Alleinsein nervt: Gründe, warum es schlecht ist, Single zu sein

 
 

Die Vorteile des Singlelebens haben wir bereits ausführlich vorgestellt. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass es da auch viele Nachteile gibt. Wenn dem nicht so wäre, würden Partnerbörsen so viel Sinn machen wie Kühlschränke in der Arktis, Discos wären nur noch zum Tanzen da und im Kino würden sich die Menschen konzentriert die Filme anschauen. Da das alles nicht der Fall ist, muss das Single-Dasein zwangsläufig auch seine Schattenseiten haben. Und genau die zerren wir nun ans Licht.

Kommunikation

Die richtige Kommunikation ist in Beziehungen unverzichtbar, soviel ist klar. Aber wo es bei Pärchen nur um das Problem geht, richtig miteinander zu reden ist das Dilemma bei Singles viel grundlegender: Mit WEM rede ich überhaupt? Klar, die Kumpels sind immer für ein Pläuschchen zwischen zwei Bieren gut und mit der besten Freundin kann man auch gut Nächte durchquatschen. Aber täglich über das Berichten, was man erlebt hat? Sich über die kleinen Freuden und Ärgernisse des Alltages auslassen und dabei im besten Fall sogar noch Interesse ernten? Bei so einer Aufgabe versagt auf Dauer selbst der beste Freund. Der hat nämlich auch noch ein Leben und häufig genug einen Partner an seiner Seite. Wer im Doppelpack unterwegs ist, hat dagegen immer einen Zuhörer. Und gleichzeitig auch jemanden, der einem neue Geschichten liefert, die einen oft nicht deswegen interessieren, weil sie so ausgefallen sind, sondern weil man sich mit der Person identifiziert, die sie erzählt. Weil man mit ihr mitfiebert, wie mit einem geliebten Romanhelden. Und das ist nicht nur bei den üblichen Alltagsthemen so: Die Gefühle, die man für einen Partner empfindet, geben Gesprächen eine ganz besondere Dimension.

Gefühle

Gefühle. Das ist das Stichwort. Bei allen rationalen Argumenten, die man gegen das Singleleben ins Feld führen könnte, spielen vor allem die Emotionen eine entscheidende Rolle. Wenn es mir mies geht, habe ich als Solo-Mensch keinen an den ich mich anlehnen, bei dem ich mich fallen lassen kann, der mir Geborgenheit gibt, der mich immer wieder tröstet und auffängt und der dazu vor allem die ganze Palette verbaler und non-verbaler (wir verstehen uns) Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung hat. Und wenn es mir gut geht, fehlt ein Mensch, den ich mit meiner Euphorie anstecken kann und dessen Lob oder Mitfreude mir so wichtig ist, dass sie meiner Hochstimmung die Krone aufsetzen kann. Hinzu kommen Sphären wie Romantik, das berühmte „Zwei gegen den Rest der Welt“ Gefühl und natürlich die Liebe. Also Liebe geben, Liebe bekommen, Schmetterlinge und alles, was dazugehört. Klingt abgegriffen, ist ein alter Hut aber auch nicht ohne Grund ein Dauerbrenner. Wer es schon mal erlebt hat, weiß, wovon wir reden.

Alltag

Beziehungsalltag - das ist ein Schimpfwort. Das ist für viele ein Synonym für Langeweile, Gartenzwerge und Fußnägelpflege. Aber wie sieht es mit dem Singlealltag aus? Klar, man hat mehr Freiheiten, aber man ist auch häufiger allein und hat niemanden, der auf einen zugerannt kommt, wenn man zu Hause die Tür öffnet. Und auch niemanden, der einem mit Geschenken oder spontanen Ideen überrascht.

Man hat auch keine Hilfe bei der Hausarbeit und darf das schmutzige Geschirr, das man auf der Spüle aufgetürmt hat, garantiert irgendwann selber managen. Umgekehrt macht es bei zwei Personen im Haushalt auch mehr Spaß und Sinn das Geschirr dreckig zu machen. Für seinen Partner und sich zaubert man vielleicht noch die tollsten Rezepte aus dem Hut, aber wenn man allein ist, steigt oft die Rate an Fertiggerichten und Tiefkühlpizzen bedrohlich an.

Auf dem Sofa wartet die nächste Enttäuschung. Nein, eben kein schmieriger Couch-Potato mit Bierflasche, sondern eben überhaupt niemand. So setzt man sich dann allein vor die Glotze und schaut Filme, die mit etwas Pech auch noch romantische Liebeszenen und Beziehungskisten enthalten, die ja inzwischen selbst in jedem vor Testosteron triefenden Actionfilm zum guten Ton gehören.

Auch im Bett sieht es nicht anders aus. Sex hat man abends nur, wenn man sich zuvor darum gekümmert hat und man weiß nie, ob er gut ist oder in einer Katastrophe endet. Selbst wenn er gut ist, ist das Kuscheln danach nicht immer so gerne gesehen und oft liegt man aber auch ganz allein im Bett, wo es gerade im Winter merklich kälter ist und wo man beim Aufwachen und Einschlafen dann doch nicht so gerne allein wäre. Von einem Albtraum aus dem schweißgebadet aufwacht ohne da jemanden zu haben an den man sich Hilfesuchen klammern kann ganz zu schweigen.

Und auch wenn man krank ist, schlägt das bei Singles gleich doppelt zu Buche. Es ist nämlich niemand in der Nähe, der einem Tee kocht, Wärmflaschen macht oder Mitleid verteilt. Auch die Hausarbeit bleibt in der Zeit unerledigt und wer nicht gerade gute Freunde oder Familienmitglieder mit viel Zeit an der Hand hat, muss sich zu allem Überfluss selbst noch mit fieberglühendem Kopf allein um seine Haustiere oder Zimmerpflanzen kümmern.

Soziales

Der Mensch ist ein soziales Wesen und in de meisten Fällen nicht gern allein. Deswegen kann er von einem weiteren Exemplar seiner Spezies an seiner Seite sehr profitieren. Paare können gemeinsame Erfahrungen machen, gemeinsame „Geschichten“ schreiben und sie haben im Leben immer jemandem den sie vertrauen können. Außerdem haben sie jemanden der ihre Schwächen (meistens) akzeptiert, der ihnen ihre Stärken bewusst macht und der ihnen täglich den fleischgewordenen Beweis liefert, dass sie ja auf irgendeine Weise durchaus attraktiv und liebenswert sein müssen. Aber auch durch die Kritik und die Auseinandersetzung mit dem Partner kann man als Mensch reifen. Auf all das muss man als Single größtenteils verzichten, genauso wie auf die Gelegenheit einen Menschen wirklich gut und innig kennenzulernen. Und auch auf Partys oder Festen muss man in der Regel allein aufkreuzen.

Sahnehäubchen

Zu guter Letzt fehlen, da noch diese besonderen Dinge die der Grund sind, warum Dichter und Künstler und auch ganz „gewöhnliche“ Menschen sich so in die Liebe verbeißen. Einen Menschen zu haben, der einen wirklich versteht und kennt und trotzdem mag, jemanden mit dem bedenkenlos alt werden und sich eine Zukunft aufbauen kann, eine Verbindung, die mehr ist als die Summe ihrer Teile und vor allem eine Reihe von schönen und besonderen Momenten, die man nicht so richtig in Worte fassen kann.

Wir hoffen, dass sie als Single den Monitor noch nicht in die Ecke gepfeffert haben. Wer sich jetzt deprimiert fühlt, kann sich für eine neue und glücklichere Partnerschaft starklar machen, sich die Vorteile des Singlelebens vor Augen führen oder sich damit trösten, dass es im Partnerschaftsalltag auch nicht immer so rosarot läuft.

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