x 437 Euro
500 Euro
= 0 Euro
Harald S.500 Euro x 437 Euro
500 Euro
= 437 Euro

Nun kürzt jeder Elternteil seinen Unterhaltsbeitrag um die Hälfte, weil sich das Kind bei beiden gleich oft aufhält:

Jutta S.0 Euro
2
= 0 Euro
Harald S.437 Euro
2
= 218,50 Euro

Anschließend werden die Unterhaltsbeträge subtrahiert:

218,50 Euro - 0 Euro = 218,50 Euro

Harald muss also 218,50 Euro an Kindesunterhalt für Max an Jutta zahlen.

Expertentipp:

Diese Unterhaltsverrechnung gilt nur dann, wenn jeder Elternteil auch anteilig die Kosten des Lebensbedarfs des Kindes trägt.

Trägt einer der Eltern, bei dem sich das Kind gelegentlich aufhält nur die Kosten der Ernährung, während der andere Elternteil allein die Kosten der Kleidung, des Schulbedarfs, des Hobbys etc. trägt, kann der Unterhalt nur um einen geringeren Teil gekürzt werden.

Die Anrechnung der Kosten setzt immer voraus, dass sich die Eltern einig sind.

Um diese Einigung mit dem anderen Elternteil nachher beweisen zu können, sollte schriftlich festgehalten werden, wann sich — im Einverständnis beider Ehegatten - das gemeinsame Kind bei beiden Eltern an welchen Tagen aufhält und dass die Eltern auch die Kosten des Kindes anteilig tragen.

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