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Wie können Beratungs- und Prozesskosten steuerlich geltend gemacht werden?

Alte Regelung bis 2013

Wichtiger Hinweis für Sie: Steuerberater empfehlen, weiterhin in der Steuererklärung für 2013 die unten dargestellten Scheidungskosten geltend zu machen! Besprechen Sie dies mit Ihrem Steuerberater; er wird gegebenenfalls Einspruch einlegen, falls das Finanzamt Ihnen die Belastungen herausstreichen sollte.

Außergewöhnliche Belastungen

Rechtsanwalts- und Gerichtskosten können nach der Scheidung als außergewöhnliche Belastung bei der Steuererklärung angegeben werden. Hierzu gehören sämtliche Kosten zur Klärung und Regelung des Sorgerechts für die gemeinsamen Kinder, die Kosten für die Festsetzung der elterlichen Unterhaltspflichten und den vereinbarten Versorgungsausgleich.

Weitere absetzbare Kosten

Daneben lassen sich alle Kosten für die Aufteilung des ehemals gemeinschaftlichen Vermögens und Hausrats sowie die Klärung sämtlicher Rechtsverhältnisse im Zusammenhang mit der gemeinsamen Wohnung (Mietverträge, Grundbucheintragungen usw.) und sämtliche Gerichtskosten steuerlich absetzen.

Nicht absetzbare Kosten

Nicht absetzbar sind dagegen Umzugskosten, Zinsaufwendungen, Kosten für den Zugewinnausgleich oder Kosten im Zusammenhang mit Veränderungen der Konten und Depots bei Banken.

Je nach Gesamtbetrag der Einkünfte des Steuerpflichtigen und der Kinderzahl wird vom Einkommen eine zumutbare Belastung zwischen einem und sieben Prozent abgezogen.

Praxisbeispiel:

Ralf Friedrich hat Einkünfte in Höhe von 75.000 € und Scheidungskosten von 10.000 €.

Die zumutbare Eigenbelastung bei zwei Kindern beträgt 4% vom Einkommen. Bei einem Einkommen von 75.000 € sind dieses 3.000 €. Alles, was an Kosten über diesen Betrag hinausgeht, mindert die Einkommenssteuer. Im vorliegenden Fall können 7.000 € als außergewöhnliche Belastung abgezogen werden.

Bei Steuerberatungskosten bis zu 520 € kann gewählt werden, ob die Kosten als Werbungskosten oder als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Expertentipp:

Es ist vorteilhafter, die Steuerberatungskosten als Sonderausgaben geltend zu machen. Wird die Pauschale bei den Werbungskosten nicht überschritten, würden diese Kosten sonst verloren gehen.

Neue Regelung ab 2013

Scheidungskosten sind nur noch in existenzbedrohlichen Fällen absetzbar

Die Scheidungskosten sollen grundsätzlich nicht mehr steuerlich absetzbar sein. Private Rechtsstreitigkeiten sollen nicht mehr steuerlich berücksichtigt werden können. Darunter fallen auch die Anwaltshonorare und die Gerichtskosten, die nicht mehr in den Formularen der Finanzbehörden als außergewöhnliche Belastung eingetragen werden können.

Als außergewöhnliche Belastung sollen die Finanzbehörden nur noch Prozesskosten anerkennen, wenn durch den Rechtsstreit die Existenz des Steuerzahlers betroffen wäre. Was darunter fallen soll, ist nicht klargestellt. So könnten zum Beispiel Streitigkeiten hinsichtlich des Umgangsrechts zwischen Eltern und Kindern darunter fallen, oder auch Vaterschafts-Prozesse.

Situation ist nicht eindeutig – Musterprozesse laufen

Da die Situation nicht eindeutig ist, wird schon bald mit den ersten Musterprozessen gerechnet.

Was ist zu tun? Geschiedenen sollten auch weiterhin die unmittelbaren Anwaltskosten und Gerichtsgebühren als außergewöhnliche Belastung in ihren Steuererklärungen für das Jahr 2013 angeben. Sollte das Finanzamt den Posten einfach wegstreichen, kann der Steuerzahler Einspruch dagegen einlegen. Es empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Steuerberater.

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