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Kinderfreibetrag

Kinderfreibetrag und Kindergeld sind prägende Merkmale der Familienförderung. Der Staat fördert Familien, indem er für jedes Kind entweder Kindergeld oder steuerliche Freibeträge für ein Kind gewährt. Eltern müssen sich allerdings entscheiden. Beide Förderleistungen gibt es nur alternativ, nicht zusätzlich. Die Entscheidung richtet sich danach, ob es günstiger ist, Kindergeld zu beziehen oder den Freibetrag geltend zu machen.

Das Wichtigste zum Thema Kinderfreibetrag und Kindergeld für Sie:

  • Wenn die Eltern oder ein Elternteil eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt einreichen, prüft das Finanzamt für das abgelaufene Kalenderjahr durch eine sogenannte Günstigerprüfung, ob es vorteilhafter ist, den Eltern das Kindergeld zu gewähren oder alternativ den steuerlichen Kinderfreibetrag zugute kommen lassen.
  • Je mehr die Eltern verdienen und je höher ihr Steuersatz ansteigt, desto geringer wird die Differenz zwischen dem Kindergeld und dem Steuervorteil durch die steuerlichen Kinderfreibeträge.
  • Ab welcher Einkommenshöhe der Steuervorteil durch die Kinderfreibeträge höher ist als das Kindergeld hängt von der Anzahl der Kinder, der Höhe des Kindergeldes für das einzelne Kind und der Höhe des persönlichen Steuersatzes der Eltern ab.
  • Für jedes leibliche und adoptierte Kind sowie für Pflegekinder gibt es die vollen Kinderfreibeträge. Die Eltern teilen sich diese Freibeträge (Halbteilungsprinzip).
  • Verheiratete Eltern haben gegenüber dem Kindergeld erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 64.000 EUR und alleinstehende Elternteile ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 34.000 EUR einen Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag.
  • Der Kinderfreibetrag besteht solange, wie der Anspruch auf Kindergeld besteht.

„Günstigerprüfung“: Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

§ 31 EStG bestimmt, dass im laufenden Kalenderjahr zunächst für alle Eltern das Kindergeld gezahlt wird. Erst dann, wenn die Eltern oder ein Elternteil die Einkommensteuererklärung beim Finanzamt einreichen, prüft das Finanzamt von sich aus für das abgelaufene Kalenderjahr, ob es günstiger ist, den Eltern das Kindergeld zu gewähren oder alternativ den steuerlichen Kinderfreibetrag zugute kommen zu lassen. Dieses Verfahren ist die sogenannte „Günstigerprüfung“.

Die Eltern haben also keine Wahlmöglichkeit zwischen Kindergeld oder Kinderfreibetrag und brauchen den Freibetrag auch nicht eigens zu beantragen. Eltern profitieren dann vom eben diesem, wenn sie eine gewisse Einkommenshöhe aufweisen, so dass es für sie günstiger ist, aus steuerlichen Gründen den Kinderfreibetrag in Anspruch zu nehmen.

Im Gegensatz zum direkt zur Auszahlung kommenden Kindergeld, ist der Freibetrag nur ein steuerlicher Freibetrag, der sich bei der Berechnung der Einkommensteuer steuermindernd auswirkt und die Steuerlast reduziert. Das Kindergeld ist daher als Vorauszahlung auf den Steuervorteil zu verstehen.

Wie hoch ist der Kinderfreibetrag?

Er beträgt für das Jahr:

  • 2014: 7.008 EUR
  • 2015: 7.152 EUR
  • 2016: 7.248 EUR

Er setzt sich für das Jahr 2015 zusammen aus…

  • 2.640 EUR (2016: 2.640 EUR) als Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf (Erziehungsfreibetrag)
  • 4.512 EUR (2016: 4.608 EUR) für das Existenzminimum des Kindes.

Wer hat Anspruch auf den Kinderfreibetrag?

Eltern können für jedes Kind den Kinderfreibetrag für den Monat beanspruchen, in dem das Kind geboren wird. Er besteht solange, wie der Anspruch auf Kindergeld besteht. Es gelten die gleichen Altersgrenzen.

Der Kindergeldanspruch und damit der Anspruch auf den Anspruch auf Kinderfreibetrag besteht...

  • bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes
  • bis zum 25. Lebensjahr, wenn sich das Kind noch in Ausbildung oder Studium befindet,
  • über das 25. Lebensjahr hinaus, wenn das Kind behindert ist und außerstande, sich selbst zu unterhalten.

Expertentipp:

Wird das Kind im Laufe des Kalenderjahres geboren, können die Eltern Kindergeld oder Kinderfreibetrag nur anteilig beanspruchen.

Beispiel:
Kommt das Kind im September zur Welt, besteht für vier Monate Anspruch.

Rechnung:
7.248 EUR Kinderfreibetrag (2016) / 12 Monate * 4 Monate = 2.416 EUR

Wie erfolgt die Günstigerprüfung?

  1. Die Eltern müssen eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt einreichen. Die Erklärung bietet sich unter anderem an, wenn zu erwarten ist, dass es aufgrund des hohen Einkommens günstiger erscheint, statt des Kindergeldes den Kinderfreibetrag in Anspruch zu nehmen (siehe dazu Beispielrechnungen unten).
  2. Das Finanzamt ermittelt die Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen.
  3. Das zu versteuernde Einkommen wird um den Freibetrag vermindert.
  4. Das zu versteuernde Einkommen und die sich daraus ergebende Einkommensteuer werden auf der Grundlage der neuen Bemessungsgrundlage erneut ermittelt.
  5. Ergibt sich bei beiden Berechnungen eine Differenz der Einkommensteuer, die die Höhe des Kindergeldes übersteigt, ergibt sich ein Steuervorteil.
    Die Grenzen, ab denen der Steuervorteil greift, sind:
    • Im Jahr 2015: 2.256 EUR (188 EUR Kindergeld x 12 Monate)
    • Im Jahr 2016: 2.280 Euro (190 EUR Kindergeld x 12 Monate)
    • 1.140 EUR bei getrennt lebenden Elternteilen (das Kindergeld wird nur zur Hälfte berücksichtigt)
    Dies bedeutet:
    • Liegt die steuerliche Entlastung durch den Kinderfreibetrag höher als das Kindergeld, ist es für die Eltern günstiger, den Freibetrag zu wählen.
    • Ist die steuerliche Entlastung niedriger als das Kindergeld, verbleibt es beim Kindergeld. Der Kinderfreibetrag bleibt unberücksichtigt, da er sich nicht zum Vorteil der Eltern auswirkt.
  6. Erweist sich der Kinderfreibetrag als günstiger, wird das bereist ausgezahlte Kindergeld auf den Steuervorteil aus dem Freibetrag angerechnet.
  7. Da vor Abgabe der Einkommensteuererklärung nicht unbedingt erkennbar ist, ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag sich als günstiger erweisen werden, ist es wichtig, dass die Eltern vorsorglich immer Kindergeld beantragen. Allerdings ist es unbeachtlich, ob die Eltern Kindergeld tatsächlich beantragt haben. Auch wenn es nicht beantragt wurde, wird zumindest der Freibetrag gewährt. Im ungünstigsten Fall kann sich dieser als niedriger erweisen als das nicht gezahlte Kindergeld.

Praxisbeispiel:

Ein Ehepaar bezieht für ihr Kind im Jahr 2015 2.256 EUR Kindergeld. Die Einkommensteuerveranlagung ergibt unter Berücksichtigung des Kinderfreibetrages eine Einkommensteuerentlastung von 1.500 EUR. Da der Betrag des Kindergeldes höher ist als die Steuerentlastung, ist es für das Ehepaar günstiger, das Kindergeld zu beziehen. Die Differenz von 756 EUR (2.256 EUR Kindergeld minus 1.500 EUR Steuerentlastung) verbleibt dem Ehepaar als freiwillige staatliche Leistung zur Familienförderung.

Ergäbe sich hingegen aufgrund der Einkommenshöhe eine Steuerentlastung beispielsweise von 2.500 EUR, wäre es günstiger, den Kinderfreibetrag in Anspruch zu nehmen. Das gezahlte Kindergeld wird dann angerechnet. Es ergäbe sich noch eine restliche Steuerentlastung von 244 EUR (nämlich 2.500 EUR Steuerentlastung minus 2.256 EUR Kindergeld). Die Rechenbeispiele unten verdeutlichen diese Rechenwege.

Wann genau ist der Kinderfreibetrag günstiger als das Kindergeld?

Je mehr die Eltern verdienen und je höher ihr Steuersatz ansteigt, desto geringer wird die Differenz zwischen dem Kindergeld und dem Steuervorteil durch die steuerlichen Kinderfreibeträge (siehe unten Rechenbeispiele). Statistisch ist es so, dass nur besser verdienende Eltern von den Kinderfreibeträge wirklich profitieren. Im Regelfall ergibt die Günstigerprüfung, dass das Kindergeld höher ist als die Steuerentlastung durch die Kinderfreibeträge.

Ab welcher Einkommenshöhe der Steuervorteil durch die Kinderfreibeträge höher ist das Kindergeld hängt ab von: ...

  • der Anzahl der Kinder
  • der Höhe des Kindergeldes für das einzelne Kind und
  • der Höhe des persönlichen Steuersatzes der Eltern.

Grob lässt sich sagen, dass der Freibetrag günstiger ausfällt als das Kindergeld bei einem zu versteuernden Einkommen von: ...

  • ca. 34.000 EUR bei Alleinstehenden
  • ca. 64.500 EUR bei Verheirateten

Expertentipp:

Der Kinderfreibetrag wird bei der laufenden Lohnzahlung nicht berücksichtigt. Er mindert also nicht die vom Arbeitgeber an den Fiskus abzuführende Lohnsteuer. Allerdings wird der Freibetrag für jedes Kind auf der Lohnsteuerkarte eingetragen. Daraus errechnet sich lediglich eine Minderung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlages.

Aufteilung der Kinderfreibeträge auf die Elternteile

Für jedes leibliche und adoptierte Kind sowie für Pflegekinder gibt es die vollen Kinderfreibeträge. Die Eltern teilen sich diese Freibeträge (Halbteilungsprinzip). Je nach familiärer Situation sind verschiedene Fallgestaltungen denkbar: ...

  • Sind die Eltern verheiratet und werden steuerlich gemeinsam veranlagt, erhalten sie für ihr gemeinsames Kind den vollen Freibetrag.
  • Werden die Eltern getrennt veranlagt, steht Vater und Mutter jeweils der halbe Freibetrag zu.
  • Sind die Eltern geschieden oder nicht miteinander verheiratet, erhält jeder Elternteil den halben Freibetrag. Nur für den Fall, dass ein Elternteil seine Unterhaltspflicht nicht erfüllt, kann der andere Elternteil verlangen, ihm den halben Freibetrag zu übertragen.
  • Ist ein Elternteil verwitwet, steht ihm ab dem Monat des Todes des anderen Elternteils der volle Freibetrag zu. Dies gilt auch dann, wenn die Eltern nicht verheiratet waren.
  • Ist der Wohnsitz eines Elternteils unbekannt oder ist der Vater des Kindes amtlich nicht feststellbar, steht dem anderen Elternteil der volle Freibetrag zu.
  • Lebt ein Elternteil im Ausland, kann der in Deutschland lebende Elternteil für die Zeit des Auslandsaufenthalts den vollen Freibetrag geltend machen.

Wann kommt die Übertragung des Kinderfreibetrages in Betracht?

Das Finanzamt prüft bei der getrennten steuerlichen Veranlagung für jeden Elternteil gesondert, ob der Kinderfreibetrag günstiger ist als das Kindergeld. Insoweit ist es möglich, dass der gut verdienende Vater den halben Freibetrag erhält, während die weniger verdienende Mutter das Kindergeld bezieht.

Leben die Eltern getrennt, fordert meist der betreuende Elternteil, dass ihm der volle Freibetrag übertragen wird. Voraussetzung für die Übertragung ist: ...

  • Der betreuende Elternteil erfüllt seine Unterhaltspflicht, in der Regel dadurch, dass er das Kind betreut. Dazu muss das Kind bei ihm einwohnerrechtlich mit Wohnsitz gemeldet sein.
  • Der barunterhaltspflichtige Elternteil erfüllt seine Unterhaltsverpflichtung zu weniger als 75 %.
  • Der betreuende Elternteil beantragt in der Einkommensteuererklärung in der Anlage „Kinder“, dass ihm der volle Kinderfreibetrag übertragen wird. Dazu muss er entsprechende Nachweise führen, beispielsweise ein Unterhaltsurteil beifügen und die Unterhaltszahlungen auflisten oder erklären, dass er keine Unterhaltsleistungen für das Kind erhalten hat.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, verbleibt es dabei, dass jeder Elternteil den halben Kinderfreibetrag erhält, unabhängig davon, wie hoch er durch das Kind tatsächlich belastet ist.

Rechenbeispiele nach dem Einkommensteuertarif 2016

Verheiratete Eltern mit einem Kind (Einkommensteuer nach Splittingtabelle)

Beispiel 1:

 ohne Freibetragmit Freibetrag
Zu versteuerndes Einkommen25.000 EUR25.000 EUR
Kinderfreibetrag-7.248 EUR
Bemessungsgrundglage25.000 EUR17.752 EUR
Einkommensteuer1.371 EUR63 EUR
Differenz Einkommensteuer 1.308 EUR

Mit dem Freibetrag werden die Eltern um 1.308 EUR steuerlich entlastet und zahlen nur 63 EUR Einkommensteuer.

Konsequenz:

Die Eltern profitieren, wenn sie statt des Kinderfreibetrages und einer damit verbundenen Steuerentlastung von 1.308 EUR das Kindergeld in Höhe von 2.280 EUR in Anspruch nehmen.

Beispiel 2:

 ohne Freibetragmit Freibetrag
Zu versteuerndes Einkommen50.000 EUR50.000 EUR
Kinderfreibetrag-7.248 EUR
Bemessungsgrundglage50.000 EUR142.752 EUR
Einkommensteuer8.350 EUR6.189 EUR
Differenz Einkommensteuer 2.161 EUR

Das Kindergeld ist um 119 EUR höher als der Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag (2.280 EUR/2.161 EUR)

Konsequenz:

Die Eltern profitieren, wenn sie das Kindergeld in Anspruch nehmen.

Beispiel 3:

 ohne Kinderfreibetragmit Kinderfreibetrag
Zu versteuerndes Einkommen75.000 EUR75.000 EUR
Kinderfreibetrag-7.248 EUR
Bemessungsgrundglage75.000 EUR67.752 EUR
Einkommensteuer16.762 EUR14.170 EUR
Differenz Einkommensteuer 2.592 EUR

Konsequenz:

Der Kinderfreibetrag liegt mit einer Steuerersparnis von 312 EUR über dem Kindergeld (2.280/2.592). Konsequenz: Die Eltern profitieren, wenn sie mit diesem Einkommensverhältnissen den Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen.

Expertentipp:

Die Thematik ist etwas komplex. Sie wird verständlich, wenn der Leser den strukturierten Aufbau konsequent nachverfolgt und sich an den Beispielen orientiert. Letztlich ist es so, dass das Finanzamt im Rahmen eines von den Eltern eingereichten Einkommensteuerantrages von Amts wegen aufgrund der „Günstigerprüfung“ ausrechnet, ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag günstiger ausfallen. Wer diese Prüfung nachvollziehen möchte, kann sich nach diesem Text orientieren.

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