Ich bleibe! Wenn der Partner die Trennung nicht akzeptiert

 
 

Traum geplatzt. Ehe am Ende. Zukunft ungewiss. Nicht jeder Mensch kann die Konsequenzen einer Trennung mal eben so im Vorbeigehen verarbeiten und dann zur Tagesordnung übergehen. Umso weniger, da er – anders als der Trennende – keine Zeit hatte, sich darauf vorzubereiten. Irgendwann ist aber der Moment gekommen weiterzumachen und den Ex-Partner ziehen zu lassen. Leider gibt es jedoch Menschen, die genau das nicht schaffen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Partnern umgehen, die sich nicht von Ihnen trennen können.

Geduld zeigen

Dass Ihr Ex verletzt und enttäuscht ist, ist erst einmal völlig natürlich. Sie wären es ja auch - ganz unabhängig davon, wer objektiv gesehen Schuld am Scheitern der Partnerschaft hat. So eine Neuigkeit will einfach erst einmal verdaut werden. Besonders dann, wenn vielleicht schon jemand Neues im Spiel ist. Gerade in der Anfangsphase einer Trennung und wenn die Reaktionen Ihres Ex im vertretbaren Rahmen bleiben (Stichwort: Bedauern und Schmerz statt Drohungen und Gewalt), sollten Sie vernünftig mit ihm umgehen. Natürlich will der Ex-Partner Sie in den ersten Tagen und Wochen unbedingt zurückhaben. Immerhin war er an das Leben mit Ihnen gewöhnt.

Seien Sie deshalb fair. Erklären Sie Ihrem Ex-Partner die Gründe für die Trennung und stellen Sie sich seinen Nachfragen. So können beide Seiten die Vergangenheit besser bewältigen und die Gedanken des Ex kreisen nicht in endlosen Spekulationen, denn kaum ein Faktor ist furchteinflößender als die Ungewissheit. Dabei ist es aber wichtig, keine falschen Hoffnungen zu schüren. Das verstärkt auf beiden Seiten nur den Schmerz. Ein Neuanfang macht nur Sinn, falls Sie sich nicht aus freien Stücken dafür entscheiden. Und auch eine Freundschaft ist - wenn überhaupt - erst wieder möglich, wenn eine längere Zeit ins Land gezogen ist.

Grenzen ziehen

So weit, so normal. Doch leider geht eine Trennung nicht immer so – verhältnismäßig – unproblematisch Ihren Gang. Verletzte Eitelkeit oder Enttäuschung kann den Verlassenen zu den seltsamsten Reaktionen treiben. Manchmal wird auch ein Entschluss zur Trennung gar nicht erst ernst genommen („Die/Der kommt schon zurück …“). Dieser Trugschluss entsteht natürlich umso leichter, wenn Sie sich zuvor schon mehrfach getrennt und wieder versöhnt haben.

Partner, die das Ende nicht wahrhaben wollen, versuchen oft den Beziehungsalltag aufrechtzuerhalten und nehmen weiterhin Kontakt auf als wäre nichts gewesen. Sie verwechseln das Beziehungsende schlichtweg mit einer vorübergehenden Krise. Wenn es solchen Menschen dann dämmert, dass doch mehr hinter Ihrem „Nein“ steckt, spannen sie auch gerne Kinder, Eltern, gemeinsame Freunde oder Geschwister als Vermittler ein, um Sie in der Partnerschaft halten zu können. Aber so nachvollziehbar der Anlass für solche Schritte sein mag: Liebe bedeutet Respekt - auch vor den Entscheidungen des Geliebten. Wer allzu sehr auf seinem „Recht“ als Partner beharrt, hat wohl eher Besitzdenken als Liebe im Sinn.

Deswegen tun sie gut daran zu Ihrem Entschluss zu stehen, wenn Sie ihn einmal gefasst haben.

Finden Sie deutliche Worte und machen Sie Ihrem Ex klar, dass sie nicht das geringste Interesse daran haben, dass er um Sie kämpft. Härte und Konsequenz sind hier oftmals das richtige Mittel. Den Schmerz des anderen muss man dabei – leider – aushalten können.

Damit eine Trennung gelingt, ist eine räumliche Trennung unverzichtbar und auch der telefonische oder elektronische Kontakt zum Ex sollte stark reduziert werden. Findet er statt, ist es besser sachlich zu bleiben. Die persönliche Ebene sollte allein auf die Gründe für die Trennung beschränkt bleiben. Ihr aktuelles (Liebes-)Leben hat den Verflossenen nicht zu interessieren. Wer hier zu offenherzig ist, wird sich ewig mit dem Ex herumschlagen, der das Ende der Partnerschaft nicht wahrhaben will.

Gewalt ändert alles

Wenn eine Trennung erst realisiert wurde und ein friedlicher Kampf um die Liebe nicht mehr erfolgsversprechend scheint, entstehen oft Wut und Enttäuschung. Was sich bei den meisten Menschen nur in Gesprächen mit Freunden oder gepfefferten Tagebucheinträgen niederschlägt, kann bei manchen Zeitgenossen leider auch gefährlich reale Formen annehmen. Vor allem bei Partnern, die schon in der Partnerschaft zu Gewalt und Überreaktionen neigten, müssen Sie vorsichtig sein.

Wenn Ihr Partner Sie mit Gewalt zum Bleiben bewegen will oder er zum Stalker wird, dürfen Sie nicht zögern notfalls die Polizei einzuschalten. Die kann ein Kontaktverbot aussprechen oder dem wild gewordenen Ex zumindest ins Gewissen reden. Sollte es zu ernsthafter körperlicher Gewalt kommen, sind die Konsequenzen für den wild gewordenen Verlassenen natürlich – und zu Recht – noch weitaus ernster. Neben der Polizei können auch Frauenhäuser oder Opferberatungen eine wichtige Anlaufstelle sein.

In jedem Fall dürfen Sie sich nicht vom Betteln, Flehen und Besserungsversprechungen einlullen lassen. Oder von Gewaltdrohungen. Auch dann nicht, wenn es sich dabei um Selbstmordankündigungen handelt („Wenn du gehst, bringe ich mich um …“). So etwas ist nichts anderes als Erpressung und so hart es klingt – was Ihr Ex nun mit seinem Leben macht, ist nicht mehr Ihr Problem. Sie haben für seine Handlungen KEINE Verantwortung. Genauso wenig sollten Sie sich durch Krankheiten oder Hilflosigkeit erpressen lassen oder nur wegen der Kinder zurückkommen, wenn die Liebe sich schon längst verabschiedet hat.

Sonderfall Scheidung

Etwas schwieriger ist die Lage bei verheirateten Paaren. Neben den sozialen und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten hat man auch einige rechtliche Hürden zu überwinden, wenn der Partner die Scheidung nicht akzeptieren will. Beruhigend ist aber, dass Sie kein Mensch von Ihrem Vorhaben einer Scheidung abbringen kann. Wenn Sie sich scheiden wollen, können Sie das auch tun. Leider ist eine strittige Scheidung aber komplizierter und teurer als eine Einvernehmliche, da sich beide Parteien einen Anwalt nehmen müssen. Zudem dauert Sie auch länger (im schlimmsten Fall 3 Jahre). Um vielleicht doch noch eine einvernehmliche Scheidung hinzubekommen, kann auch eine Mediation Sinn machen. Dafür müssten Sie Ihren Noch-Partner aber zu einer Teilnahme bewegen.

Was auch immer Sie vorhaben: Sie sollten sich dafür Hilfe von einem Rechtsanwalt holen. Auch in unserem Ratgeber finden Sie sicher den ein oder anderen guten Tipp für das richtige Verhalten in dieser schwierigen Zeit.

Trotz aller möglichen Hindernisse kann allein schon der Scheidungsantrag ein wichtiges Signal sein. Denn oft versteht der zukünftige Ex-Partner die Ernsthaftigkeit Ihrer Absichten erst, wenn die Scheidungspapiere auf dem Tisch liegen.

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