Finstere Wolken am Liebeshimmel - Depressionen in der Ehe

 
 

Traurig sind wir alle mal. Berufliche Sorgen, private Tragödien, Todesfälle oder einfach nur das schlechte Wetter, können unser Gemüt schwer belasten und uns das Lächeln vom Gesicht wischen. Wenn aber der Partner plötzlich fast gar nicht mehr lächelt und auch sonst kaum noch für die Freuden des Lebens zu begeistern ist, leidet er wahrscheinlich nicht nur unter gewöhnlicher Traurigkeit, sondern unter einer Depression. Als Ehepartner ist man dann erst einmal hilflos. Warum verhält er sich so? Was kann ich tun, damit es ihm besser geht? Liebt er mich nicht mehr?

Wir haben uns ein paar Gedanken darüber gemacht und uns an einer Antwort versucht.

Ist mein Partner depressiv?

Jeder von uns hat gelegentlich Phasen, in denen einem alles über den Kopf wächst und man von all seinen Sorgen wie gelähmt ist. Leider ist es den Menschen nicht vergönnt in ihrem Leben immer nur glücklich und sorgenfrei zu sein. Normalerweise verziehen sich die dunklen Gemütswolken aber wieder und lassen über kurz oder lang wieder Sonnenschein an die Seele. Wenn die Wolkendecke aber nicht mehr auseinanderreißen will und alles über viele Wochen, Monate oder gar Jahre nur noch trostlos und düster erscheint, ist man Opfer einer Depression.

Für Außenstehende – selbst wenn sie einem Menschen so nahe stehen wie der eigenen Frau odere dem eigenen Mann – ist es manchmal schwer zu erkennen, ob sein Partner an einer Depression leidet. Neben der zeitlichen Dauer der Traurigkeit gibt es aber noch weitere Erkennungsmerkmale. Depressive sind oft gereizt und launisch. Sie sind antriebslos und lachen nur noch sehr selten. Darüber hinaus sind sie die meiste Zeit sehr schweigsam und in sich gekehrt. Auch ein gestörtes Sexleben kann auf eine Depression beim Partner hinweisen. Und im schlimmsten Fall wirkt er sogar gefühlskalt und gleichgültig.

Was geht in meinem Partner vor?

Depressive Menschen haben oft keine oder kaum mehr Freude an gemeinsamen Unternehmungen. Hobbys, in denen sie früher vollkommen aufgegangen sind, sind ihnen plötzlich gleichgültig und sie werden bestenfalls noch aus Gewohnheit weitergeführt.

Alles erscheint ihnen sinnlos und ihnen fehlt der Optimismus, der gesunde Menschen durch den Tag trägt. Dabei sehen sie oft sehr klar die Probleme, die auf sie zukommen könnten, überschätzen sie aber gleichzeitig, so wie sie ihre eigenen Fähigkeiten unterschätzen. Die Probleme werden zu gigantischen, finsteren Monstern aufgeblasen, während der Depressive sich selbst viel kleiner macht als er ist.

Die allgegenwärtige Traurigkeit wirkt sich auch auf das Verhalten und die Empfindungen gegenüber ihrem Partner aus. Sie können die feinen Signale des Anderen, wegen der Last ihres eigenen Schmerzes oft nicht mehr wahrnehmen. Egal ob es sich um die subtile Bitte nach Hilfe, Trost oder Aufmerksamkeit oder um erotische Signale handelt. Ohnehin funktioniert die Libido bei den meisten depressiven Menschen nicht mehr richtig, was sie noch zusätzlich quält und in ihrem weiblichen oder männlichen Stolz trifft.

Manche Depressive sind aber nicht nur traurig, sondern fühlen sich sogar taub. Liebe, Wut und echte Traurigkeit, weichen einer dumpfen Gefühllosigkeit.  Dabei handelt es sich um eine Schutzreaktion der Psyche, die aber leider meist noch mehr Leid verursacht und es dem Depressiven noch schwerer macht, ein normales Verhalten gegenüber seinem Partner zu zeigen. Allerdings sind die Gefühle nicht verloren, sondern lediglich von der Krankheit überdeckt.

Wie kann ich helfen?

Bei Trauer, die einen konkreten Anlass hat, kann der Partner oft eine gute Stütze sein. Für akute Probleme kann man Hilfe anbieten, Lösungen finden, oder einfach Trost spenden. Bei Depressiven gibt es aber oft keinen konkreten Anlass, und selbst wenn es den gab, so hat sich die Niedergeschlagenheit inzwischen so verselbstständigt, dass auch die Lösung des Problems keine wirkliche Erleichterung mehr bringt.

Wenn der Partner wirklich depressiv ist, dann helfen Streit und Vorwürfe nicht viel. Ein depressiver Mensch kann für seine Stimmungen meist nichts und ihm fällt es unheimlich schwer, mit bestimmten Dingen fertig zu werden.

Das Beste, was man seinem depressiven Partner anbieten kann, sind Geduld und Einfühlungsvermögen. Wenn der Partner mal gereizt oder abwesend ist, sollte man ihn nicht mit Vorwürfen quälen. Auch gemeinsame Unternehmungen an der frischen Luft, oder sportliche Aktivität können helfen. Am wichtigsten ist es aber, den Partner dazu zu motivieren, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beispielsweise von einem Neurologen oder Psychotherapeuten. Dabei muss man oft gegen die skeptische Haltung des Partners angehen, der nicht daran glaubt, dass man ihm helfen kann. Das stimmt aber nicht. Denn eine Heilung oder zumindest Besserung ist meistens möglich, auch wenn sie manchmal dauern kann.

Aber nicht nur der depressive Mensch leidet unter seinen Depressionen. Auch der Ehepartner hat schwer daran zu tragen – immerhin ist er seine engste Bezugsperson. Deswegen sollte man darauf achten, dass man sich im Bestreben seinem Liebsten zu helfen nicht selbst völlig verausgabt. Wer seine Kräfte verschleudert und am Ende selber depressiv wird, kann seinem Partner auch nicht mehr helfen. Falls er dann nicht ohnehin vorher einen Schlussstrich ziehen und die Ehe beenden muss.

Mehr Informationen zum Thema Depression, können Angehörige und Betroffene bei der deutschen Depressionshilfe, oder beim Bündnis Depression bekommen. Letztere Seite bietet auch einen Selbsttest an.

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