Das Leid der Scheidungskinder

 
 

Das Hin- und Hergerissensein zwischen Mutter und Vater erfordert eine große Toleranz- und Kommunikationsbereitschaft beider Elternteile. Schließlich pendelt das Kind von A nach B und muss sich jedes Mal von Neuem an ein anderes Lebensumfeld anpassen.

Im besten Fall besitzt jeder Elternteil eine kindgerechte Wohnung und kümmert sich um den Sohn oder die Tochter. Ob im Wochen-, im 2-Wochen- oder  im 3-Wochen-Takt, in denen die Kinder zwischen der Wohnung der Mutter und der des Vaters pendeln, den Rhythmus handeln die Eltern in individueller Absprache aus.

Kann gut gehen. Muss es aber nicht. Denn wenn fremde Betreuungspersonen oder Babysitter bestellt werden, dann macht es Trennungs-/Scheidungskinder nicht unbedingt glücklich. Schließlich verlangen Sie nach der wahren Mutter oder dem Vater, der einen großen Teil des Lebens plötzlich nicht mehr da ist oder für das Kind nicht mehr da sein will.

Somit wäre man bei der Kernfrage angelangt, ob Scheidungskinder überhaupt glücklich sein können.

Sind Scheidungskinder glücklich?

Liebe kann man nicht rechtlich zusichern lassen. Sie kann man nur geben. Und zwar persönlich und auf ehrliche Weise.

Wie aber ist das möglich, wenn sich die Eltern streiten, keinen Konsens finden und sich Verachtung entgegen schleudern? Wenn sie Kinder als Mittel zum Zweck missbrauchen, um den Ex-Partner zu verletzen? Wenn einer der Eltern versucht, das Kind gegen den anderen aufzubringen bzw. ihm das Sorgerecht zu entziehen versucht? Auch harte Streitereien über Unterhaltszahlungen sind die falschen Motive, um Abstand vom Kind zu nehmen. Was passiert, wenn ein neuer Partner wichtiger wird und ein Elternteil das Kind ignoriert? 

Bei der gegenseitigen Kinderbetreuung müssen beide Elternteile an einem Strang ziehen. Ansonsten kann das Kind leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Und dann?

Tipps für glückliche Scheidungskinder

Es ist wichtig, dass Ihr Kind eine Bindung zu es liebenden Elternteilen gewährleistet bekommt. Folgende Bitten sind an all diejenigen gerichtet, die das Vertrauen ihres Kindes nicht verlieren möchten:

Bitte 1: Verhindern Sie Einsamkeit
Versuchen Sie, unmittelbar nach der Trennung das Nestmodell anzuwenden: Ihr Kind bleibt in der bislang gemeinsamen Wohnung und Sie wechseln sich wochenweise in der Betreuung ab. Sie könnten bei Freunden oder bestenfalls im Gästezimmer schlafen. Verlässlichkeit ist wichtig und kommt Ihrem Kind zugute. Es zählt auf sie. Nichts ist schlimmer, als wenn es sich im Stich gelassen fühlt.

Bitte 2: Verhindern Sie Irritationen
Wenn es mit dem Nestmodell nicht klappt, dann versuchen Sie doch, dass Sie Ihr Kind im 1-Wochenrhythmus sehen. Oder regelmäßig am Wochenende. Dann kommt es besser klar als im 2/3/4-Tages-Takt. Besonders kleinere Kinder reagieren verwirrt, wenn sie zu häufig aus Ihrem Lebensrhythmus gerissen werden. Versuchen Sie das zu berücksichtigen. Es geht hier um eine kleine Kinderseele, die sich flexibel immer wieder aufs Neue anpassen muss.

Bitte 3: Verhindern Sie Zerrissenheit
Falls Sie umziehen, suchen Sie sich am besten eine Wohnung im selben Stadtteil, sonst wird der Freundeskreis und die Nachmittagsaktivitäten des Kindes zerrissen. Selbstverständlich ist das nicht möglich, falls Sie in eine andere Stadt müssen, weil dort ein neuer Lebenspartner bzw. eine neue Arbeitsstelle warten.

Bitte 4: Verhindern Sie Fremdheit
Sorgen Sie bei getrennten Wohnungen dafür, das Ihr Kind jeweils einen eigenen Bereich und eine ähnliche Ausstattung mit Spielsachen, Büchern, Puppen oder Matchbox-Autos usw. bekommt. Kinder, die ein Musikinstrument lernen, sollten in beiden Haushalten die Möglichkeit haben, zu üben. Ein Klavier ist zwar weniger erschwinglich, aber eine Blockflöte allemal. Sachen wie Dreirad, Fahrrad, Sportkleidung, Gummistiefel oder Regelmäntelchen sollten doppelt vorhanden sein. Das Kind ist schließlich kein Reisender, sondern möchte sich an beiden Orten heimisch fühlen.

Bitte 5: Verhindern Sie Abweisung
Haben Sie einen neuen Partner? Dann bereiten Sie Ihr Kind vorsichtig darauf vor. Sonst muss es sich noch eine dritte Person teilen. Das ist bestimmt schwer für einen kleinen Menschen, der an Mama und Papa (und ggf. Verwandte wie Oma & Opa) gewöhnt war. Dasselbe gilt für Stiefgeschwister, die eventuell eifersüchtig reagieren. Keine leichte Situation.

Bitte 6: Verhindern Sie Versagensängste
Nur weil Sie geschieden sind, heißt das noch lange nicht, die Verantwortung für gemeinsame Kinder einfach abzugeben. Das gilt auch für das Thema Schule. Wechseln Sie sich nach Möglichkeit bei Elternabenden ab und kümmern Sie sich beide um die Hausaufgaben und die Lernfortschritte Ihres Kindes.

Am Ende sei Ihnen folgendes Zitat von Wilhelm Busch ans Herz gelegt:

„Meistens hat, wenn zwei sich scheiden, einer etwas mehr zu leiden."

Und das ist dann meistens Ihr Kind. Es denkt, es hat schuld. Dabei ist es völlig unschuldig an der Situation seiner Eltern. Denn es waren Sie, die nicht miteinander klar kamen. Und sonst keiner.

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