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Trennung und Scheidung wegen Transsexualität / Geschlechtsumwandlung

Transsexualität(Geschlechtsumwandlung) ist längst kein Tabu mehr in unserer Gesellschaft. Männer, die sich als Frau fühlen oder Frauen, die sich mehr mit ihren männlichen Anteilen identifizieren. Auch Hollywood hat diese Entwicklung aufgegriffen und bietet mit der TV-Serie „Transparent“ (engl. aus Transgender und Parent) einen spannenden Einblick in den Familienalltag eines Mannes, der beschließt, sein Leben als Frau weiterzuführen. Neben interessanten Einblicken in die Lebenswelt eines Transsexuellen wird auch dargestellt, wie dessen Familie mit der Situation umgeht. Darum soll es auch in diesem Artikel gehen. Wie kann eine Partnerschaft, in der einer der Partner seine Transsexualität leben möchte, bestehen? Kann dies denn im Rahmen der Beziehung funktionieren oder ist eine Trennung wegen Transsexualität unvermeidlich? All dies und mehr versucht der folgende Artikel zu erörtern.

Das Wichtigste zum Thema "Trennung und Scheidung wegen Transsexualität / Geschlechtsumwandlung" für Sie:

  • Transsexualität bezeichnet eine Geschlechtsidentitätsstörung, also das Empfinden eines Menschen dem falschen biologischen Geschlecht anzugehören.
  • Wenn der Partner seine Transsexualität preisgibt, ist der Schock groß und auch eine Trennung oder gar Scheidung ist in einer so außergewöhnlichen Situation verständlich.
  • Auch wenn es Sie zunächst einmal vom Hocker haut, versuchen Sie ruhig zu bleiben und den Respekt vor Ihrem Partner zu bewahren.
  • Die Frage, ob eine Weiterführung der Beziehung Sinn macht, mag Ihnen weit hergeholt erscheinen. Dennoch sollten Sie sich klarmachen, dass dies durchaus eine Option ist, die Ihr Partner sich sogar wünscht.
  • Transsexualität ist keine Krankheit und Ihr Partner hat Sie mit Sicherheit nicht aus Bosheit belogen.

Transsexualität? Wenn die Grenzen der Geschlechter verfließen

Spüren tun sie es intuitiv ihr ganzes Leben lang und eines Tages sind sie sich sicher: Ich bin im falschen Körper geboren! Das biologische Geschlecht stimmt für manche Menschen nicht überein mit dem gefühlten Geschlecht. Allgemein bekannt als Transsexualität. Schon als Kind fühlen sich die transsexuellen Jungs mehr zu Mädchen hingezogen, ziehen gerne Kleider an und bevorzugen Spiele, die eher mädchentypisch sind. Kleine Mädchen möchten draußen sein, Fußball spielen und sich mit den anderen Jungs raufen.

Natürlich lösen sich Klischees immer mehr auf und weder Jungen noch Mädchen hängen in typischen Geschlechterrollen fest. Der Unterschied ist jedoch, dass Transsexuelle sich innerlich einfach zum anderen Geschlecht zugehöriger fühlen. Dies verstärkt sich meist im Laufe des Lebens und führt entweder zu einem frühen „coming out“ und einem Leben als Transgender oder zur Verdrängung und einem nach außen hin normalen Leben. Mit Frau/ Mann, Kindern und Eigenheim. Doch irgendwas fehlt in der Familie. Vielleicht spürt es die ganze Familie über Jahre hinweg. Irgendetwas fühlt sich nicht richtig an. Wenn ein Partner oder Elternteil eines Tages mit der Wahrheit herausrückt, sind dennoch alle, trotz Vorahnung, wie vor den Kopf gestoßen. Viel zu weit weg von der eigenen Vorstellung und Lebenswelt ist die Transsexualität, als dass es möglich ist sich in die Rolle des Gegenübers zu versetzen. Erste Reaktionen sind deshalb wohl meistens Schock, Verleugnung, Wut und Verzweiflung. Oft kommt es auch zu einer Trennung oder gar Scheidung wegen Transsexualität.

Praxisbeispiel:

Emma (43) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie lebt ein ganz gewöhnliches Leben. Zumindest nach außen hin. Innerlich dagegen fühlt Sie sich leer und fehl am Platz. Seit sie denken kann, hat sie das Gefühl, im falschen Körper geboren zu sein. Sie fühlt sich mehr als Mann, denn als Frau. Erklären kann sie dieses Gefühl nicht so richtig. Weder sich selbst, noch anderen. Als sie in einer Zeitschrift einen Artikel über Transsexualität liest, hat Emma das Gefühl, als löse sich ein langjähriges Rätsel. Sie erkennt sich in den Zeilen wieder! Die nächsten Wochen und Monaten besorgt sie sich mehr und mehr Literatur über das Thema Transsexualität und geht heimlich zu einer Beratungsstelle. Nach langem Grübeln und vielen Gesprächen mit anderen Menschen, die offen zu ihrer Transsexualität stehen, beschließt Emma ihrer Familie reinen Wein einzuschenken. Diese sind entsetzt, als sie hören, dass Emma sich als Mann fühlt, und über eine Geschlechtsumwandlung nachdenkt. Ihr Mann reicht umgehend die Scheidung ein. Drei Jahre später ist aus Emma Karl geworden. Mit ihrer Familie und ihrem Mann versteht sie bzw. er sich wieder etwas besser, auch wenn noch einige Unstimmigkeiten gibt. Karl selbst fühlt sich zum ersten Mal im Leben wirklich glücklich und frei, denn er kann zu seiner Transsexualität stehen.

Wie damit umgehen, wenn der Partner transsexuell ist?

Wenn der Partner einem nach einer langjährigen Beziehung oder Ehe eröffnet, dass er oder sie ab sofort als Transsexuelle/r leben möchte, wird die erste Reaktion wahrscheinlich sein, dass Sie an einen schlechten Scherz glauben. Transsexualität? Soll das ein Witz sein? Danach tritt in der Regel ein Schockmoment ein und eine Verleugnung der Tatsachen. Es gehört bei Weitem nicht zu den einfach verdaubaren Geständnissen, die einem der eigene Partner machen kann. Doch wenn Sie jetzt durchdrehen, werden weder Sie noch Ihr Partner etwas davon haben. Deshalb ist es wohl empfehlenswert, wenn Sie sich zunächst einmal aus der Situation zurückziehen. Gehen Sie spazieren oder übernachten Sie für ein paar Tage bei Freunden. Das wird Ihnen helfen einen klaren Kopf zu behalten, anstatt in einem Chaos aus Anschuldigungen und Verletzungen zu ertrinken.

Es ist ganz normal, dass Sie Ihr bisheriges Leben in Frage stellen und alles was Sie bisher geglaubt haben. Aber Nein! Ihr Leben ist keine Lüge. In allen Partnerschaften gibt es Geheimnisse. Andere betrügen ihren Partner oder verheimlichen eine Sucht. Eine Seite unserer Persönlichkeit zu verstecken ist ganz normal. Im Grunde genommen ist dies auch hier der Fall. Ihr Partner wird auch weiterhin der Mensch sein, den Sie kennen. Nur wird dieser eben seine äußerliche Erscheinung an das anpassen, was er tief im Innern fühlt. Er oder sie möchte die Transsexualität verwirklichen, um wirklich authentisch zu sein. Können Sie damit leben?

Trennung und Scheidung wegen Transsexualität

Ob Sie sich dazu entscheiden, weiter mit Ihrem Partner zusammen zu bleiben oder sich zu trennen, hängt von vielen Faktoren ab. Um es vorweg zu sagen: Die meisten Beziehungen enden durch die Verwandlung eines Partners in einer Trennung oder Scheidung wegen Transsexualität. Zu schwer wiegt die Tatsache, dass man plötzlich mit demselben Geschlecht im Bett liegen soll. Zudem ist Ihnen wahrscheinlich auch nicht klar, ob Ihr Partner überhaupt auf Sie steht, rein körperlich gesehen. Oder ob Sie sich vorstellen können, mit einer Transfrau/ einem Transmann Sexualität zu leben. Dabei ist Transsexualität nicht gleichzusetzen mit Homosexualität. Auch wenn der Wunsch besteht, als Gegengeschlecht weiterzuleben, bedeutet das nicht gleich, dass die Sexualität sich verändert. Wenn Ihr Partner Sie bisher begehrt hat, wird sich daran auch nichts ändern- Obwohl nicht auszuschließen ist, dass dieser in Zukunft auch sexuell experimentieren und homosexuelle Erfahrungen sammeln möchte.

Etwas anders sieht dies in homosexuellen Beziehungen an sich aus. Da das Thema sexuelle Identität in diesen Beziehungen oft viel präsenter ist und offener damit umgegangen wird, können Homosexuelle besser mit einer solchen Situation umgehen. Doch auch hier braucht es gewiss eine Zeit der Anpassung.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird Ihnen das Geschriebene eventuell absurd vorkommen. Es ist auch tatsächlich selten, dass eine Beziehung nach einer Enthüllung der Transsexualität weitergeht wie zuvor. Wichtig ist lediglich, dass Sie sich klarmachen, dass die Möglichkeit durchaus besteht, dass Sie die Beziehung fortführen. Dies verlangt von Ihnen beiden großen Mut und noch mehr gegenseitige Liebe. Ist dies jedoch gegeben, kann Ihnen eine Trans-Beziehung gelingen. Beratung finden Sie hierzu beispielsweise bei der Selbsthilfeorganisation Trans_Ident e.V..

Nach dem ersten Schock

Auch wenn Ihre erste Reaktion daraus bestand, Teller zu werfen und wüste Beschimpfungen auszustoßen: Es ist immer noch möglich, eine Trennung oder Scheidung wegen Transsexualität einigermaßen geregelt ablaufen zu lassen. Machen Sie sich klar, dass Ihr Partner Sie nicht mit Absicht belogen und betrogen hat. Transsexualität ist keine Laune und auch keine Krankheit. Es handelt sich um ein tief verborgenes Gefühl, dem anderen Geschlecht angehörig zu sein. Wäre es Ihnen etwa lieber gewesen, wenn Ihr Partner sein Innerstes weiterhin verleugnet hätte? Sie werden weiterhin mit demselben Menschen zu tun haben, der Ihnen Tee gekocht und den Kindern Geschichten vorgelesen hat. Sie haben kein Monster geheiratet. Versuchen Sie also, Ihren transsexuellen Partner auch nicht so zu behandeln. Bleiben Sie ruhig und behandeln Sie diesen weiterhin mit Respekt.

Am schwersten werden Sie mit Sicherheit die Ansichten Ihres Umkreises ertragen können. Vielleicht haben Sie Glück und die Menschen um Sie herum gehören bereits dem 21ten Jahrhundert an, was bedeutete, dass diese Ihre Situation auf irgendeine Art und Weise verstehen werden. Sollten Sie Sätze darüber hören, dass das vielleicht an Ihnen liegt oder das Ihr Ex geisteskrank ist, können Sie ohne schlechtes Gewissen das Weite suchen. Das Gute an Extremsituationen im Leben ist, dass Sie hinterher wissen, wer echte Freunde sind. Die Spreu trennt sich hier sicher schnell vom Weizen. Es wird eine Zeit dauern, aber Sie werden, wenn Sie dies wollen, auch in der Zukunft verbunden sein: Als Freunde, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Somit kann das Thema Transsexualität eine Chance sein, die ihnen bisher unbekannte Seiten des Lebens eröffnet und Ihnen dabei helfen kann, auch Ihr eigenes Potential zu leben.

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