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Scheidung als Zahnarzt: Was passiert mit der Zahnarztpraxis?

An eine Scheidung denkt ein Zahnarzt – wie die allermeisten – nicht, wenn er den Bund der Ehe eingeht. Bei einer Scheidungsquote von fast 50% in Großstädten stellt sich schon die Frage, warum das so ist. Die rechtlichen Folgen bei einer Scheidung für einen niedergelassenen Zahnarzt oder eine niedergelassene Zahnärztin sind auf jeden Fall schwer zu überschauen, vor allem, wenn kein Ehevertrag geschlossen worden ist. Die finanzielle Auseinandersetzung des Vermögens, vor allem der Zahnarztpraxis, kann dann existenzbedrohende Folgen nach sich ziehen.

In diesem Artikel werden die Konsequenzen zum Thema "Scheidung Zahnarzt" dargelegt. Danach zeigen wir Strategien auf, wie Sie sich als Zahnarzt vor der Zerschlagung Ihrer jahrelang aufgebauten Praxis schützen können.

Das Wichtigste für Sie als Zahnarzt:

  • Mit der Eheschließung gehen erhebliche rechtliche Veränderungen für einen Zahnarzt einher.
  • Wenn die Ehe scheitern sollte und kein Ehevertrag vorliegt, dann kann es zu langjährigen Auseinandersetzungen kommen.
  • Die meisten Auseinandersetzungen betreffen güterrechtliche Ausgleichsansprüche (v.a. den Zugewinnausgleich), den Unterhalt und die Auseinandersetzung von gemeinsamen Vermögenswerten.
  • Wenn Sie beide als Ehepartner gleichberechtigte Gesellschafter in einer Zahnarztpraxis sind, kann die Scheidung existenzbedrohende Auswirkungen haben.
  • Sollten Sie keinen Ehevertrag vor oder während Ihrer Ehezeit abgeschlossen haben, können Sie immer noch versuchen, eine sogenannte Scheidungsfolgenvereinbarung mit Ihrer Ex-Partnerin/Ihrem Ex-Partner abzuschließen.
  • Der sogenannte modifizierte Zugewinnausgleich schließt den Zugewinn aus, hat aber die positive erbschaftssteuerliche Wirkung, dass bei Tod des anderen Ehepartners der Zugewinnausgleichsanspruch regelmäßig weiter Bestand hat.
  • Eine außergerichtliche Einigung ist auch beim Thema "Scheidung Zahnarzt" immer einem langjährigen nerven- und geldverzehrenden Prozess vorzuziehen.

Der eheliche Güterstand

Der Güterstand regelt, wem das in die Ehe eingebrachte und während der Ehezeit erworbene Vermögen gehört. Es regelt auch, wer das Vermögen verwaltet und wer für etwaige Schulden aufkommen muss. Das Gesetz kennt drei verschiedene Arten des ehelichen Güterstandes:

Die Gütergemeinschaft

Eine Gütergemeinschaft ist sehr selten anzutreffen. Sie muss notariell durch einen Ehevertrag vereinbart werden. Bei der Gütergemeinschaft wird das gesamte Vermögen beider Ehepartner grundsätzlich gemeinschaftliches Eigentum. Das gilt für das Vermögen, das während der Ehe erworben wurde, aber auch für das Vermögen, das bereits vor der Ehe vorhanden war!

Die Ehepartner verwalten das gemeinsame Vermögen zusammen und haften gemeinsam für alle etwaigen Schulden. Die Folgen einer Scheidung beim ehelichen Güterstand der Gütergemeinschaft sind kompliziert. Als Zahnarzt können Sie ihre Zahnarztpraxis bereits am Beginn oder auch zu jedem späteren Zeitpunkt aus der Gütergemeinschaft herausnehmen.

Darüber hinaus gibt es noch den sogenannten Haftungsausschluss in folgenden Fällen:

  • Verpflichtungen aus unerlaubten Handlungen und den nachfolgenden Streitverfahren.
  • Hinsichtlich der Kosten eines Rechtstreits zwischen Ihnen als Ehepartner.

Die Gütertrennung

Wenn Sie Gütertrennung mit Ihrem Ehepartner vereinbart haben, dann ist das vor der Ehe und während der Ehezeit erworbene Vermögen vollständig getrennt. Bei einer Scheidung kommt es daher auch zu keinem Ausgleich. Jeder behält sein eigenes Vermögen. Die Gütertrennung können Sie nur durch einen Notarvertrag vereinbaren, da sie eine einschneidende Wirkung hat und sie unbedingt sich davor eingehend beraten lassen sollten.

Bei der Gütertrennung würde für Sie als Zahnarzt Ihre Zahnarztpraxis, beziehungsweise der Wert dieser, nicht durch die Scheidung berührt werden.

Der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft

Die ganz überwiegende Zahl der Ehepaare haben keine besonderen Regeln durch einen Ehevertrag vereinbart. Wenn das auch bei Ihnen zutrifft, dann leben Sie im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet, dass die jeweils eigenen Vermögen von Ihnen und Ihrem Ehepartner getrennt bleiben. Bei einer Scheidung würde dies bedeutet, dass Sie und Ihr Partner jeweils Eigentümer der jeweiligen Vermögen bleiben. Auch haften Sie nicht für die jeweiligen Schulden des anderen Ehepartners. Eine eventuelle gemeinsame Haftung für Schulden würde sich nur dann ergeben, wenn Sie beide auch für die aufgenommenen Verbindlichkeiten unterschrieben hätten.

Jedoch wird der in der Ehezeit generierte „Zugewinn“ ausgeglichen. Und das geht wie folgt: Das jeweilige Anfangsvermögen (bedeutet: das Vermögen zum Zeitpunkt der Eheschließung) wird mit dem Endvermögen (bedeutet: das Vermögen zum Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrages) verglichen. Schenkungen und Erbschaften während der Ehezeit werden zum Anfangsvermögen hinzugerechnet, denn diese wurden ja nicht selber erwirtschaftet. „Zugewinn“ ist dann nach § 1373 BGB der Betrag, um den das Endvermögen eines Ehegatten sein Anfangsvermögen übersteigt. Der Ausgleich geht dann so: Wenn Ihr Zugewinn als Zahnarzt höher ist als das Ihres Ehepartners, dann müssen Sie die Hälfte des Differenzbetrags ausgleichen.

Praxisbeispiel Scheidung Zahnarzt

Sie sind Zahnarzt und bringen als Ehemann beispielsweise 50.000 EUR mit in die Ehe. Ihre Ehefrau 20.000 EUR. Ihr Endvermögen beläuft sich auf 250.000 EUR und das Endvermögen Ihres Partners 50.000 EUR. Ihre Ehefrau erhielt während der Ehezeit eine Schenkung in Höhe von 10.000 EUR von ihren Eltern.

Der Zugewinnausgleich wird wie folgt berechnet:

Ehefrau:

Endvermögen - (Anfangsvermögen + Schenkung) = 20.000 EUR

Ehemann:

Endvermögen - Anfangsvermögen = 200.000 EUR

Ihr Zugewinn wäre somit um 180.000 EUR höher als der Ihrer Ehefrau. Sie müssen somit die Hälfte, also 90.000 EUR, als Zugewinnausgleich an Ihre Frau zahlen.

Beim Thema "Scheidung Zahnarzt" bedeutet das: je höher der während der Ehezeit erwirtschaftete Wert Ihrer Zahnarztpraxis ist, desto höher ist der Ausgleichsbetrag für den Zugewinn zu Gunsten Ihrer Frau, wenn Ihre Frau während der Ehezeit weniger Vermögen aufgebaut hat.

Bewertung der Zahnarztpraxis im Zugewinnausgleich

Die Bewertung einer Zahnarztpraxis ist keine exakte Wissenschaft. Bei einer Scheidung kann es zu einer Existenzbedrohung kommen.

Die Bewertung einer Zahnarztpraxis ist keine exakte Wissenschaft. Bei einer Scheidung kann es zu einer Existenzbedrohung kommen.

Wenn es um Unternehmen geht und somit beim Thema "Scheidung Zahnarzt" auch um Ihr Unternehmen Zahnarztpraxis, dann gibt es in der Realität häufig große Schwierigkeiten bei der Bewertung der einzelnen Vermögensgegenstände. Im Gesetz gibt es einige Sondervorschriften für die Berechnung des Vermögens. So gibt es beispielsweise eine Indexierung des Anfangsvermögens zur Berücksichtigung des veränderten Lebenshaltungskostenindexes. Auch gibt es Regelungen zu einem sogenannten privilegierten Vermögenserwerb: So können Erbschaften, obgleich sie während der Ehezeit übertragen worden sind, so behandelt werden, als wenn sie bei Eheschließung bereits vorhanden gewesen wären.

Wenn Sie Vermögen besitzen in Form von Immobilien oder Firmenbeteiligungen und natürlich auch in Form Ihrer Arztpraxis als Zahnmediziner, dann werden Sie wahrscheinlich auf einen Gutachter beim Thema "Scheidung Zahnarzt" nicht verzichten können/wollen. Jedoch ist damit eine erhebliche Rechtsunsicherheit verbunden, da die Sachverständigen verschiedener Meinung sein können und aus Erfahrung auch sein werden. Eine Bewertung ist keine exakte Wissenschaft, sondern es spielen viele Parameter eine Rolle, die mit in die Berechnung fließen.

Darüber hinaus gibt es häufig noch folgende Problematik: Wenn Ihnen neben Ihrer Zahnarztpraxis kein weiteres hohes Vermögen zur Verfügung steht, dann würde ein geforderter Zugewinnausgleich häufig zu einer Veräußerung Ihrer Praxis führen, und somit Ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage vernichten.

Praxisbeispiel: „existenzbedrohender Zugewinnausgleich“

Ein 28-jähriger Zahnarzt macht sich mit einer eignen Zahnarztpraxis selbständig und nimmt dafür einen Kredit in Höhe von 75.000 EUR auf. Er lernt seine zukünftige Ehefrau kennen, beide heiraten, und sie bekommen 2 Kinder. An einen Ehevertrag hat der Zahnarzt nicht gedacht oder es ist ihm ausgeredet worden: „Das ist so unromantisch, dann liebst Du mich nicht wirklich“, oder Ähnliches. Die Ehefrau bringt aus einem Bausparvertrag 30.000 EUR mit in die Ehe.

Die Praxis floriert, er kann nicht nur die Kredite zurückbezahlen, sondern nach 15 Jahren harter Arbeit hat die Zahnarztpraxis einen berechneten Wert von 350.000 EUR. Es kommt wie es kommen musste. Der Mann war kaum noch zu Hause, die Ehefrau hat einen charmanten, mehr Zeit habenden Rechtsanwalt kennen- und lieben gelernt. Gut für Sie, dass er auch noch Fachanwalt für Familienrecht ist. In der Ehezeit haben beide noch zusammen 150.000 EUR angespart.

Die Krise ist da, mehrere Eheberatungen helfen auch nicht mehr. Sie will mit Ihrem neuen Partner zusammenwohnen und –leben und reicht nach 12 Monaten Trennungszeit am Anfang des Jahres die Scheidung ein.

Neben der extremen psychologischen Belastung, die eine solche Situation mit sich bringt, schwant dem mittlerweile 39-jährigen Zahnarzt, dass seine ganze Schufterei in den vergangenen 11 Jahren wohl für ihn umsonst gewesen ist. Was wird passieren? Zuerst wird nach dem oben beschriebenen Schema im Praxisbeispiel „Zugewinnausgleich“ wie folgt vorgegangen:

Ehefrau

Endvermögen - Anfangsvermögen = Zugewinnausgleich

75.000 EUR - 30.000 EUR = 45.000 EUR

Endvermögen - Anfangsvermögen = Zugewinnausgleich

350.000 EUR + 75.000 EUR - (-75.000 EUR) = 500.000 EUR

Die Ehefrau könnte nun die Hälfte der Differenz von 500.000 EUR (-45.000 EUR) verlangen, somit EUR 227.500 EUR.

Expertentipp:

Dieser Betrag ist bei Rechtskraft der Scheidung sofort fällig. Gibt es einen Vollstreckungsschutz für den Zahnarzt? Nein.

Wenn Sie nicht über andere entsprechende liquide Mittel verfügen, hätten Sie jetzt zwei Möglichkeiten. Sie veräußern Ihre Zahnarztpraxis zum bestmöglichen Preis oder Sie nehmen erneut einen hohen Kredit auf, damit Sie Ihre Ehefrau ausbezahlen können. Spätestens an diesem Zeitpunkt ist Ihnen klar, dass es ums Ganze geht, um Ihre Existenz. Hinzu kommt noch die große Belastung, die der Rechtstreit mit den andauernden gerichtlichen Auseinandersetzungen auch um Unterhalt und Kinder mit sich bringt.

Sie haben sich entschieden. Sie verkaufen Ihre Praxis, denn Sie wollen nicht wieder 10 Jahre für die Schulden arbeiten. Nein, doch nicht; Sie lieben Ihre Arbeit und die Praxis, Sie wollen sich noch einmal durchbeißen.

Der Liquidationswert

Beim Liquidationswert wird als unterste Grenze bei der Veräußerung der Zahnarztpraxis der so genannte Liquidationswert angesetzt, das bedeutet, der Verkaufswert sämtlicher Vermögensteile. Diese Berechnungsgrundlage wird aber nur dann angesetzt, wenn Sie Ihre Praxis wirklich verkaufen.

Der Verkehrswert

Der Verkehrswert ist der Preis, den ein Dritter bereit wäre, für Ihre Zahnarztpraxis zu bezahlen und wird über den Substanzwert und den Ertragswert vom Sachverständigen berechnet.

  • Der Substanzwert ist der Verkehrswert aller selbständig veräußerbaren Gegenstände, Forderungen und Rechte und zwar mit deren Wiederbeschaffungswert, abzüglich der Verbindlichkeiten.
  • Der Ertragswert ist die kapitalisierte zukünftige Ertragsfähigkeit der Praxis.

Und jetzt kommt es: In der Regel werden beide Werte kombiniert und anschließend je nach Einzelfall in der Praxis Zuschläge und Abschläge vorgenommen. In der Bewertungspraxis wird jedoch der Substanzwert ermittelt und um den sogenannten immateriellen Wert („Good will“) erhöht. Der „Good will“ ist natürlich keine feste Größe und setzt sich je nach Einzelfall zusammen aus dem Patientenstamm, der Dauer des Bestehens der Praxis, Laufzeit des Mietvertrags und/oder des Standortes. Hier sind Tor und Tür geöffnet für weit divergierende Bewertungen von verschiedenen Sachverständigen.

Höchstrichterlich wurde in 2012 entschieden, dass die sogenannte modifizierte Ertragswertmethode bei der Bewertung von Zahnarztpraxen herangezogen werden soll. Gemäß der modifizierten Ertragswertmethode wird ermittelt, welche zukünftigen Überschüsse unter Aufrechterhaltung der Substanz der Zahnarztpraxis erwirtschaftet werden können.

Die modifizierte Ertragswertmethode

Auch bei dieser Methode geht es nicht nur um die einfache Bewertung der Instrumente, der Möbel und der Geräte der Praxis. Es geht auch hier und auch beim Thema "Scheidung Zahnarzt" um den „Goodwill“, wobei auf die Verhältnisse in der Vergangenheit abgestellt wird. Jedoch werden hier bereits zu erkennende Veränderungen in der Zukunft mit in die Berechnung einbezogen. Es wird auf einen 3-Jahres-Durchschnitt der Roherträge (i.e. Umsatz minus Kosten) abgestellt, was bedeutet, dass die Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre als Grundlage herangezogen werden. Desweiteren wird eine nicht gewünschte Doppelbelastung des Zahnarztes vermieden, indem die Einkünfte aus der Praxis für den Lebensunterhalt seiner Familie und sich selbst mit in die Berechnung einfließen. Warum ist das so? Weil Sie neben dem zu bezahlenden Zugewinnausgleich auch noch den Unterhalt für Unterhaltsberechtigte zu begleichen haben.

Nach gefestigter Rechtsprechung ist daher der sogenannte „individuelle Unternehmerlohn“ zur Wertbereinigung heranzuziehen. Damit werden die individuellen Verhältnisse im konkreten Bewertungsfall berücksichtigt und nicht nur eine pauschale Betrachtung der Verhältnisse. Es wird darauf abgestellt, dass ein potentieller Erwerber Ihrer Praxis den auch mit Ihrem Einsatz und Ihrem Arbeitsstil gebildeten Patientenstamm übernimmt.

Abzug von Veräußerungskosten

Wenn Ihre Praxis veräußert wird, dann kommt das Finanzamt und wird Steuern auf den Veräußerungserlös festsetzen. Im Zugewinnverfahren sollte somit der Abzug dieser Veräußerungskosten durch die Auflösung stiller Reserven nicht vergessen werden. Diese sogenannte „latente Steuerlast auf den Veräußerungserlös“ wird berechnet und zur Wertermittlung für die Bewertung Ihrer Zahnarztpraxis als Abzugsposition berücksichtigt.

Fragen Sie Ihren Steuerberater, ob eine Einkommensteuer als Ertragssteuer auf den individuellen Unternehmerlohn zusätzlich zur Veräußerungssteuer zu berücksichtigen ist.

Scheidung Zahnarzt Strategie Nr. 1: Ehevertrag

Viele Menschen treffen zwar Vorsorge für Krankheit und das Alter, indem sie private Altersvorsorge betreiben und Krankenzusatzversicherungen abschließen. Über die Folgen einer Eheschließung und den möglichen Konsequenzen in der Zukunft machen sich allerdings nur die wenigsten Eheleute Gedanken.

Mit einem notariellen Ehevertrag lässt es sich ruhiger schlafen. Sie können beide zusammen frei bestimmen, welche Regelungen sie treffen möchten. Suchen Sie sich einen Notar aus, der Ihnen passt, mit dem Sie klarkommen. Ansonsten wechseln Sie, bis Sie den richtigen gefunden haben.

Sie können als erstes Gütertrennung vereinbaren und dadurch den Zugewinnausgleich komplett ausschließen! Auf jeden Fall sollten Sie eine ehevertragliche Regelung treffen, die Ihre Zahnarztpraxis, beziehungsweise den Vermögenswert der Praxis, aus dem existenzbedrohlichen Thema Zugewinn entfernt. Das ist rechtlich zulässig und wenn Sie wollen, können Sie auch eine wie auch immer geartete „Entschädigung“ als Ausgleich für Ihre Ehefrau mit in den Vertrag einfließen lassen.

Mit einer solchen Klausel können Sie die kommenden Jahre ohne Damoklesschwert für den Erfolg Ihrer Zahnarztpraxis arbeiten – vor allem wenn es mal wieder in der Ehe kriseln sollte.

Ein Notar ist nicht parteiisch wie ein Anwalt. Er muss und wird Sie als Zahnarzt darüber belehren, dass die Gestaltung des Ehevertrags interessengerecht zu geschehen hat. Dennoch wird der Zugewinn hinsichtlich Ihrer Praxis nicht durchgeführt werden im Falle einer Scheidung. Das gilt jedoch nicht für alle anderen Vermögensgegenstände, wie Lebensversicherungen, Bankkonten, Autos, die Sie privat nutzen und natürlich Ihr Familienhaus etc. Hier besteht auf Seiten Ihrer Frau ein Zugewinnausgleichsanspruch.

Die Tatsache, dass auf die Zahnarztpraxis bezogene Unternehmensgegenstände sowie dort entstandene Verbindlichkeiten nicht in den Zugewinn fallen, bedeutet im Umkehrschluss, dass auch Schulden der Praxis das Privatvermögen nicht vermindern. Gewinnverwendungen für private Vermögensbildung unterliegen dem Zugewinn.

Der Notar wird Sie darauf aufmerksam machen, dass zum Schutz des Ehepartners Regelungen getroffen werden sollten, die eine Umverteilung Ihres Privatvermögens in zahnärztliches Betriebsvermögen verhindern.

Bei dem Thema "Scheidung Zahnarzt" sollten Sie unbedingt die Herausnahme des Praxiswertes aus dem Zugewinnausgleich nur für den Fall der Beendigung der Ehe durch Scheidung regeln lassen. Sollten Sie sich früher als Ihre Ehefrau aus diesem Leben verabschieden, dann sollte Ihre Praxis zum Zugewinn gehören, schon aus steuerlichen Gründen. Der Zugewinn des verstorbenen Ehegatten ist nämlich für den überlebenden Ehegatten nicht erbschaftssteuerpflichtig.

In unserem Beispiel würde das bedeuten, dass, wenn der nunmehr 39 jährige Zahnarzt mit 38 verstorben wäre, der (fiktive) Zugewinn in Höhe von 227.500 EUR kein der Erbschaftssteuerpflicht unterliegender Erwerb seiner Frau wäre, sondern für sie erbschaftssteuerfrei.

Darüber hinaus bietet es sich an, auch den nachehelichen Unterhalt im Ehevertrag mit zu regeln. Hier geht es nicht nur um die Höhe des Unterhalts, sondern vor allem um die Dauer. Jedoch hat die Rechtsprechung bei der Gestaltung solcher Klauseln Grenzen gesetzt. Ein Ehevertrag bedarf immer der vorherigen Beratung durch einen Anwalt oder durch einen Notar. Hinsichtlich der steuerlichen Folgen werden die allermeisten Notare Ihnen sagen, dass Sie bitte Ihren Steuerberater konsultieren sollen. Das sollten Sie unbedingt tun, denn etwaige Fehler im steuerlichen Bereich können genauso schnell die Existenz gefährden, wie die Nichtregelung des Zugewinns.

Scheidung Zahnarzt Strategie Nr. 2: Modifizierte Zugewinngemeinschaft

Diese oben beschriebene Regelung im Ehevertrag wird „modifizierte Zugewinngemeinschaft“ genannt. Durch die Modifikation tragen Sie beim Thema "Scheidung Zahnarzt" das Risiko Ihres Unternehmens Zahnarztpraxis allein und der Zugewinn findet „nur“ noch aus dem sonstigen Privatvermögen statt. Sie benötigen keine Gutachter und Sachverständige für die hinfällige Bewertung Ihrer Praxis mehr. Die Existenzgefahr im Falle einer Trennung und Scheidung ist gebannt.

Bitte beachten Sie aber, dass der Ehevertrag ausgewogen sein muss und nicht zu einer einseitigen Übervorteilung führen darf. Wenn Sie also noch andere Punkte regeln möchten, wie den nachehelichen Unterhalt oder den Versorgungsausgleich, dann sollten Sie und Ihr Notar darauf achten, dass der Ehevertrag später vor Gericht nicht als Ganzes als sittenwidrig eingestuft werden wird.

Scheidung Zahnarzt Strategie Nr. 3: Außergerichtliche Einigung

Eine außergerichtliche Einigung ist immer erstrebenswert, auch beim Thema "Scheidung Zahnarzt". Wem nützen schon lange Prozesse und Streitereien, gerade bei einer Trennung und Scheidung? Bestimmt nicht Ihnen und Ihrem Noch-Ehepartner. Die Anwälte verdienen, weil sie sich um jedes Hemd streiten.

Nicht immer muss der Streit um den Zugewinn vor Gericht ausgetragen werden. Irgendwann wird ein Sachverständiger einen Wert der Zahnarztpraxis ermittelt haben, egal ob gerichtlich oder außergerichtlich. Dieser Wert wird dann in die Bilanz der Zugewinnberechnung eingestellt.

Streitigkeiten können auch beim Thema "Scheidung Zahnarzt" durch professionelle Hilfe in Form eines Mediators in die richtige Richtung gelenkt werden. Das spart Nerven und viel Geld und erhöht die Lebensqualität.

Dr. Christopher Prüfer

Scheidungsexperte, internationaler Jurist
und Gründer von Scheidung.de

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