Scheidung & Ehe: Denkschrift der Evangelischen Kirche

 
 

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine Denkschrift herausgegeben, die inzwischen schon für viele kontroverse politische und religiöse Debatten gesorgt hat. Kein Wunder. Immerhin finden sich darin überraschend offene Ansichten über alternative Lebensentwürfe, aber auch zum Thema Scheidung. Wir haben uns die viel diskutierte Denkschrift einmal angesehen und herausgestellt, was dort zum Thema Ehe und – vor allem - Scheidung gesagt wird.

Der Text erkennt zunächst einmal eindeutig die gesellschaftliche Wirklichkeit der zunehmenden Verbreitung von Patchwork-Familien, Regenbogenfamilien und anderer Familienkonstellationen an:

„Familie, das sind aber auch die so genannten Patchwork-Familien, die durch Scheidung und Wiederverheiratung entstehen, das kinderlose Paar mit der hochaltrigen, pflegebedürftigen Mutter und das gleichgeschlechtliche Paar mit den Kindern aus einer ersten Beziehung“,

heißt es unter anderem in der Denkschrift mit dem Titel „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“.

Dabei wird dieser gesellschaftliche Trend aber nicht kritisiert, sondern durchaus akzeptiert:

 „Die Menschen, die wir zur Familie zählen, leben nicht unbedingt gemeinsam unter einer Adresse - das heißt aber nicht, dass es nicht liebevolle Zuwendung, vielfältigen Austausch, Unterstützung, Hilfeleistung, Gespräche, kurz: familiales Zusammengehörigkeitsgefühl gibt“,

heißt es weiter in der Orientierungshilfe. Die evangelische Kirche zeigt sich hier folglich sehr offen für neue Lebensmodelle.

Ähnlich sieht es beim Thema Scheidung aus. Zwar wird bewusst auch vom Scheidungsverbot gesprochen:

„Das Scheidungsverbot Jesu erinnert die Paare und Eltern an ihre Verantwortlichkeit und macht Kirche und Gesellschaft deutlich, dass Verlässlichkeit für jede Gemeinschaft konstitutiv sind, weil sie die Schwächeren schützen und damit erst den Spielraum für Freiheit und Entwicklung eröffnen.“,

aber dennoch wird die Ehe nicht als absolutes Gut definiert, das um jeden Preis zu schützen ist:

„Bei aller Hochschätzung als „göttlich Werk und Gebot“ erklärte Martin Luther die Ehe zum „weltlich Ding“, das von den Partnern gestaltbar ist und gestaltet werden muss.“

Entsprechend wird die Möglichkeit einer Scheidung in dem Papier auch nicht generell verteufelt. Das mitunter schlechte Image der Scheidung wird sogar relativiert:

 „Eine Trennung oder Scheidung der Eltern führt akut zu einer deutlichen Belastung bei Kindern, langfristig lassen sich bei der überwiegenden Mehrheit keine negativen Folgen feststellen, im Gegensatz zu Familien, in denen Konflikte über Jahre hinweg andauern […]“.

Die Evangelische Kirche spricht sich hier also sogar indirekt für eine Scheidung aus, wenn die Ehe in einem Zustand ist, der die Kinder mehr belastet als es eine Scheidung tun würde.

Trotz allem wird aber in der Denkschrift zugleich die Bedeutung der Ehe betont:

„Die Evangelische Kirche in Deutschland würdigt die Rechtsform der Ehe als besondere „Stütze und Hilfe“: „Sie schafft und sichert dauerhaft und folgenhaft die durch ihren Öffentlichkeitscharakter dokumentierte wechselseitige Verantwortlichkeit und Verlässlichkeit, aber auch den Schutz des Schwächeren in der Partnerschaft.“

Entsprechend ist nach Ansicht der EKD auch

„der Wunsch, Liebe verbindlich und verantwortlich zu gestalten und den gemeinsamen Weg unter den Segen Gottes zu stellen, nach wie vor […] stark.“

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