Scheidung im Lockdown - Wir helfen Ihnen
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Hat meine Ehe ein erhöhtes Scheidungsrisiko, weil ich selbst ein Scheidungskind bin?

 
 

Wer die eigenen Eltern als Vorbild betrachtet, könnte als Scheidungskind schlechte Aussichten haben, dass die eigene Ehe Bestand hat - oder vielleicht auch nicht? Schlechte Erfahrungen haben mithin auch den Vorteil, dass sich daraus konstruktive Aspekte ergeben können. Sie sollten Ihre eigene Beziehung also keinesfalls über den Beziehungsstatus Ihrer Eltern definieren.

Wie werden Scheidungskinder wahrgenommen?

Wenn man von Scheidungskindern hört, stehen meist negative Aspekt im Vordergrund. Scheidungskinder hätten in der Schule oft schlechtere Noten, seien öfter krank und anfälliger für Depressionen und schlagen sich zeitlebens mit Schuldgefühlen und Loyalitätskonflikten herum. Vor allem falle es Scheidungskindern schwerer, langfristige und stabile Beziehungen mit dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin einzugehen.

Auch Studien oder Literaturbeiträge, die die Gefühlswelt von Scheidungskindern untersuchen, laufen so gut wie immer auf negative Feststellungen hinaus. Dabei geht es darum, dass es heißt „Papa hat Dich nicht mehr lieb“ (SpiegelPlus), „Das Gefühl, wie ein Paket an der Haustür überreicht zu werden“ (SpiegelPlus) oder „Scheidungskinder bekommen leichter einen Schnupfen“ (Welt.de). Dass sich aus einer Scheidungssituation, wenn auch nicht positive, aber doch konstruktive Aspekte gezogen werden können, scheint dabei zu kurz kommen.

Sind Schicksale vererblich?

Forscher haben entdeckt, dass Einflüsse in unserer Umwelt auch Spuren im Erbgut hinterlassen. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass die Scheidung der eigenen Eltern auch die eigene Persönlichkeit prägt. Interessant ist, dass die damit einhergehenden Veränderungen nicht unbedingt den genetischen Code betreffen. Vielmehr handelt es sich um Moleküle, die sich an unsere Gene anheften und darüber entscheiden, ob die Gene „abgelesen“ werden oder nicht. Die Forschung nennt diese Form der Erbgutveränderung „epigenetisch“. Stress in der Jugend beeinflusst, in welchem Ausmaß bestimmte Gene später im Leben aktiviert sind.

Leiden Sie also unter der Scheidung Ihrer Eltern, könnte diese Erfahrung mit darüber entscheiden, welche Ihrer Erbanlagen in welcher Weise aktiv sind (Quelle: GeoCompact Nummer 65 „Inwieweit vererben wir unser Schicksal?“). Gerade traumatische Erfahrungen scheinen sich im Erbgut festzusetzen und das Schicksal nachfolgender Generationen zu prägen. Hier kann ggf. eine Familientherapie weiterhelfen.

Nicht jedem Elternteil ist die Verantwortung für das eigene Kind bewusst

Trennen sich Eltern, kommt es entscheidend darauf an, wie die Eltern mit ihrer Trennung und den Konsequenzen für die eigenen Kinder umgehen. Nicht jeder Elternteil ist zu einem emphatischen und einfühlsamen Umgang fähig. Eltern sind dann oft so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass die Interessen und Gefühle der Kinder in den Hintergrund treten. Wenn sich Eltern streitig auseinandersetzen, schlägt sich der Streit und der destruktive Umgang miteinander auch in der Gefühlswelt der eigenen Kinder nieder. Eltern stehen insoweit in der Verantwortung, den einigen Kindern die Chance zu geben, die Trennung ihrer wichtigsten Bezugspersonen zu verarbeiten.

Scheidungskinder haben daher oft die Einschätzung und das vielleicht unbewusste Gefühl, dass Beziehungen schwierig sind und immer Risiko laufen, zu zerbrechen. Für Eltern sollte sich daraus die Konsequenz ergeben, dass die familiäre Beziehung allein wegen der Trennung und Scheidung sich nicht in Luft auflösen muss. Wer konstruktiv damit umgehen will, sollte die Verantwortung und die Kraft aufbringen, die eigene Beziehung neu zu ordnen und dem Kind so die Chance geben, sich in der neuen Ordnung zurechtzufinden. Natürlich ist diese Vorstellung der Idealfall. Ist die Trennung Ihrer Eltern anders verlaufen, ist es dafür zu spät. Dennoch könnte es für die eigene Beziehung wichtig sein, diesen Ansatz zu kennen.

Für Ihre Beziehung sind Sie selbst verantwortlich

Betrachten Sie die Erfahrung Ihrer Eltern nicht als Regel oder als Konsequenz dessen, dass Menschen mitunter nicht miteinander auskommen. Beziehungen bedeuten immer Verantwortung. Verantwortung für sich selbst, für den Partner oder die Partnerin und für die Beziehung untereinander. Erliegen Sie nicht dem Glauben, dass Sie in die Fußstapfen Ihrer Eltern treten müssen. Eltern mögen Vorbilder sein, aber nur insoweit, als sie positive Charakterzüge auf die eigenen Kinder übertragen. Es gibt keinen Grund, negative Erfahrungen und alles andere, was negativ, destruktiv und pessimistisch daherkommt, als Maßstab für das eigene Leben zu verstehen. Schicksal ist nicht wirklich vererblich. Nicht umsonst heißt es, dass „jeder des eigenen Glückes Schmied ist“.

Gestalten Sie das was negativ war, konstruktiv

Sind Sie selbst ein Scheidungskind, besteht dennoch kein absoluter Grund, an Ihrer eigenen Beziehung zu zweifeln und zu glauben, Sie hätten von vornherein schlechte Chancen, Ihre Beziehung zu leben. Im Gegenteil. Sie könnten und sollten die Scheidung Ihrer Eltern als Chance begreifen. Lernen Sie daraus, dass sich Ihre Eltern getrennt haben, indem Sie daraus Konsequenzen für eigene Beziehung ziehen.

Scheidungskinder berichten oft davon, dass sie sich in der Lage sehen, Konflikte in der eigenen Beziehung offen anzusprechen. Man reagiere sensibler auf Verlustängste des Partners oder der Partnerin und gehe vor allem respektvoller miteinander um. Der Grund ist offensichtlich. In Anbetracht ihrer Erfahrungen mit der Scheidung der eigenen Eltern können Sie besser einschätzen, welche Konsequenzen Streitigkeiten in der Beziehung haben. Sie wissen, dass es für keinen der Partner unbedingt Vorteile bringt, Streitigkeiten eskalieren zu lassen und einen ungewissen Ausgang zu riskieren. Wahrscheinlich gehen Sie mit Ihrer Beziehung bewusster und konstruktiver um. Insoweit könnte Ihr Erfahrungsschatz dazu beitragen, Ihre eigene Beziehung wesentlich verlässlicher, konstruktiver und verantwortungsvoller zu leben.

Stellen Sie Ihre voreheliche Beziehung auf den Prüfstand

Partner heiraten einander oft vorschnell. Im Überschwang der Gefühle scheint die Eheschließung die logische Konsequenz zu sein. Trifft Ehe jedoch auf Alltag, ändert sich vieles. Plötzlich erscheint der Partner oder die Partnerin als eine ganz andere Person, deren Verhalten und Charakterzüge Ihnen fremd vorkommen. Wenn Sie jetzt noch ein Scheidungskind sind, könnte es sein, dass Sie sich darin bestätigt sehen, dass Ehen gerade im Hinblick auf die Ehe Ihrer eigenen Eltern nicht unbedingt auf Dauer angelegt sind. Möglicherweise sind Sie dann schnell auf dem Weg zur Scheidung.

Die Erkenntnis daraus kann nur lauten, dass Sie Ihre Beziehung auf die Probe stellen und erst heiraten, wenn Sie wirklich wissen, dass Sie den Richtigen oder die Richtige gefunden haben. Vielleicht ist das althergebrachte Institut der Verlobung eine Option, mit der Sie den Partner oder die Partnerin und letztlich auch sich selbst und damit Ihre Beziehung auf die Probe stellen können. Wenn Sie Ihre Verlobung wegen unüberbrückbarer Differenzen auflösen, ist das wahrscheinlich eine andere Erfahrung, als wenn Sie Ihre Ehe scheiden lassen. Die Beziehung auf Probe hat dann eben einfach nicht funktioniert. Und ein Probelauf schafft gute Voraussetzungen, irgendwann doch noch in den dann hoffentlich sicheren Hafen der Ehe einzulaufen.

Alles in allem

Die Scheidung der eigenen Eltern gehört sicherlich nicht zu den Kindheitserinnerungen, an die man sich gerne erinnert. Sie helfen sich aber nicht selbst, wenn Sie die Scheidung der eigenen Eltern zum Maßstab Ihres eigenen Lebens machen. Betrachten Sie Ihre Lage möglichst konstruktiv. Überlegen Sie, wie Sie im Hinblick auf ein immer bestehendes Scheidungsrisiko Ihre eigene Beziehung so gestalten, dass diese so lange besteht, bis dass der Tod Sie scheidet.

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