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Trennungsjahr während Corona-Krise

 
 

Trennen Sie sich vom Ehepartner, können Sie erst nach Ablauf des Trennungsjahres die Scheidung beantragen. Während der Corona-Krise kann das Trennungsjahr eine besondere Herausforderung darstellen. Jetzt ist strategisches Denken und Handeln angesagt.

Wie läuft das Trennungsjahr im Normalfall ab?

Im Normalfall vollziehen Sie die Trennung vom Ehepartner, indem Sie beide die eheliche Wohnung aufgeben oder zumindest ein Ehepartner aus der ehelichen Wohnung auszieht. Sie vollziehen damit die Trennung „von Tisch und Bett“. Es ist dann offensichtlich, dass Sie sich getrennt haben. Ziehen Sie in eine andere Wohnung, sollte es im Normalfall zu bewerkstelligen sein, eine neue Wohnung anzumieten oder vielleicht bei den Eltern einzuziehen. Während der Corona-Krise wird der Normalfall zum Ausnahmefall.

Auf jeden Fall ist das Trennungsjahr Voraussetzung dafür, dass Sie den Scheidungsantrag beim Familiengericht einreichen können. Vor Ablauf des Trennungsjahres würde das Gericht Ihren Scheidungsantrag gebührenpflichtig als unzulässig zurückweisen müssen.

Wie verläuft das Trennungsjahr während der Corona-Krise?

Auch in der Corona-Krise lassen sich Trennungen nicht vermeiden. Allerdings bringt die Corona-Krise Kontaktverbote und in einigen Bundesländern noch strengere Ausgangsbeschränkungen mit sich. Sie müssen den Kontakt zu anderen Personen meiden oder dürfen nur noch aus triftigem Grund Ihre Wohnung verlassen. Schließlich geben Sie dadurch Ihre häusliche Isolation auf und riskieren den Kontakt mit anderen Personen. Zwangsläufig erhöhen Sie das Infektionspotential. Genau diese Situation will der Gesetzgeber vermeiden.

Hat Sie die Gesundheitsbehörde unter Quarantäne gestellt, dürfen Sie Ihre Wohnung ohnehin nicht verlassen. Sie müssen wohl oder übel ausharren und für den Zeitraum der Quarantäne auf einen Umzug verzichten. Stehen Sie selbst unter Quarantäne, stehen auch Ihr Ehepartner und Ihre Kinder unter Quarantäne. Damit scheitert normalerweise auch Ihre Trennung.

Darf ich derzeit überhaupt umziehen?

Ansonsten ist kein grundsätzliches Verbot ersichtlich, innerhalb des Bundesgebiets umzuziehen. Ein Umzug ins Ausland könnte allerdings schwierig werden, da viele Staaten für einreisende ausländische Staatsangehörige Einreisebeschränkungen bestimmt haben. Sofern Sie die Staatsangehörigkeit des Ziellandes haben, müssen Sie möglicherweise eine Zeit lang in Quarantäne leben, so dass auch ein Umzug dorthin derzeit kaum zu bewerkstelligen sein dürfte.

Kann ich mir beim Umzug helfen lassen?

Umzugsunternehmen bieten nach wie vor ihre Dienste an. Das Kontaktverbot besteht nämlich nicht, wenn es sich um beruflich veranlasste Arbeiten handelt. Die Hygienemaßnahmen wurden auch hier hochgefahren.

Sind Sie auf private Hilfe angewiesen, gibt es derzeit in Deutschland keine einheitlichen Regelungen. Außerhalb Ihrer Wohnung dürfen Sie jedenfalls nur mit einer einzigen weiteren Person in Kontakt treten. Ansonsten sind Sie auf Angehörige Ihres Hausstandes angewiesen.

Soweit ersichtlich, erlaubt beispielsweise Nordrhein-Westfalen, dass auch Verwandte in gerader Linie (Elternteile, auswärts lebende Kinder) sowie Ehepartner oder Lebenspartner beim Umzug helfen dürfen. Auch in Baden-Württemberg ergeben sich nach Angaben des Ministeriums für Soziales und Integration keine Einschränkungen. In Berlin hat die Polizei verlautbaren lassen, dass einem Umzug durch ein Unternehmen, das die Hygiene-Standards einhält, nichts entgegensteht. Auch ein privater Umzug mit Helfern aus dem häuslichen Umfeld, also Angehörigen des eigenen Hausstands, nicht aber Nachbarn und Freunde, sei erlaubt (Quelle: Twitter Berlin Polizei Einsatz). Im Zweifel fragen Sie bei Ihrem zuständigen Ordnungsamt nach, welche Regelungen in Ihrem Ort bestehen.

Rechtliche Informationen zum Coronavirus

Wie kommen Sie an eine neue Wohnung?

Möchten Sie Ihre eheliche Wohnung aufgeben und ausziehen, brauchen Sie eine neue Wohnung. Genau daran könnte derzeit ein Umzug aber scheitern. Sind Sie darauf angewiesen, dass Sie die Dienste eines Immobilienmaklers in Anspruch nehmen wollen, können Sie den Makler während der Corona-Krise allenfalls per E-Mail oder telefonisch erreichen. Sie werden aber Wohnungen derzeit nicht besichtigen können. Auch der Makler unterliegt dem Kontaktverbot und muss zudem seine Geschäftsräume für den Publikumsverkehr geschlossen halten. Auch der Vermieter darf Sie derzeit nicht persönlich empfangen. Sie müssten eine Wohnung also blind anmieten oder sich ohne Makler auf die Wohnungssuche machen und dabei den weitgehend unerlaubten Kontakt mit einem Vermieter riskieren.

Können Sie sich die Trennung und eine neue Wohnung finanziell leisten?

Ziehen Sie infolge Ihrer Trennung vom Ehepartner weg, müssen Sie bereits klare Vorstellungen haben, wie Sie sich finanzieren. Theoretisch haben Sie ab dem Zeitpunkt der Trennung Anspruch auf Kindesunterhalt für Ihr gemeinsames Kind und, soweit Sie wirtschaftlich bedürftig sind, Anspruch auf Trennungsunterhalt. Ob der finanziell leistungsfähige Ehepartner aber sofort und freiwillig Unterhalt zahlt, steht auf einem anderen Blatt.

Möglicherweise sind Sie auf öffentliche Leistungen angewiesen. Da persönliche Vorsprachen bei den Behörden derzeit, wenn überhaupt, dann nur eingeschränkt möglich sind, könnten Sie tatsächlich Schwierigkeiten haben, öffentliche Leistungen zu beantragen. Sofern Sie sich um einen Arbeitsplatz bemühen, müssen Sie berücksichtigen, dass viele Unternehmen derzeit in Kurzarbeit arbeiten oder den Betrieb komplett stillgelegt haben. Sie werden also Schwierigkeiten haben, einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden. Allenfalls in systemrelevanten Berufen hätten Sie Chancen.

Tipp 1: Versuchen Sie die Trennung innerhalb der ehelichen Wohnung

Auch wenn der Wunsch aus der ehelichen Wohnung auszuziehen noch so groß ist, sollten Sie alternative Lösungen versuchen. Alternativ könnten Sie die Trennung auch dadurch vollziehen, dass Sie sich innerhalb Ihrer ehelichen Wohnung trennen. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihre Wohnung groß genug ist und genügend Räumlichkeiten aufweist, dass jeder Ehepartner wenigstens einen Raum eigenständig für sich nutzen kann. Lediglich, soweit es um Gemeinschaftsräume wie Küche, Bad und Hausflur geht, kommt die gemeinsame Nutzung in gegenseitiger Absprache in Betracht. Es schadet der Trennung nicht, wenn Sie sich dabei über den Weg laufen, auch wenn es schwierig sein kann, sich nicht vollständig aus dem Weg gehen zu können.

Tipp 2: Riskieren Sie einen Versöhnungsversuch

Sie könnten Ihre ins Auge gefasste Trennung auch als Chance verstehen, einen Versöhnungsversuch zu starten. Vielleicht ist die Corona-Krise insoweit der Weg, auf dem Sie oder umgekehrt Ihr Ehepartner zurück in die Ehe findet. Vielleicht entdecken Sie, dass Sie doch noch mehr Gemeinsamkeiten haben, als es scheint.

Selbst wenn Sie die Trennung vollzogen haben und aus Ihrer ehelichen Wohnung ausgezogen sind oder innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben, ändert ein Versöhnungsversuch nichts daran, dass Sie sich getrennt haben und das Trennungsjahr läuft. Versöhnungsversuche sollten allerdings nach etwa sechs Wochen Klarheit schaffen. Haben Sie sich versöhnt, ist es gut. Scheitert Ihr Versöhnungsversuch aber beispielsweise erst nach zehn Wochen, ist das Trennungsjahr tatsächlich unterbrochen. Sie müssten das Trennungsjahr dann neu starten.

Alles im allem

Ihre Trennung ist wahrscheinlich schon Krise genug. Die Corona-Krise macht vieles noch schwieriger, könnte aber auch eine Chance darstellen, Ihre Beziehung neu zu beleben. Sollte die Trennung unumgänglich sein, ist es Ihre organisatorische Herausforderung, das Trennungsjahr in die Wege zu leiten.

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