Broken-Heart-Syndrom: Wenn Trennung krank macht

 
 

„Du hast mir das Herz gebrochen“. Diese Aussage hat in aller Regel eher poetische Qualität. Denn egal wie viel Tränen man vergießt und wie groß die psychischen Schmerzen nach einer Trennung sind – der Motor in unserem Körper tut ungerührt weiter seinen Dienst. Glücklicherweise. Doch bei Menschen, die an einer „Transienten linksventrikulären apikalen Ballonierung“ leiden, sieht die Sache anders aus. Ihr Herz kapituliert buchstäblich vor dem emotionalen Schock. Neben seinem eher wissenschaftlich-kryptischen Namen trägt das Phänomen deshalb auch einen anderen: „Broken-Heart Syndrom“ („Gebrochenes-Herz-Syndrom“).

Das „Broken-Heart-Syndrom“ ist eine Funktionsstörung des Herzmuskels, die zum Glück nur sehr selten auftritt. Als Auslöser gelten immense körperliche, aber auch emotionale Belastungen wie der Tod eines nahen Angehörigen, Überfälle, Naturkatastrophen - oder  Trennung, Streit und Liebeskummer.  Umgekehrt kann sogar eine extrem positive Nachricht das Syndrom auslösen. Neben einem hohen Lottogewinn kann also – theoretisch – auch ein unerwarteter Heiratsantrag gefährlich werden. Die genauen Ursachen sind aber nach wie vor unklar.

Die Tintenfischfalle

Entdeckt wurde das „Broken-Heart-Syndrom“ in den 1990er Jahren von japanischen Ärzten. Auf diese geht auch eine weitere Bezeichnung für das Phänomen zurück: „Tako-Tsubo-Syndrom“. Der Begriff leitet sich von einer krugförmigen, japanischen Tintenfischfalle ab. Denn diese Falle erinnert auffallend an die Form, die die linke Herzkammer der Betroffenen annimmt.

Der schädliche Einfluss, den emotionaler Stress in solchen Fällen auf das Herz ausübt, lässt sich wahrscheinlich auf die Wirkung von Stresshormonen zurückführen. Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin oder Dopamin werden stark vermehrt ausgeschüttet und sorgen für eine Verengung der Herzkranzgefäße. Die Folge: Das Blut kann nicht mehr richtig zirkulieren, das Herz schlägt schwächer. Es kommt zu Atemnot, Herzrhythmusstörungen und Schmerzen im Brustbereich. Auch Flüssigkeit kann in die Lunge gelangen. Die Symptome sind ähnlich wie bei einem Herzinfarkt. Anders als bei diesem, sind die Gefäße aber nicht völlig verschlossen.

Dennoch werden „Broken-Heart“-Patienten meist zunächst für Menschen mit Herzinfarkt gehalten. Verständlich, denn nur ein geringer Teil der Patienten, die an herzinfarktähnlichen Symptomen leiden (Schätzungen zufolge 2,6%), leiden an einem „Broken-Heart-Syndrom“. Gefährdet sind insbesondere Frauen. Vor allem jene, die bereits die Wechseljahre hinter sich haben.

Gute Heilungschancen

Glücklicherweise ist die Sterblichkeitsrate eher gering und die Heilungschancen sind gut. Folgeschäden – bspw. In Form von abgestorbenem Gewebe – sind selten. Meistens sind die körperlichen Folgen des „gebrochenen Herzens“ – anders als die emotionalen - schon nach wenigen Wochen oder sogar Tagen wieder ausgestanden und die Veränderungen am Herzen bilden sich zurück. Trotzdem ist mit dem Syndrom nicht zu spaßen. Gerade im Akutstadium kann es durch heftige Herzrhythmusstörungen zum Herzstillstand kommen.

Bei einer Therapie werden gegen die Aufregung oft sogenannte Betablocker verschrieben. Vor allem kann aber eine Psychotherapie helfen das traumatische Erlebnis zu verarbeiten, Rückfälle zu verhindern und künftige Schicksalsschläge besser zu verkraften. Auch Unterstützung durch Freunde und geistige Ablenkung können dabei helfen den Spruch vom gebrochenen Herzen nicht Wahrheit werden zu lassen.

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