Auseinandergelebt – und Jetzt?

 
 

„Wir haben uns auseinandergelebt!“ Diese bittere Feststellung gehört zu den häufigsten Begründungen für das Ende einer Ehe oder Beziehung. Doch wie kann es sein, dass sich etwas auseinanderlebt, das sich vorher so intensiv aufeinander zu gelebt hat? Meistens handelt es sich dabei um einen langsamen und schleichenden Vorgang. Eine Art innere und heimliche Trennung, die sich fast unbemerkt nebenher vollzieht, während der Alltag so vor sich hin dümpelt. Gerade bei länger dauernden Partnerschaften oder bei solchen, die schon in jungen Jahren geschlossen wurden, wächst das Risiko, dass man sich irgendwann auseinanderentwickelt. Dabei gibt es verschiedene Gründe für den inneren Bruch mit jeweils ganz eigenen Problemen – und Lösungsmöglichkeiten. Wir stellen an dieser Stelle die drei wichtigsten vor.

1. Schweigen

Am Anfang einer Partnerschaft redet man noch sehr viel Miteinander. Immerhin möchte man seinen Partner ja kennenlernen und ihm sein Herz öffnen. Mit der Zeit kann es aber passieren, dass Gespräche seltener werden. Entweder hat man sich bereits alles Wichtige gesagt, oder man traut sich bestimmte Themen nicht mehr anzusprechen, weil man Angst vor den Antworten hat oder Konflikte vermeiden will. Das Ergebnis: Sorgen und irgendwann auch Träume werden nicht mehr miteinander geteilt und man redet höchstens noch über Alltägliches. Streit hat man entweder viel zu viel oder gar nicht mehr, was beides nicht unbedingt gesund ist. Man fragt den anderen nicht mehr um Rat und wird immer verschlossener. Auf beiden Seiten macht sich mehr und mehr ein Gefühl von Vernachlässigung und innerer Einsamkeit breit.

Lösung:

Die Lösung liegt im Grunde auf der Hand: Kommunikation. Es gilt, endlich das Schweigen zu brechen und zur alten Beredsamkeit zurückzufinden. Dazu gehört auch, wieder zuhören zu lernen und den Worten des Partners Aufmerksamkeit zu schenken.  Auch sollte man nicht nur über den Abwasch und den Einkauf, sondern auch wieder über Wünsche und Ängste reden können. Immerhin sollte gerade der Partner der richtige Gesprächspartner für diese Themen sein.

2. Interessen / Zukunftsplanung

Noch etwas ist in der Anfangsphase einer Beziehung anders. In dieser Zeit besteht nämlich die Welt in erster Linie aus dem Partner. Alles andere wird zwar auch beachtet und wahrgenommen, aber er steht eindeutig im Mittelpunkt. Doch irgendwann werden andere Dinge wieder wichtiger und der Beruf, die Freunde oder ein leidenschaftlich betriebenes Hobby können einen noch wichtigeren Platz im Herzen bekommen. Das gleiche Risiko geht von Kindern aus, die fast zwangsläufig Aufmerksamkeit vom Partner abziehen. Doch schon allein unterschiedliche – womöglich gegensätzliche – Interessen, Ziele (Familienplanung, Beruf, etc.) oder Weltanschauungen können zur Entfremdung und sogar zum Streit führen.

Lösung:

Wer wieder zueinanderfinden will, muss wieder mehr Zeit miteinander verbringen. Gemeinsame Ziele im privaten (Tanzkurs, Vereine, etc.) oder beruflichen Bereich (z.B. gemeinsame Selbstständigkeit) können außerdem dabei helfen ein Paar wieder zusammenzuschweißen und gleichzeitig einen guten Anlass für gemeinsame Aktivitäten liefern. Darüber hinaus kann es auch helfen mehr Interesse an den Hobbys und Interessen des Partners zu entwickeln. Gerade bei großen Interessengegensätzen ist ein Kompromiss aber nicht immer leicht zu finden. Niemand möchte (und sollte) schließlich seinen Charakter für eine Beziehung verbiegen.

3. Liebe weg

Kommen wir zur kniffligsten Bedeutung des Wortes „auseinandergelebt“. Für viele Menschen ist es ein Synonym für erloschene Gefühle. Das alte Kribbeln ist erloschen, das sexuelle Verlangen futsch, und wenn man einander umarmt, macht sich eher Langeweile als Herzklopfen breit. Entsprechend selten sind Komplimente und Zärtlichkeiten geworden. Die Lust daran ist den Partnern vergangen. Man hat im Grunde mit der Partnerschaft abgeschlossen und vielleicht sogar schon jemand anderen im Auge. Dabei gibt es natürlich große Unterschiede zwischen einer Ehe, in der sich nur der erste Gefühlssturm gelegt hat und einer wirklich gefühlskalten Beziehung.

Lösung:

Die Lage ist ernst. Erloschene Gefühle wieder zu entzünden ist zwar manchmal möglich und es gibt eine Reihe von Strategien um eingeschlafene Ehen wieder interessanter zu machen, aber eine Garantie dafür, dass diese Gegenmaßnahmen in jedem Einzelfall greifen, gibt es nicht. Gespräche – auch über die verfahrene Gefühlssituation – sind sicher auch in dieser Situation nicht verkehrt und allemal besser als ein spontaner Frust-Seitensprung. Nur wer sich dieses Problems bewusst wird, kann überhaupt versuchen, es in den Griff zu bekommen.

In allen drei Fällen kann auch eine Eheberatung versucht werden, die aber nur Sinn macht, wenn beide Partner Ihre Ehe retten wollen. Wer lieber auf Hilfe in Schriftform zurückgreift, kann unseren Ratgeber „Bleiben oder Trennen“ konsultieren. Auch eine Trennung auf Zeit kann womöglich ein Ausweg sein, um den Kopf wieder klar zu bekommen.

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