Antrag abgelehnt! Was tun, wenn der Partner nicht heiraten will?

 
 

Man hat sich einen romantischen Ort ausgesucht, die Ringe sind gekauft und der Moment fühlt sich gerade genau richtig dafür an. Und doch kann es passierten, dass die oder der Liebste den – zuvor schon ein dutzend Mal vor dem Spiegel geübten – Heiratsantrag ablehnt. Und was dann? Kann man danach einfach weiter machen? Soll man das überhaupt? Und heißt die Ablehnung eines Heiratsantrages immer gleich: „Ich liebe dich nicht (genug)“? Wir sind diesen Fragen nachgegangen.

Das ein Antrag abgelehnt wird passiert eher selten. Das liegt vor allem daran, dass der „Antragsteller“ den Zeitpunkt vorher sorgfältig auswählt und auch alles dafür tut, die richtige Stimmung und Atmosphäre herzustellen. Außerdem kennt er seinen Partner und dessen Ansicht über die Ehe meist schon sehr gut. Aber anders als das „Nein“ beim Standesamt, ist die Ablehnung eines Heiratsantrages doch nicht ganz unwahrscheinlich.

Kommt es zur Ablehnung, so kann diese sehr enttäuschend und verletzend sein. Und wahrscheinlich wird sie auch das Vertrauen in die bisherige Beziehung erschüttern, gerade wenn man sich insgeheim schon immer Hoffnungen auf „mehr“ und auf eine gemeinsame Zukunft gemacht hat. Der abgelehnte Antrag ist dann so etwas wie der kleine Bruder des „Schluss Machens“. Noch schwerer ist ein solches Urteil zu tragen, wenn man bereits auf viele gemeinsame Beziehungsjahre zurückblicken kann, sich eine Wohnung teilt oder gar ein gemeinsames Kind hat. Doch egal ob die Beziehung bisher kurz oder lang währte und was man schon gemeinsam durchlebt und erreicht hat – in jedem Fall kommt man ins Grübeln, ob es wirklich für eine gemeinsame Zukunft reicht.

Nein, aber...

Für den Abgewiesenen ist der Fall klar: Die Liebe fehlt. Die Beziehung war von Anfang an nicht ernst gemeint. Hinter dem eigenen Rücken hat der Partner schon jemand anderen. Doch auch, wenn diese Erklärungen manchmal zutreffen mögen, sind die Gründe für ein „Nein“ zum Heiratsantrag nicht immer so niederschmetternd. So kann der Zeitpunkt auch einfach der falsche sein, oder der Gefragte hat einfach keine Lust irgendwen zu heiraten. Egal wie groß die Liebe auch sein mag.

Heirat augeschlossen

Vielleicht will ihr Partner nicht nur Sie nicht heiraten (Sie vielleicht noch am ehesten), sondern überhaupt niemanden. Sei es aus Bindungsangst (Link) oder einfach aus Misstrauen gegenüber der Institution der Ehe. Möglicherweise ist er so freiheitsliebend, dass er seiner Liebe einfach keine rechtliche Form geben möchte. Dabei können auch schlechte Erfahrungen aus vergangenen Ehen eine Rolle spielen, die ihr/e Angebetete/r nicht wiederholen will. Genauso gut kann es sich aber einfach nur um den Wunsch handeln, auch ohne Trauschein glücklich zu sein.

Tipp: Sprechen Sie darüber. Fragen Sie ihren Partner, was er generell von der Ehe hält und wie er sich die gemeinsame Zukunft vorstellt, und fragen Sie sich selbst, ob Sie mit seinen Ansichten übereinstimmen.

Falsche Zeit

Es kann aber auch sein, dass man schlicht einen schlechten Moment gewählt hat. Vielleicht ist das „Nein“ also in wirklich nur ein „Nein, noch nicht“. Vielleicht ist die Beziehung noch jung und der Gefragte ist der Meinung, dass man sich noch nicht lange genug kennt, um gleich den Bund der Ehe einzugehen. Oder aber er hält nicht die Beziehung, sondern sich selbst zu jung für so eine endgültige Bindung. Ein weiterer Grund für das Zögern kann auch sein, dass gerade schon ein wichtiger Schritt in der Beziehung getan wurde (zum Beispiel ein Kind oder eine gemeinsame Wohnung) und dieser erst einmal verarbeitet werden will.

Doch nicht immer muss es an der Beziehung liegen. Auch eine schwierige Situation in Studium, Ausbildung oder im Job kann dafür sorgen, dass einem der Sinn nach allem nur nicht nach Heiraten steht. Und eines darf auch nicht vergessen werden: Eine Hochzeit ist teuer. Wenn die finanziellen Rahmenbedingungen es gerade nicht zulassen, sie so zu feiern, wie man es gerne möchte, kann auch das die Heiratslust dämpfen. Das Timing kann aber auch noch aus einem ganz anderen Grund schlecht sein. Vielleicht wollte ihr Partner lieber IHNEN einen Antrag machen und fühlt sich jetzt in seinem Stolz verletzt.

Tipp: Auch hier gilt es, darüber zu reden. Wenn man herausfindet, dass der Zeitpunkt einfach nur falsch gewählt wurde, so hilft nur warten. Und beim nächsten Mal einen besseren Moment zu wählen.
Wie lehne ich taktvoll ab?

Was aber, wenn Sie selbst von einem Antrag überrumpelt werden und keine Lust verspüren den angebotenen Ring überzustreifen?

Eine solche Ablehnung fällt naturgemäß sehr schwer. Immerhin möchte man seinen Partner nicht kränken, wenn er einem schon so das Herz geöffnet hat. Doch manchmal hat man eben Gründe (zum Beispiel die genannten), die genau das verlangen. Derjenige, dem ein Heiratsantrag gemacht wird, wird vor eine harte Wahl gestellt. Er muss sich direkt in diesem Moment entscheiden, ob er den Antragsteller von ganzem Herzen liebt und mit ihm zusammenbleiben möchte und ob eine Hochzeit für ihn infrage kommt.

Wer sich entscheidet den Antrag abzulehnen, der braucht viel Einfühlungsvermögen und gute Argumente, um dem Verstoßenen klar zu machen, dass er ihn dennoch liebt und um den Korb, den er ihm gegeben hat, wenigstens schön zu verzieren. Andernfalls riskiert er wohlmöglich gar ein Ende der Beziehung. Doch so riskant eine Ablehnung auch ist – besser als ein „Ja“ aus Verlegenheit oder Mitleid ist sie allemal.

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